Feierliche Enthüllung der Statue „Elegie“ am Oberseeplatz

Verträumter Blick aufs Wasser

30.03.2015, Andrea Scheuring

Fotos: Andrea Scheuring. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Hohenschönhausen. All jene, denen am 4. April der Vollmond den Schlaf raubt und die – anstatt selig zu träumen – durch Nacht und Kiez wandeln, sollten sich dem Ufer des Orankesees ganz vorsichtig nähern. Wenn der Mond gen Mitternacht kulminiert und die Sonne zugleich den tiefsten Stand auf ihrer Himmelsbahn durchläuft, spiegelt die dunkle Wasseroberfläche des Sees in sternenklarer Nacht nicht nur den mächtigen, strahlenden Mond. Im dunklen Schatten knorriger Hängeweiden, deren Äste gespenstisch über das Ufer hinausragen, entsteigt dann Prinzessin Oranka dem rotbraunen Nass. Umgeben von anderen Wasserjungfrauen lockt die Schöne all jene auf den Grund des Sees, die ihrem Antlitz und ihrem Lachen nicht widerstehen können.

Anlehnung an romantische Sage
Der Legende von der schönen norwegischen Prinzessin, die ihrem Liebsten, einem Wikinger, während seiner langen Reise übers Meer untreu und zur Strafe dazu verdammt wurde, fortan als Nixe in einem kleinen See bei Hohenschönhausen zu leben, verdankt nicht nur der Orankesee seinen Namen. Evgenia Usimova, eine aus Minsk stammende Studentin aus der Kunsthochschule Weißensee, hat sich von der romantischen Sage inspirieren lassen und in Anlehnung an die Figur der Oranka eine etwa anderthalb Meter hohe Statue aus Beton geschaffen. Eine sitzende, nackte Frau mit wallendem Haar und langen Armen, einer Welle gleich, verträumt, in sich selbst geschmiegt. Die „Elegie“ wird bald friedvoll am Westufer des benachbarten Obersees sitzen und ihren Blick hinaus aufs Wasser schweifen lassen.

Plastik mit Spenden finanziert

Doch noch liegt der steinernde Sockel, der die Plastik künftig tragen wird, leer in der Frühlingssonne. Anfang 2013 hatten Metalldiebe in einer Nacht- und Nebelaktion unbemerkt die hier seit 30 Jahren befindliche Bronzeskulptur „Die Liegende“ des Bildhauers Siegfried Krepp entwendet. Statt in ihrem Ärger über den dreisten Diebstahl zu verharren, ergriffen Anwohner die Initiative. „Unsere Anfragen beim Bezirksamt, örtlichen Kunstgießereien und Galerien nach einem ersatzweisen Kunstwerk waren erfolglos“, erzählt Initiatorin Elke Weihusen vom Förderverein Obersee & Orankesee e.V. , die seit fünf Jahren in der Nachbarschaft wohnt. „Erst ein Aushang in der Kunsthochschule Weißensee brachte uns mit Evgenia Usimova in Kontakt, die uns Ende Oktober letzten Jahres ihre Idee für eine neue Statue gleich als kleines Modell vorstellte.“ Die Mitglieder des Fördervereins waren vom Entwurf begeistert. Für die Realisierung der Plastik wurden ca. 2.500 Euro gesammelt. „Um einen erneuten Diebstahl zu verhindern, haben wir uns bewusst für eine Figur aus Beton entschieden, die entsprechend schwer ist und auf dem Sockel verankert wird“, erklärt Elke Weihusen. Da während der Arbeiten die erste Gussform kaputt ging, soll nun eine zweite Spendenaktion gestartet werden.
Zur feierlichen Enthüllung der Statue „Elegie“ lädt der Förderverein Obersee & Orankesee e.V. am 2. April – im Anschluss an das traditionelle Ostereiersuchen – ab 17 Uhr alle Anwohnerinnen und Anwohner, aber auch alle anderen Interessierten auf den Oberseeplatz, 13053 Berlin, ein. Bei klassischer Live-Musik, Knabbereien und Kaltgetränken wird das Kunstwerk dann in Anwesenheit von Mitgliedern des Fördervereins, der Bildhauerin Evgenia Usimova und Lichtenbergs Bürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) der Öffentlichkeit übergeben.

 

 

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Leserkommentare

  1. Grüße von der Seenixe
  2. … toller Artikel, danke!
    Jetzt heißt es nur noch Daumendrücken für Donnerstag. – Auch, dasss das Wetter sich wieder etwas mehr frühlingshaft und weniger april-mäßig zeigt!

    Und hier gibt’s inzwischen auch noch mehr bewegte Bilder von der spannenden Entstehung der ELEGIE:
    http://www.obersee-orankesee.de/filme/

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