Ein Hochbunker im Wohnquartier, was soll man damit?

Der Koloss von Karlshorst

29.08.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-13), Birgitt Eltzel (14). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Karlshorst. Es ist ein bizarres Bild: Ein Beton-Relikt aus der dunkelsten Zeit des vorigen Jahrtausends steht an der Einmündung Zwieseler-/Ecke Viechtacher Straße, mitten zwischen im Bau befindlichen und fertigen, schicken Wohnhäusern der Gartenstadt Karlshorst. Der dreigeschossige, rund 40 Meter lange und 20 Meter breite Hochbunker wurde 1940, während des Zweiten Weltkrieges, von den Nationalsozialisten errichtet – im Zusammenhang mit dem Bau der nicht weit entfernten Festungspionierschule. Er sollte 500 Wehrmachtsangehörigen Schutz bieten. Ob er überhaupt jemals diesen Zweck erfüllte, ist nicht eindeutig überliefert, da am 23. April 1945 das gesamte Areal kampflos an die Rote Armee übergeben wurde. Es entwickelte sich in der Folgezeit zum weltweit größten KGB-Stützpunkt außerhalb der Sowjetunion. Der graue Beton-Koloss wurde als Lager- und Kühlhaus genutzt. Seitdem die russischen Militärs 1994 vollständig abgezogen waren, steht das Gebäude nutzlos und leer.

Ideen gibt es einige für den Hochbunker

Der Hochbunker mit Belüftungsöffnungen, die eher Schießscharten als Fenstern ähneln – mit Stahlbetondecken und einem nach vier Seiten geneigten Walmdach aus Stein – ist so massiv gebaut, dass ein Abriss hohe Kosten verursachen würde und bislang unwirtschaftlich erscheint. Zudem steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Ideen für eine Nutzung gibt es schon. So könnte der Bunker zu einem Ausstellungshaus oder als Jugendeinrichtung mit Diskothek umgebaut werden. Es gibt sogar Pläne, ihn für die Zucht von Champignons oder als Kletteranlage umzugestalten.

Aus dem Fachbereich Stadtplanung des Bezirksamtes Lichtenberg war zu erfahren, dass der Grundstückseigentümer (die WPK Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, die Red.) die Absicht habe, „eine mit der Wohnnutzung vereinbare, denkmalgerechte und wirtschaftlich darstellbare Nutzung zu finden.“ Zunächst wolle er aber eine Potenzialanalyse beauftragen, um künftige Nutzungs- und Vermarktungsmöglichkeiten besser einschätzen zu können.

Denkmal- und Artenschutz und B-Plan beachten

Bei allen guten und weniger guten Ideen ist zu beachten, dass sich der Betonklotz auf dem Gebiet des Bebauungsplanes XVII-50aa befindet, für den ein allgemeines Wohngebiet festgesetzt ist. Deshalb ist u.a. eine kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche oder sportliche Nutzung zwar zulässig – wie das Stadtplanungsamt klarstellte – Voraussetzung sei jedoch, dass durch die Nutzung das Wohnen nicht gestört werde. „Eine wichtige, klärungsbedürftige Frage ergibt sich zurzeit aus den Anforderungen des Arten- und Naturschutzes“, heißt es in einer Stellungnahme, die LiMa+ vorliegt. Vor deren Hintergrund müssten momentan alle möglichen Nutzungen, eher kritisch und einschränkend betrachtet werden.

Den Bunker für eine Wohnnutzung umzubauen, würde umfangreiche Änderungen der Bausubstanz erfordern, die wiederum nur schwer mit dem Denkmalschutz vereinbar wären. Wie die Stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung Birgit Monteiro (SPD) mitteilte, sei wegen der Beständigkeit der Bauform in absehbarer Zeit auch nicht mit einem Verfall des Gebäudes zu rechnen. Deshalb gebe es aus denkmalpflegerischer Sicht auch keinen Grund für das Bezirksamt, auf den Eigentümer einzuwirken.

Die Schweizer…

„Im Ergebnis ist hier ein kreativer Kopf gefragt“, sagte Birgit Monteiro. Es müsse eine Nutzungsmöglichkeit gefunden werden, die mit dem Denkmalschutz und den Vorgaben des Bebauungsplanes vereinbar sei und darüber hinaus auch noch wirtschaftlich. Bleibt die Frage, warum ein hässliches Haus, das für den Krieg gebaut wurde, unter Denkmalschutz gestellt wird? An die Schrecken des Krieges kann sicher auch anders erinnert und gemahnt werden. Vielleicht wäre es ja auch eine gute Option, den ollen Bunker einfach zu entwidmen.

Die Schweizer halten übrigens Ihre Bunker, die sie zu Zeiten des Kalten Krieges neu gebaut haben, in Schuss (Foto). In Zürich beispielsweise weiß jeder beflissene Einwohner wo sich sein Bunker für den Ernstfall befindet. Verrückt diese Schweizer – oder?

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden