Charlotte von Mahlsdorf wäre am 18. März 90 Jahre alt geworden

Zwei Tage lang wird gefeiert

16.03.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Mahlsdorf. Auf jeden Fall wäre es eine Gelegenheit für den feinen schwarzen Rock und die weiße Bluse, bestimmt auch für die Perlenkette. Anzunehmen, dass sich Charlotte von Mahlsdorf an ihrem 90. Geburtstag von der Kittelschürze getrennt hätte, mit der sie meist in ihrem Haus umherwirtschaftete. Immerhin hatten sich Gäste angekündigt. Und ein ganz klein wenig eitel war sie schon, wenngleich sie gern betonte, das einfache Leben zu lieben – ein bisschen Quark auf Brot und ein Apfel, das reiche ihr, hat sie gern gesagt.

Bekannteste Mahlsdorferin

Auch wenn Charlotte, die wohl bekannteste Einwohnerin von Mahlsdorf, ihr 90. Jubiläum nicht mehr selbst erleben kann (sie ist bekanntlich vor 16 Jahren, am 30. April 2002, gestorben), wird ihr Geburtstag am 18. März groß gefeiert. Eigentlich ist es sogar das ganze Wochenende, das im Zeichen der Jubilarin steht. Denn bereits am Sonnabend, 17. März, bitten das Bezirksamt und der Förderverein Gutshaus Mahlsdorf geladene Gäste zu einer Festveranstaltung ins Gründerzeitmuseum am Hultschiner Damm 333. Dort wird es nicht nur Toasts auf die Jubilarin und ihr Werk geben, die den Marzahn-Hellersdorfer Ortsteil überall auf der Welt bekannt machte – immerhin wurde das Stück des US-amerikanischen Autors Doug Wright „I Am My Own Wife“ nach ihrer Autobiografie „Ich bin meine eigene Frau“ inzwischen in mehr als 30 Ländern der Welt aufgeführt. Ab 15.30 Uhr wird auch erstmals in ihrer Wirkungsstätte der Dokumentarfilm über Charlotte von Mahlsdorf „Sonntagskind“ von Carmen Bärwaldt gezeigt.

Straße wird nach Charlotte benannt

Zuvor aber geschieht etwas, was sich Freunde und Weggefährten von Charlotte schon lange gewünscht haben: Um 14 Uhr findet, direkt gegenüber dem Gründerzeitmuseum, in einer neuen Eigenheimsiedlung die feierliche Benennung des „Charlotte-von-Mahlsdorf-Ring“ statt. Damit wird Mahlsdorfs Tochter, die eigentlich als Sohn zur Welt gekommen ist, nahe ihrer Wirkungsstätte geehrt. Die Benennung einer Straße nach der Jubilarin geht auf einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zurück. Charlotte von Mahlsdorf, mit bürgerlichem Namen Lothar Berfelde, hatte im alten Mahlsdorfer Gutshaus 1960 ihr privates Gründerzeitmuseum eröffnet. Bis zu ihrer Übersiedlung nach Schweden im Jahr 1997 führte sie noch selbst Gäste durch ihr Refugium. Seit 21 Jahren wird das Gründerzeitmuseum vom Förderverein Gutshaus Mahlsdorf betrieben, der sich auch um die Sanierung des Hauses und die Komplettierung der Sammlung kümmerte. Nun gibt es dort 17 vollständig eingerichtete Ausstellungsräume und eine mechanische Musikmaschinensammlung. Im Untergeschoss befinden sich eine Kücheneinrichtung und die Kneipe Mulackritze.

„Offenes Museum“ am Sonntag

Doch nicht nur wegen der Gründerzeitsammlung, die zu den bedeutendsten in Deutschland gehört, kommen die Besucher. Vielen geht es auch ganz speziell um Charlottes Person, die als bekanntester Transvestit Deutschlands und als Vorkämpferin für die Rechte Homosexueller, gilt. Im Gästebuch finden sich liebevolle Eintragungen in vielen Sprachen. Etwa 10.000 Gäste werden pro Jahr im Haus am Hultschiner Damm empfangen.

Das zeigt sich am Sonntag, 18. März, als „offenes Museum“. An diesem Tag ist kein Eintrittsgeld zu zahlen. Auch der Dokumentarfilm „Sonntagskind“ wird an diesem Tag wieder aufgeführt – um 10.30 Uhr und um 14 Uhr. Ratsam ist es, sich dafür vorher telefonisch unter 030-567 83 29 anzumelden, um einen Platz zu bekommen. Der Film erzählt die Lebensgeschichte eines Mannes, der sich von frühester Jugend an als Frau fühlte.

 

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