Kunst am Bau: Fuchsberg-Grundschule bekommt Nest aus purem Gold

Der Schatz

17.11.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1, 3-7), Thorsten Goldberg (2)

Biesdorf. Haben wir als Kinder nicht alle davon geträumt, einmal einen richtigen Goldschatz zu finden? Im Neubau der Grundschule am Fuchsberg müssen die Mädchen und Jungen jetzt nicht einmal danach suchen: Sie haben ihn täglich vor Augen. Denn ein goldenes Nest, so wie es Greifvögel oder Krähen bauen, ist in einer Vitrine ausgestellt. Geschaffen hat das kleine Kunstwerk aus 999er-Gold mit insgesamt 814 Gramm Gewicht der Berliner Künstler Thorsten Goldberg. Es entstand als Beitrag zur Kunst am Bau. Denn bei jedem Neubau ist die öffentliche Hand als Bauherr verpflichtet, auch für künstlerische Gestaltung zu sorgen.

Anregung zum Träumen

In einem Wettbewerb, zu dem im Jahr 2014 acht Arbeiten eingereicht worden waren, hatte Goldberg die Jury überzeugt. Sein Ansatz ist so noch nie dagewesen. Das Kunstwerk soll nicht nur schmücken, sondern auch zum Träumen anregen. Denn nach 14 Jahren kann es gegen seinen Materialwert eingetauscht werden, die Vitrine bleibt dann als leere Hülle zurück. Goldberg verzichtet dafür auf sein Urheberrecht. Das Nest kann bei Bedarf sogar zerstört und eingeschmolzen werden, darf allerdings nicht als ganzes Kunstwerk verkauft oder versteigert werden. Den Erlös kann die Schule verwenden, für Dinge oder Vorhaben, die zuvor sorgfältig überlegt, diskutiert und abgestimmt wurden. Die Entscheidung darüber, was aus ihrem Schatz wird, sollen die Schüler, auch ehemalige, Lehrer und Eltern gemeinsam treffen, hat der Künstler festgelegt. Denn damit entstehe eine Gemeinschaft. „Ich gehe davon aus, dass in 14 Jahren Bedarf für etwas sein wird, an das heute noch gar nicht gedacht werden kann“, sagt er. Und natürlich kann auch die Entscheidung getroffen werden, das Kunstwerk unverändert zu behalten. „Es gibt feste Regeln, aber keine Vorgaben für das Ergebnis,” sagt der Künstler.

Auch die Schule will Kindern ein Nest bieten

So philosophisch sahen es die Jungen und Mädchen und ihre Lehrerinnen und Lehrer am Freitag, 16. November, allerdings wohl nicht. An der offiziellen Enthüllung des Kunstwerkes nahmen die Schülersprecher aller Klassen teil. Schulleiterin Birgit Feig hatte zuvor begründet, warum ein Nest so gut zu der neuen Schule passe, die erst im September übergeben worden war. Zum einen befindet sich die Schule nahe der Straße Habichtshorst und der stilisierte Horst eines Habichts findet sich auch auf einem Klettergerüst im Freigelände wieder, sagte Birgit Feig. Viel wichtiger aber: Auch die Schule wolle Kindern ein Nest bieten und Nestwärme, damit sie dort gut und gern lernen und sich wohlfühlen. Astrid Benner, die Kunsterziehung lehrt, wies darauf hin, dass in der Fuchsberg-Grundschule viel Wert auf die Entwicklung der Kreativität gelegt wird. Deshalb passe ein so originelles Kunstwerk wie das goldene Nest gut zum Haus.

Der Wert eines Mittelklassewagens

Dann drängten sich die Erst- bis Sechsklässler vor der Vitrine, die gleich beim Bau in eine Wand im Erdgeschoss des Gebäudes eingelassen wurde zu zwei Seiten je ein Fenster hat. So kann der Schatz der Fuchsberg-Grundschule von innen und außen bestaunt werden. „Wie viel ist das wohl wert?“, wollte ein Junge wissen. „Eine Million?“ So viel nun nicht, aber einen Mittelklassewagen könne man davon schon kaufen, antwortete Thorsten Goldberg. Bei einem Grammpreis von 34,41 Euro (Stand Freitagnachmittag) kann man sich leicht den Materialwert ausrechnen. Angesichts dessen war Lisa aus der 6b schon jetzt dafür, dass einmal verkauft wird, auch Pascal aus der 6c. Die neue Schule brauche ja immer noch viele Sachen, begründeten sie. So fehle zum Beispiel die geplante Bibliothek. In deren Räumen wird jetzt gelernt, weil es in Biesdorf viele Grundschulkinder, aber zu wenig Plätze für diese gibt. Finia aus der 6c plädierte dafür, das Nest zu behalten: „Es wird immer an den Einzug in unsere neue Schule erinnern“, sagt sie. Die Entscheidung darüber wird allerdings frühestens im Jahr 2032 fallen.

Schussfeste, vielfach gesicherte Vitrine

Falls auch andere Menschen als die Schüler und Lehrer der Fuchsberg-Grundschule vom Biesdorfer Goldnest träumen sollten – das sei vergebens, sagt Thorsten Goldberg. Denn das Nest ist zwar von zwei Seiten gut zu sehen, aber unzugänglich. Die Vitrine sei luftdicht verschlossen, schussfest und vollständig verschweißt sowie vielfach gesichert die Wand eingelassen. „Zum Glück“, sagte ein Junge, der mit glänzendem Augen vor der Vitrine stand. „Das ist unser Schatz.“

 

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