Informationsveranstaltung zum Verkehrskonzept Mahlsdorf

In Mahlsdorf (fast) nichts Neues

26.04.2018, Volkmar Eltzel

Volkmar Eltzel (1-10,14), Birgitt Eltzel (11), Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (12-13).

Mahlsdorf. Eigentlich liegen die Karten spätestens seit Januar auf dem Tisch, was die Ideen und Vorschläge zum neuen Verkehrskonzept für die Hönower Straße und eine Verkehrslösung für Mahlsdorf anbelangt. Damals hatte der direkt für Mahlsdorf/Kaulsdorf ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählte Mario Czaja (CDU) zur Diskussion eingeladen. Neben vielen Mahlsdorfern war auch Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär für Verkehr in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gekommen. Er hätte also wissen müssen, was ihn am Montag, 23. April, in der Kiekemal Grundschule am Hultschiner Damm erwartet, als er zur Informationsveranstaltung über die aktuellen Planungen im Rahmen der Frühen Öffentlichkeitsbeteiligung des Senats eingeladen hatte:

Die Probleme mit dem Verkehr sind bekannt

Ein volles Haus, aufgeheizte Stimmung und gut informierte Bürger, die wissen, welche Verkehrslösungen sie in ihrem Kiez für geeignet halten. Die Probleme in der Hönower Straße und an der Kreuzung zur B1/B5 Alt Mahlsdorf / Hultschiner Damm haben sich seit langem aufgebaut und sind bekannt. Der Verkehrsraum ist zu eng für Straßenbahn, Autos und LKW, Radfahrer und Fußgänger. Der Fahrzeugverkehr muss bei entgegenkommenden Straßenbahnen in den Gegenverkehr ausweichen. Noch dazu gibt es kreuzende Buslinien. Stau und Verkehrs-Chaos gehören dort zum Alltag. Am Bahnhof Mahlsdorf sind die Umsteigewege zwischen Straßenbahn, Bus, S-Bahn und Regionalbahn zu lang und umständlich. Unter der S-Bahnbrücke sind täglich geschätzte 1.000 Fahrräder abgestellt.

Senat favorisiert immer noch Variante von 2007

Einig sind sich alle Beteiligten, dass sich etwas ändern muss. Doch damit endet die Einigkeit auch schon. Kirchner hatte bereits im Januar die Vorzugsvariante des Senats für bauliche Veränderungen zur Lösung der Probleme vorgestellt (LiMa+ berichtete), die das Land schon seit 2007 favorisiert: Im Wesentlichen besteht sie darin, dass die Straßenbahnlinie 62 von der Rahnsdorfer Straße am Hultschiner Damm bis unter die Bahnbrücke am Bahnhof Mahlsdorf zweispurig und vom restlichen Verkehr getrennt, im eigenen Gleisbett auf der bestehenden Strecke ausgebaut wird. Das würde einen durchgehenden 10-Minuten-Takt ermöglichen. Der Fahrzeug-Verkehr soll etwa auf Höhe des Gutshauses Mahlsdorf, Hultschiner Damm 333, entlang der Theodorgärten, über die B1/B5 auf die Straße „An der Schule“ geführt werden. Durch die Pestalozzistraße würde der Individualverkehr dann wieder auf die Hönower Straße geführt.

Viele Anwohner hatten sich schon im Januar vehement gegen diese Variante positioniert. Mit ihr würden 16.000 Fahrzeuge täglich durch die Wohnsiedlung „An der Schule“ geschleust, vorbei unter anderem an neuen Eigenheimen, der Pension Draheim (bisher in ruhiger Lage) und an der neuen Oberschule, die gerade gebaut wird.

Beinahe stoisch und ohne auf vorliegende Alternativvorschläge der Mahlsdorfer einzugehen, wiederholte Hartmut Reupke, Abteilungsleiter Verkehr in der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK), die beschriebene Vorzugsvariante.

Die Mahlsdorfer haben einen anderen Vorschlag

Mario Czaja sprach aus, was viele Teilnehmer der Veranstaltung anschließend mittrugen: Er sei enttäuscht, dass sich der Senat nicht bewegt habe. Die Rahmenbedingungen in der Straße „An der Schule“ hätten sich mit dem Schulneubau (den Czaja selbst initiiert hatte) geändert. „Wenn sie an der alten Variante festhalten, wird es in dieser Legislaturperiode kein Planfeststellungsverfahren geben, das verspreche ich Ihnen“, sagte der CDU-Abgeordnete und erntete viel Beifall. Erst nach diesem Statement wurden die Präsentationsfolien mit der Planungsidee noch einmal hervorgeholt, hinter der neben Czaja auch die Abgeordneten Iris Spranger (SPD) und Stefan Ziller (Bündnis 90/Die Grünen) stehen. Die Idee sieht vor, die Straßenbahn statt der Kraftfahrzeuge durch die Straße “An der Schule” zu führen. Exakt auf derselben Route wie bei der Vorzugsvariante mit einer Haltestelle direkt vor der entstehenden Schule. Es wäre die Tram, die dann über die Pestalozzistraße wieder auf die Hönower Straße münden würde. Für einen sicheren Rad- und Fußweg gäbe es genügend Platz. Die Straßenbahn ist leiser als die Autos, die auf der ausgebauten Hönower Straße verbleiben würden.

Auch eine dritte Variante mit der Führung des Individualverkehrs über eine neue Nord-Süd-Straße auf Brandenburger Seite ist noch im Gespräch. Fraglich ist jedoch, ob die Gemeinde Hoppegarten damit einverstanden ist: Denn auch dort gibt es mittlerweile schöne Einfamilienhäuser, deren Bewohner ihre Ruhe behalten wollen. Ein vom Bezirk beauftragtes Gutachten, das bis Ende März diese Möglichkeit untersuchen sollte, liegt noch nicht vor. „Im Bezirksamt ist noch keine formale Entscheidung für die eine oder andere Variante gefallen“, sagte Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke).

Ringen um die beste Variante geht weiter

„Alle Varianten werden nochmals gründlich geprüft“, sagte Hartmut Reupke von der Senatsverwaltung. Dabei nehme man in der Abwägung die Bedenken und Vorschläge der Bürger sehr ernst, versicherte auch Staatssekretär Jens-Holger Kirchner. Doch die anwesenden Bürger blieben skeptisch. Man dürfe die Verkehrsproblematik nicht nur aus der Sicht einer optimierten Straßenbahnführung betrachten, sondern müsse die Belange aller Verkehrsteilnehmer, einschließlich Fußgänger und Radfahrer, im Auge behalten, sagte Jan Lehmann, Vorsitzender des Vereins „Mahlsdorfer Bürger e.V.“

Die Diskussion wird in einem Planungsbeirat fortgesetzt, der sich am 24. April konstituiert hat und dem künftig Mitarbeiter des Bezirksamts und der Senatsverwaltung, Vertreter des Bürgervereins, des VDGN sowie zehn Mahlsdorferinnen und Mahlsdorfer angehören sollen. Zudem steht immer noch die Bildung eines Runden Tisches auf dem Plan (sie war ursprünglich für März 2018 vorgesehen), bei dem neben Planern und Bürgern auch Vertreter der verschiedenen Parteien im Bezirk mitreden und das Projekt begleiten sollen. Die nächste öffentliche Veranstaltung zu dem Thema ist im kommenden Oktober geplant.

2021 könnte das Planfeststellungsverfahren beginnen, sagte Hartmut Reupke. Seine vorsichtige Schätzung für die Fertigstellung des Projekts: 2028. Die Erfahrungen besagen allerdings etwas anderes.

 

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