Marie-Luise und Carl Hotze retteten Michael Degen und seine Mutter

Stolpersteine zur Erinnerung

07.12.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Kaulsdorf. Zwei Stolpersteine in Kaulsdorf-Süd erinnern seit Donnerstag, 5. Dezember, an das Schicksal der Eheleute Marie-Luise und Carl Hotze. Sie standen im kommunistischen Widerstand gegen das Nazi-Regime und haben verfolgte Juden in ihrem Haus An der Wuhle 41 versteckt. Im Jahre 1943 hatte das Ehepaar die jüdische Witwe Anna Degen und ihren elfjährigen Sohn Michael verborgen. Dieser wurde später ein bekannter Schauspieler und setzte seinen Rettern in seiner Autobiografie „Nicht alle waren Mörder“ ein Denkmal.

Initiatorinnen waren zwei Frauen aus Biesdorf

Auf die Idee für die Stolpersteine waren Cindy und Angelika Wewerka gekommen – zwei Frauen aus Biesdorf, die sich mit der Geschichte beschäftigten. Das alte Haus aus den 1940er-Jahren nahe der Wuhle, in dem sich Mutter und Sohn Degen verborgen hatten, steht heute nicht mehr. Aber die beiden in den Boden eingelassenen Messingplatten vor dem am Ort entstandenen, neuen Wohnhaus erinnern jetzt an den Mut von Marie-Luise und Carl Hotze.

Die 33-jährige Cindy Wewerka organisierte mit ihrer Schwiegermutter Andrea am Donnerstag, 5. Dezember, eine wunderbare Gedenkfeier vor dem Haus An der Wuhle 41. Andrea Wewerka las einige Passagen aus dem Buch von Michael Degen. Darin schilderte der Schauspieler die Situation im Jahre 1943. Wie er und seine Mutter sich ganz vorsichtig im Haus bewegen mussten, damit den Nachbarn nicht auffiel, dass die Hotzes eine jüdische Familie versteckt hatte. Und trotzdem wurde das Ehepaar verraten. Es gelang ihm aber noch, Anna und Michael Degen zu warnen und in ein neues Versteck zu bringen. Carl und Marie Hotze wurden von den Nazis in Konzentrationslager transportiert.

Spurensuche in Archiven und Gedenkstätten

Cindy Wewerka schilderte, wie sie sich auf die Spurensuche über das Ehepaar Hotze gemacht hatten. Sie hatten Archive angeschrieben, Gedenkstätten in Konzentrationslagern besucht. Schließlich nahmen sie auch Kontakt zum Schauspieler Michael Degen in Hamburg und zum Kölner Bildhauer Gunter Demnig auf, der seit 1992 Stolpersteine als Gedenkorte verlegt.

Viele Informationen über die mutigen Kaulsdorfer haben die beiden Frauen nicht gefunden. Marie-Luise und Carl Hotze waren überzeugte Kommunisten, die dem nationalsozialistischen Regime trotzten. Marie-Luise Hotze bezahlte ihre konsequente Haltung mit dem Tod im Konzentrationslager Ravensbrück. Carl Hotze kam zunächst ins KZ Sachsenhausen, später ins KZ Mauthausen. Nach der Befreiung machte er sich zu Fuß auf den Weg von Österreich nach Hause. Dort erfuhr er, dass seine Frau nicht überlebt hatte.

Michael Degen ist jetzt 87 Jahre alt

Cindy Wewerka verlas einen Brief von Susanne Sturm, der Ehefrau von Michael Degen. Darin bedauert diese, dass ihr Mann nicht aus Hamburg zum Termin nach Kaulsdorf kommen könne. Michael Degen, inzwischen 87 Jahre alt, hätte gern selbst dem Künstler Gunter Demnig für sein Engagement gedankt. „Er freut sich sehr darüber, dass die beiden Hotzes nun auch ein in Stein verlegtes Gedenken erhalten werden“, schrieb Susanne Sturm.

Vor allem junge Menschen engagieren sich

Kulturstadträtin Juliane Witt, die zugleich auch Vorsitzende der Kommission Gedenkorte ist, sagte, dass es vor allem junge Leute sind, die sich in Marzahn-Hellersdorf für die Stolpersteine engagieren. „Es ist gut, daran zu erinnern, dass es auch hier mutige Menschen gegeben hat, die jüdische Mitbürger gerettet haben“, betonte Witt. „Wir danken hier zwei Kommunisten, die ihr Leben für andere Menschen eingesetzt haben.“ Die Feierstunde An der Wuhle wurde musikalisch durch den Pianisten Thomas Krüger begleitet.

Über 70.000 Stolpersteine in ganz Deutschland

Der Künstler Gunter Demnig verlegt seit dem Jahr 1992 Stolpersteine. Es sind kleine Gedenktafeln, die an das Schicksal der Menschen erinnern sollen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Über 70.000 Stolpersteine hat Demnig allein in Deutschland gesetzt. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf wurden 31 Stolpersteine verlegt. 5 Stolpersteine in Biesdorf, 10 Stolpersteine in Kaulsdorf und 16 Stolpersteine in Mahlsdorf erinnerten bisher an die Menschen, die dort einmal gelebt haben und unter der Naziherrschaft den Tod fanden. Seit dem 5. Dezember gibt es nun zwei solcher kleinen Gedenksteine mehr.

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