Viertes Riesen-Wandbild fertig

15.07.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. „Tropfen und Ringe“ heißt das 500 Quadratmeter große Wandbild, das in nur zehn Tagen an der Giebelfassade des zehngeschossigen Plattenbaus an der Erich-Kurz-Straße 9-11 entstand, direkt gegenüber dem Tierpark-Center und nahe dem Tierpark Berlin. Geschaffen hat das Kunstwerk der international bekannte Streetart-Künstler 1010 im Auftrag der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Howoge. Am Freitag, 14. Juli, wurde das Gemälde mit einem Fassaden-Kunst-Fest auf dem Heinrich-Dathe-Platz eingeweiht. Viele Anwohner kamen.

Namhafte Künstler gestalten Hausfassaden

Die Howoge will mit ihrer Initiative Lichtenberg Open Art (LOA Berlin) eine wachsende Open-Air-Galerie im Bezirk schaffen. Dazu gestalten namhafte Künstler Häuserfassaden. Die Auswahl über die Künstler und die Motive übernimmt eine fachkundige Jury. Der Grundstein zu LOA wurde im Jahr 2012 mit dem Kunstwerk von Christian Awe an der Frankfurter Allee 192, gegenüber der einstigen Zentrale des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi), gelegt. Es folgte das Werk des amerikanischen Künstlerduos JBAK im Jahr 2014 an der Landsberger Allee. Anlässlich des 30. Jubiläums von Neu-Hohenschönhausen entstand am Warnitzer Bogen das Gemälde „Aufbruch in neue Welten“ der Künstlergruppe Klub 7.

Kunst im Stadtraum erlebbar machen

Begleitet wird die Arbeit an den Fassaden stets mit einem Kunst- und Bildungsprogramm für Kinder und Jugendliche, aber auch für erwachsene Anwohner und andere Interessierte. Den Abschluss bildet immer ein Fest zur Einweihung der Gemälde. Howoge-Geschäftsführerin Stefanie Frensch sagte, diesmal sei die Idee, Kunst im Stadtraum erlebbar zu machen, ganz besonders umgesetzt worden. Denn anders als an den bisherigen Standorten, wo die meisten Menschen vor allem mit Autos vorbeifahren, befindet sich das Gemälde von 1010 inmitten eines belebten Platzes mit vielen Einkaufsmöglichkeiten und Raum zum Pausieren am Springbrunnen.

1010 stellte auch in San Francisco aus

Insgesamt 120 Liter Farbe in verschiedenen Tönen, 25 Farbrollen und eine Airbrush-Anlage hat 1010 (englisch ausgesprochen: ten-ten) gebraucht, um sein gigantisches Werk zu schaffen. Wie viele Streetart-Künstler will auch er anonym bleiben. Der Hamburger hatte im Jahr 2016 Einzelausstellungen in Mailand und San Francisco, er kreierte Murals in Dubai und Detroit. Er berichtete, dass die Idee zu „Tropfen und Ringe“ während regnerischer Tage im letzten Oktober entstand. Die Inspiration für das Motiv waren Regentropfen, die auf Wasser treffen und Ringe bilden, die einzelnen Schichten wirken dabei wie übereinander gelegte Momentaufnahmen der Bewegung auf dem Wasser. Die bunte Farbgebung sollte dem Grau und der Kälte dieses Tages entgegenwirken. 1010 hat nach eigenen Angaben mit 14 Jahren angefangen, zu sprayen. Inzwischen ist er 38 Jahre alt, seit drei Jahren widmet er sich der Fassadenkunst. Mehr wollte er von sich nicht preisgeben. Nur so viel noch: In Berlin hat er bisher zwei weitere Fassaden gestaltet – in der Finowstraße (Friedrichshain) und in der Schöneberger Steinmetzstraße. „Aber keine war bisher so groß wie diese.“

„Heiner Müller hätte das gefallen“

Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) lobte das Engagement der Wohnungsbaugesellschaft: „Berlin war schon immer Anziehungspunkt für Künstlerinnen und Künstler aller Genres. Nur selten jedoch erhalten sie die Möglichkeit, ihre Werke so prominent im öffentlichen Raum zu präsentieren.“ Gutes Wohnen heiße auch schönes Wohnen und dazu gehöre auch Kunst, sagte Katrin Lompscher. Und sie verwies auf einen früheren prominenten Mieter des Plattenbaus in der Erich-Kurz-Straße: „In diesem Haus hat mal der Dramatiker Heiner Müller gewohnt, dem hätte das bestimmt gefallen.“ Denn Kunst sei auch Lebensmittel.

Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) sagte, dass die Howoge 50.000 Wohnungen im Bezirk verwaltet. Auch die LOA-Initiative zeige, dass sich die Gesellschaft um das Gemeinwohl kümmere. Erfreut zeigte er sich, als Stefanie Frensch auf seine Frage, wann denn das nächste Kolossal-Wandbild komme, antwortete: „Im nächsten Jahr.“ Wo, das verriet sie aber auch dem Bezirkschef noch nicht.

Nicht die einzigen Großgemälde im Bezirk

Die innerhalb von LOA entstandenen Wandbilder sind längst nicht die einzigen im Bezirk. Bereits zu DDR-Zeiten entstanden als „Kunst am Bau“ Wandgemälde, von denen allerdings viele schon wieder verschwunden sind. Bekannt ist das „Gustavo-Haus“ des spanischen Künstlers an der Franz-Jacob-Straße 1 mit seinen quietschbunten Großfiguren von 1999. Nur ein paar hundert Meter entfernt vom neuesten Fassadengemälde befindet sich mit dem sogenannten Friedrichsfelder Triptychon an der Straße Am Tierpark eines der größten Wandbilder der Welt (ca. 22.000 Quadratmeter insgesamt). Unklar ist noch, was aus dem Fassadengemälde Nicaraguanisches Dorf Monimbó an der Skandinavischen Straße 26 von Manuel Garcia Moia wird, das einige Jahre nach Restaurierung im Jahr 2005 wieder zu bröckeln begann und entfernt werden musste. Erst vor einigen Tagen hatte im Beisein der Botschafterin Nicaraguas, der Förderverein der Schule am Wilhelmsberg, Bürgermeister Grunst eine Willenserklärung zur dauerhaften Sicherung des Kunstwerkes im Speisesaal der Schule übergeben. Ob das möglich ist und ob der von Lichtenberg angestrebte Denkmalschutz für das Nicaragua-Bild kommt, wollten Lompscher und Grunst bei der Bilder-Feier auf dem Heinrich-Dathe-Platz trotz Frage der Moderatorin aber nicht diskutieren: „Das können wir heute bestimmt nicht klären“, sagte der Bürgermeister.

Weitere Informationen:
www.loa-berlin.de

Empfehlenwert zur Fassadenkunst in Berlin:
www.norbert-martins-wandbilder-berlin.de

 

 

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