Alice-Salomon-Hochschule mit neuer Südfassade

Das alte und das neue Gedicht

16.01.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Viel Lärm gab es 2017/18 um die Fassadengestaltung der Alice-Salomon-Hochschule. Die Auseinandersetzungen gingen als Hellersdorfer Gedichtestreit in die Annalen ein. Viele, auch internationale Medien, berichteten darüber, wir ebenfalls (u.a. hier). Denn beeinflusst vom Gedicht avenidas von Eugen Gomringer hatte sich eine Sexismus-Debatte entwickelt – die Hochschule entschied sich nach mehrmonatiger Diskussion und schließlich Abstimmung dafür, die Südfassade ihres Gebäudes nahe dem Bahnhof Hellersdorf neu zu gestalten.

Worte von Barbara Köhler

Das ist inzwischen geschehen, praktisch von der bereiten Öffentlichkeit unbemerkt. Seit Ende Dezember ist an der Wand nun ein Text von Barbara Köhler zu lesen, wie einst auch Gomringer, Träger des Alice Salomon Poetik Preises. Dieser lautet: SIE BEWUNDERN / SIE BEZWEIFELN SIE ENTSCHEIDEN / SIE WIRD ODER WERDEN GROß ODER KLEIN GESCHRIEBEN / SO STEHEN SIE VOR IHNEN/ IN IHRER SPRACHE / WÜNSCHEN SIE IHNEN / BON DIA GOOD LUCK. Die Worte aus dem eigens für die Hochschule verfassten Text waren nach der notwendigen Sanierung der Fassade angebracht worden. Doch auch das umstrittene Gomringer-Gedicht befindet sich weiterhin dort – auf einer am Sockelbereich angebrachten 1 x 1,4 Meter großen Edelstahl-Tafel ist avenidas weiterhin zu lesen. Zudem befindet sich dort ein vom inzwischen 94 Jahre alten Dichter geschriebener Kommentar sowie ein Hinweis auf die Fassadendebatte, die man auf der Website der ASH nachlesen kann.

Aus Metall und beleuchtet

Größer wird das Gedicht des Deutsch-Bolivianers Gomringer in Kürze an einem Wohnhaus der Genossenschaft Grüne Mitte zu lesen sein, wir berichteten. An der Giebelwand des Hauses Kyritzer Straße 82 werden die Zeilen aus Metall angebracht und abends hinterleuchtet. Laut Vorstand Andrej Eckhardt lag die Genehmigung des Bezirks zur Installation bereits Ende des vergangenen Jahres vor. Jetzt befindet sich die Konstruktion in der Fertigung. Wann sie angebracht wird, darüber werde die Genossenschaft rechtzeitig informieren, hieß es auf eine Anfrage von LiMa+.

Genossenschaft kam Bezirk zuvor

Bereits Anfang 2018 hatte die CDU-Fraktion in einem mehrheitlich beschlossenen Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) das Bezirksamt aufgefordert, zu prüfen, „ob das Gedicht … an anderer geeigneter Stelle im Bezirk, zum Beispiel an einer Gebäudefassade, öffentlich und gut sichtbar wieder angebracht werden kann“. Die Genossenschaft war mit ihrer Initiative dem zuvor gekommen.

 

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