Eisschnelllauf-Legende Jenny Wolf zu Gast im Sportmuseum

Zwischen Zieleinlauf und Neustart

22.05.2014, Werner Ambrasat

Fotos: Werner Ambrasat

Marzahn. Wenige Tage vor ihrer Abreise zu einem einjährigen Aufenthalt in Kanada, zu der sie ihr Mann eingeladen hat, besuchte gestern, 21. Mai, die ehemalige Eisschnellläuferin Jenny Wolf das Sportmuseum Marzahn-Hellersdorf. Um es vorweg zu nehmen: „Ehemalige“ zu sagen fällt nicht nur in Anbetracht des kurzen Zeitraums seit ihrem letzten erfolgreichen Wettkampf in Heerenveen schwer. Jenny Wolf verwies auch auf ihre Hoffnungen, sich in einer der Shorttrackhallen von Toronto oder auf zugefrorenen Seen betätigen zu können, vielleicht sogar bei einem Marathon, mitzumachen.
Museumschef Wolfgang Turowski spannte den Bogen von Jennys ersten Schlittschuhaktivitäten, Mitte der 1980er Jahre, auf Pfützen in ihrem Marzahner Wohngebiet, über sportliche und private Höhepunkte bis zum letztmaligen Zieleinlauf. Jenny hatte auch ihre Mutti mitgebracht. Beide ergänzten mit Hinweisen und kleinen Episoden, so dass die Besucher einen kurzweiligen Abriss der über 25-jährigen Sportkarriere erhielten. Heiterkeit löste die Situati-onsbeschreibung der Schnellläuferin aus, dass das Anziehen der verschiedenen Rennanzüge während ihrer Laufbahn vor dem Start, der Aufregung geschuldet, immer schwieriger gewesen sei als das Ausziehen mit Erschöpfung nach dem Wettkampf.

Lob für Organisatoren in Sotschi
Bevor der Gastgeber dem Publikum die Möglichkeit gab, Fragen zu stellen, verwies er auf das besondere Angebot des Lichtenberger Sporthotels Kolumbus, in der von Jenny mitgestalteten Eisschnelllaufsuite nächtigen zu können. Als Gag bekam die nur wenige Schritte davon entfernt Wohnende einen Übernachtungsgutschein überreicht. Ob Jennys Worte, sich künftig dem Nachwuchs zuwenden zu wollen, ein Hinweis auf ihre Familienplanung sei, wollte ein Besucher wissen. „Die Sportlerin antwortete, dass sich die Aussage zunächst auf Überlegungen beziehe, ehren- oder hauptamtlich im Eisschnelllaufverband tätig zu werden. Natürlich wurde auch das Thema Sotschi nicht ausgespart. Bei Jenny überwog das Lob für die Organisatoren und Sportstätten den einschränkenden Bewertungen, die auch in vielen Medien verbreitet wurden. Aber sie habe schon „die einheizende Stimmung“ vermisst, die sie in anderen Eisschnelllauf-Hochburgen der Welt, wie zum Beispiel in Heerenveen, so oft erlebte.

Aufnahme in „Galerie der Ehre“
Schön, dass sich die 35-jährige in diesem Zusammenhang auch zu ihrer Beziehung zu Claudia Pechstein äußerte: „Da wir zwar im gleichen Verein, aber in zwei verschiedenen Trainingsgruppen aktiv waren, hatten wir nur in Trainingslagern und bei Wettkämpfen intensivere Kontakte und die waren immer sehr gut.“ Auch vom sogenannten Zickenkrieg in Sotschi habe sie vor Ort, im Unterschied zu den Medien, nichts mitbekommen.
Wie sie Stürze verkraftet habe, so eine weitere Frage. Ein „Hinfaller“ im Jahr sei für sie „Pflicht“ gewesen, sagte die Leistungssportlerin. Mit dieser mentalen Einstellung habe man sich relativ gelassen der entsprechenden Videoaufzeichnung zuwenden können. Schließlich hätten zumeist nur technische- oder Eisfehler die Ursache sein können. „Oder ich war einfach zu schnell…“
Ganz ohne Stürze wird Jennys „neue Karriere“ in Kanada vielleicht nicht ablaufen. Tröstend, dass sie auch in Berlin das Shorttracking als Spezialübung für Kurventechnik stets im Programm hatte. Vielleicht war sie genau deshalb in vielen Wettbewerben ihrer Laufbahn besser als die Konkurrenz. Mit der Aufnahme in die „Galerie der Ehre“ des Sportmuseums Marzahn-Hellersdorf fand die herausragende Sportlerin eine bleibende Würdigung.

 

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