Rolf A. Götte schreibt über den Kiez – und auch über die Welt

Zwischen Marzahn und Sizilien

10.07.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Es gibt wohl kaum ein Ereignis im Marzahner Nordwesten, das an Rolf A. Götte vorbeigeht. Ob es das traditionelle Weihnachtssingen auf dem Barnimplatz ist, ein Nachbarschaftsfest in der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete, eine Aufführung im Berliner deutsch-russischen Tschechow-Theater oder das Richtfest für ein Mehrzweckgebäude auf dem Abenteuerspielplatz an der Ahrensfelder Chaussee – der 79-Jährige ist immer mit seiner Kamera dabei. Seine Fotos und Texte können die Bewohner des Stadtteils dann auf der Seite des Quartiersmanagements Marzahn-NordWest nachlesen. Götte ist gegen eine Aufwandsentschädigung als Kiezreporter tätig.

Erfüllter Jugendtraum

Ein wenig hat sich der 1940 in Berlin-Neukölln Geborene damit auch einen Jugendtraum erfüllt. „Ich wollte nämlich ursprünglich Journalist werden“, erzählt er. Doch dann lernte er Schriftsetzer, ein grafisches Handwerk. Götte wurde Leiter der seinerzeit größten Fotosetzerei West-Berlins. Dann zog es ihn und seine Frau Anita nach Westdeutschland. 42 Jahre lebte die Familie mit ihren zwei Kindern in einer Gemeinde in der Nähe von Stuttgart. Rolf A. Götte war im Außendienst der grafischen Branche tätig, vertrieb u.a. Druckmaschinen und Papier für den Druckereibedarf. 2011, inzwischen im Ruhestand, zog es ihn wieder nach Berlin. Diesmal in den Ostteil, immerhin stammt Anita Götte aus Friedrichshain. Und eine Tochter wohnte bereits in Marzahn. „Es hat sich so ergeben, dass wir dann dort auch eine Wohnung gefunden haben.“ Mit den Worten „Ossi“ und „Wessi“ kann er übrigens wenig anfangen. „Das sind doch bloß Klischees.“ Wichtig sei, wie die Menschen agierten und reagierten.

“Es ist viel los im Kiez”

Götte ist zufrieden mit seinem Wohnort. Er schätzt das viele Grün und die vielseitigen Angebote für die Nachbarschaft. „Es ist eine ganze Menge los, man muss es bloß wahrnehmen“, sagt er. Als Neu-Marzahner hatte er, nur wenige Wochen nach dem Umzug, ein Plakat gesehen, das auf das Büro des Quartiersmanagements hinwies. „Da wurde ich neugierig und bin dann einfach mal hingegangen.“ Frank Grontzki, der Präsident des Fußballvereins 1.FC Marzahn 94, fragte ihn wenig später, ob er nicht Lust habe, im Quartiersrat (QR) mitzuwirken. Dieser ist die Interessenvertretung der Bewohnerschaft im Kiez. „Das habe ich dann einige Zeit getan.“ Seit 2015 ist Götte als Kiezreporter im Auftrag der „Kiek in“ Soziale Dienste gGmbH tätig, dem Träger des Quartiersmanagements.

Politik, Zeitgeschichte und Kriminalität

Doch nicht nur Fotos und kurze Berichte für die QM-Internetseite kommen von dem Autor. Denn Rolf A. Götte ist auch Schriftsteller. Mit dem Millenium begann er,  Romane zu schreiben. Diese beschäftigen sich mit Politik und Zeitgeschichte, auch mit der organisierten Kriminalität. Schauplätze sind Berlin Ost und West, aber auch Rügen und Sizilien. Sie haben das Motto seines Lebens zum Inhalt, das der Menschenrechts-Charta der Vereinten Nationen ähnelt und auch auf seiner Seite im Internet steht : „Weltweit dürfen nie wieder Menschen von Extremisten wegen ihres Alters, Aussehens oder Glaubens, ihrer physischen oder psychischen Handicaps, ihrer Bildung, Hautfarbe, Herkunft sowie ihrer politischen Ansichten beleidigt, diskriminiert, ausgegrenzt, verfolgt, vertrieben oder umgebracht werden.“

Bereits sechs Romane veröffentlicht

Sechs Bücher hat Götte inzwischen veröffentlicht (u.a. „Totentanz am Oberbaum“, „Rügener Frauentod“, „Palermo, Remstal und zurück“). Zwei weitere sind bereits fertig. „Das Schreiben macht mir einfach Freude“, sagt er. Man sei beschäftigt, müsse recherchieren, in Bibliotheken und Archive gehen sowie Gedenkstätten und Museen besuchen. Das trainiere auch das Gehirn.

Auch im Ein-Fach-Laden erhältlich

Die Romane sind über Amazon erhältlich und werden auch in Büchereien ausgeliehen. Der Autor beteiligt sich ebenfalls an öffentlichen Veranstaltungen wie beispielsweise der „Lesenacht an der M8“. Zu haben sind seine Bücher auch im vor kurzem eröffneten Nachbarschaftsladen „Ein-Fach“ im Kulturhochhaus, Wittenberger Straße 85. Dieser ist dienstags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet, oder nach Vereinbarung unter Tel. 93 77 20 52.


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