Museum Lichtenberg für Umbau bis auf Weiteres geschlossen

Zurück in die Zukunft

08.10.2019, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Das Museum Lichtenberg geht neue Wege und entstaubt seine Dauerausstellung. Besucher sollen künftig verstärkt digital auf Zeitreise gehen. Wer sich demnächst über die Geschichte von Lichtenberg informieren möchte, muss auf Bücher und andere Publikationen zurückgreifen. Denn das 2006 im Stadthaus eröffnete Museum Lichtenberg wird Stück für Stück geschlossen. Erst war das Archiv dran, am Montag, 7. Oktober, die Dauerausstellung. Demnächst folgen noch zwei Sonderschauen. 13 Jahre nach dem Umzug des einstigen Heimatmuseums von der Parkaue in die Türrschmidtstraße (LiMa+ berichtete) stehen große Veränderungen an. Mit digitalen, interaktiven Angeboten rüstet sich das Museum Lichtenberg für die Zukunft.

Lücken werden geschlossen

Fünf Jahre lang hatten Museumsleiter Dr. Thomas Thiele und sein Team an der Neukonzeption des Hauses gearbeitet, dabei auch an der Geschichte interessierte Lichtenbergerinnen und Lichtenberger einbezogen. Das Museum soll zu einem Zentrum der Geschichte, Begegnung und Kultur entwickelt werden (LiMa+ berichtete). Vor allem die Dauerausstellung „In den Jahren“, 2006 eröffnet, ist in die Jahre gekommen und offenbart an vielen Stellen Lücken – etwa im Bereich der Migrationsgeschichte, der Geschichte der Sowjetischen Streitkräfte in Karlshorst oder der Geschichte des Sportstandorts Lichtenberg. Auf der Grundlage der Arbeit von 20 Historikern liegt nun neues Material vor, das einen guten Ausgangspunkt für die neue Ausstellung bildet.

Vier Wochen Zeit zum Ausräumen

Doch bis die Schau eröffnet werden kann, ist einiges zu tun. Zunächst werden Dr. Thomas Thiele und seine Mitarbeiter die Ausstellungsflächen räumen und die Exponate in den Depots des Hauses einlagern. „Dafür bleiben uns gut vier Wochen Zeit“, sagt Thiele. Anschließend werden Bauarbeiter übernehmen, nasse Wände sanieren, die Heizungs- und Steuerungstechnik erneuern.

Mehrere Ausstellungsstücke werden ausgelagert

Was an Exponaten nicht mehr gebraucht wird, lagern die Museumsmitarbeiter aus – etwa eine alte Schusternähmaschine oder den Tisch aus einem Aufenthaltsraum des einstigen Volkseigenen Betriebes Elektrokohle in Lichtenberg. Meist handelt es sich um Ausstellungsstücke, die zwar einen Bezug zum Bezirk haben, aber nur wenig Geschichte erzählen. Außerdem belegen sie wertvollen Platz, der anderweitig benötigt wird.

Weniger Text, mehr Interaktives

So viel ist jedenfalls schon klar: Weniger Text, mehr Fotos und Installationen sowie Exponate zum Anfassen sollen die Besucher künftig ebenso begeistern wie die interaktive Geschichtsvermittlung über Tablets oder Smartphones. Dafür wurde bereits kräftig investiert. „Wir möchten künftig sinnhaft zeigen, wofür Lichtenberg steht“, sagt Dr. Thomas Thiele. Daher werden die drei zur Verfügung stehenden Räume zukünftig in die Bereiche „Personen“, „Orte“ und „Ereignisse“ unterteilt. Geplant ist unter anderem, anhand der Biografien von 50 bekannten und weniger bekannten Lichtenbergern und Lichtenbergerinnen Regionalgeschichte zu erzählen.

Dr. Thomas Thiele: Wir wollen das lebendige Lichtenberg zeigen

Aber auch der ganz große Bogen wird gespannt – von der Kaiserzeit, die Zeit der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus, die Zeit der DDR bis in die Gegenwart. Denn zu allen wichtigen deutschen Epochen der jüngeren Geschichte finden sich im Bezirk entsprechende Orte wie die einstige Stasizentrale, der KGB-Hauptsitz außerhalb der UDSSR oder die frühere MfS-Untersuchungshaftanstalt. „Im Mittelpunkt steht der Bezirk, der 1920 als Teil von Groß Berlin entstand“, sagt Dr. Thomas Thiele. Auch die Ortsteile von Lichtenberg – im Norden landwirtschaftlich, in der Mitte industriell und im Süden von Villen geprägt – werden gewürdigt. „Wir möchten das lebendige Lichtenberg zeigen“, erklärt der Museumsleiter. Die Ausstellung solle einen Schauwert haben, der die Leute überrasche.

Termin für Wiedereröffnung noch unklar

Für die Vorbereitung der neuen Dauerausstellung stehen seit 2018 umfangreiche Mittel aus dem Bezirkshaushalt bereit, zusätzlich konnte die Lottostiftung Berlin für eine Förderung des Projektes gewonnen werden– unter anderem, um die Museumsräume barrierefrei zu gestalten. Wann genau das Museum Lichtenberg wiedereröffnet, ist derzeit noch unklar. Fakt ist aber, dass sich Dr. Thomas Thiele mit dem Projekt verabschiedet: Er geht im Herbst 2020 in den Ruhestand.


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