Schloss Biesdorf als Kunstzentrum eröffnet

„Ein guter Tag für Berlin“

10.09.2016, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Biesdorf. Dichtes Gedränge auf Schloss Biesdorf: Die klassizistische Villa ist am Freitag, den 9. September, als „Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum“ im Beisein von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Hunderten Besuchern wiedereröffnet worden. Drei Jahre nach dem Beginn der mehr als 10 Millionen Euro teuren Sanierung soll das Haus in Biesdorf zeitgenössischen Künstlern ebenso ein Podium bieten wie früheren DDR-Künstlern.

DDR-Kunst neben zeitgenössischen Werken
Fast auf den Tag genau drei Jahre nach dem Start der umfangreichen Sanierungsarbeiten erstrahlt das Schloss wieder im Glanze seiner früheren Tage. Die weitläufigen, auf zwei Etagen verteilten Räume sind hell und freundlich. Vom kleinen Saal auf der Ostseite hat man einen schönen Blick in den Schlosspark von Biesdorf. „Auftrag Landschaft“ hat Schloss-Direktorin Katja Aßmann die erste Ausstellung überschrieben, die seit Freitag zu sehen ist und die den Versuch unternimmt, die Auftragswerke von DDR-Künstlern neben denen von zeitgenössischen Kollegen zu präsentieren. Und in der Tat ist Aßmann, auch künstlerische Leiterin der Organisation „Urbane Künste Ruhr“, dies gelungen. Zu sehen sind unter anderem Bilder von Günther Brendel, die das Baugeschehen zwischen 1978 und 1980 in Marzahn dokumentieren, neben Radierungen von Wolfgang Domröse mit der Bezeichnung „Vögel über Marzahn“. Jeppe Hein aus Kopenhagen entwarf eine Spiegelinstallation, während Jeanne van Heeswijk mit „Amnesia of a Landscape“ einen Einblick in die sozialen Strukturen einer städtischen Infrastruktur verspricht. Es seien von Menschenhand geschaffene Landschaften aus unterschiedlichen Zeiten und Kulturen, erklärt Aßmann.

Insgesamt 30 künstlerische Positionen fanden in den Räumen Platz, in denen einst die Familie des Barons Günther von Bültzingslöwen und später von Werner von Siemens lebte. Es gibt ein kleines Museumscafé, einen Museumsshop und eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses. Darüber hinaus ist Platz für Veranstaltungen. Langfristig sollen in Biesdorf einige Werke aus dem Kunstarchiv von Beeskow zu sehen sein. Dort lagern die Exponate von 1.200 DDR-Künstlern in einem Depot.

Bereicherung für die Kulturmetropole Berlin
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) schwärmte am Freitag von der „offenen, freundlichen und einladenden Atmosphäre“ und lobte Schloss und Park als neuen Anziehungspunkt für Berlin. „Alle gucken ganz selbstverständlich, wenn es um Kunst und Kultur geht, nach Mitte, aber Kunst und Kultur gehört in jeden öffentlichen Raum und ganz besonders in die Bezirke“, sagte Müller. Er hob zudem das Engagement von Dr. Heinrich Niemann, dem Chef der Stiftung „Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V.“ hervor. Der Verein hatte sich seit der Wende für den Wiederaufbau der denkmalgeschützten Villa stark gemacht. Seit einem Brand im Jahre 1945 war nur noch eine Etage des Hauses vorhanden. Als ein „überaus verdienstvolles Engagement“ bezeichnete Müller das Wirken Niemanns und seiner Mitstreiter, unter ihnen auch Dr. Oleg Peters. Er hatte erst kürzlich ein fast 600 Seiten starkes Buch über den Architekten von Schloss Biesdorf, Heino Schmieden, veröffentlicht (LiMa+ berichtete), wovon ein Exemplar dem Regierenden Bürgermeister überreicht wurde. „Dieser Ort wird viele Menschen begeistern und auch in den Bezirk ziehen“, sagte Müller. Schloss Biesdorf sei eine Bereicherung für die Kulturmetropole Berlin. „Ein guter Tag für Berlin, aber insbesondere auch ein guter Tag für den Bezirk und für Biesdorf.“

Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) bezeichnete Schloss Biesdorf als faszinierenden Ort. „Ich würde mir wünschen, dass dieser Ort fester Bestandteil des touristischen Programms Berliner Besucher wird“, sagte er. „Dieses Schloss gibt es heute, weil Herr Niemann und Herr Peters sich engagiert haben als Privatbürger.“ Es sei nicht nur eine Blaupause für die Gestaltung eines Gebäudes, sondern dafür, wie ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement funktionieren und Politik bewegen können. Kulturstadträtin Juliane Witt (Die Linke) kündigte an, Schloss Biesdorf zu einem Ort der Begegnung und des Austausches zu entwickeln. „Es wird nicht nur ein Ort der DDR-Kunst, sondern ein Ort, an dem sich Widersprüche treffen werden.“ Betrieben wird Schloss Biesdorf, das dem Bezirk gehört, von der Grün Berlin GmbH, die auch die Internationale Gartenschau 2017 in Marzahn ausrichtet. Daher dürften Kunstkennern einige Namen der jetzt ausstellenden Akteure bekannt vorkommen. Sie werden ab April kommenden Jahres auch auf dem IGA-Gelände Kunst präsentieren.

Freier Eintritt zum Tag des offenen Denkmals
Zum Tag des offenen Denkmals werden am 10. und 11. September Führungen angeboten. An beiden Tagen ist zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet, die Touren zur Geschichte des Hauses starten am Sonnabend um 10 und um 14 Uhr sowie am Sonntag um 10. Und 14.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Ab sofort sind die Ausstellungen zudem dienstags, mittwochs, freitags, sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags von 13 bis 21 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 5, erm. 2,50 Euro. Immer donnerstags werden um 18.30 Uhr kurze Einführungen zur aktuellen Ausstellung und sonntags um 11 Uhr Kuratorenführungen angeboten.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden