Investitionsmittel für Tierpark sollen mehr als verdoppelt werden

Umgestaltung kommt schleppend voran

11.09.2015, Volkmar Eltzel

Foto: Andrea Scheuring (1), Regina Friedrich (2-9), Tierpark Berlin (10-12). Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Friedrichsfelde. „Wenn sie mich lassen, zeige ich ihnen, wie das geht!“, reagierte Zoo- und Tierpark-Chef Dr. Andreas Knieriem am Donnerstag, 10. September, im Schloss Friedrichsfelde etwas ungehalten auf eine Frage aus dem Publikum. Es ging um den Verbleib der fünf Millionen Euro, die das Berliner Abgeordnetenhaus im Oktober 2014 für Sofortmaßnahmen im Tierpark Berlin freigegeben hatte. LiMa+ berichtete. Bisher ist von den geplanten Maßnahmen, wie dem Umbau des Alfred-Brehm-Hauses und dem Ausbau von Spielplätzen nur wenig zu sehen. Einiges wurde aber auch schon geschafft, wie beispielsweise das neue Wegeleitsystem und die Einrichtung einer elektrisch betriebenen Parkbahn. „Alles, was wir tun, muss erst bewilligt werden“, so Knieriem, der erst im vergangenen Jahr sein Amt angetreten hatte. In Berlin gebe es viele Verflechtungen in Verwaltungsvorschriften, bei deren Beachtung sowohl die Senatsverwaltungen wie auch der Bezirk Lichtenberg involviert seien. Allein für den Denkmalschutz seien drei Behörden zuständig. Teilweise würden die Planungsunterlagen neun Monate in den Amtsstuben schmoren, ehe ein Handschlag getan werden könne. „Wir sind aber dabei“, so der Direktor, „die Verfahren zu beschleunigen, damit wir kurzfristig etwas machen können, ohne langfristig den Denkmalschutz außer Acht zu lassen.“

Knieriem hatte zuvor auf der gemeinsamen Veranstaltung des Kommunalpolitischen Bildungswerks Berlin und des Fördervereins von Tierpark und Zoo nochmals die Grundzüge des Ziel- und Entwicklungsplanes für den Tierpark umrissen. LiMa+ berichtete.

Parlament steht hinter Knieriem
Danny Freymark (CDU), Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, der an diesem Abend moderierte, versuchte eine Rechtfertigung: Schließlich gehe es um Steuergelder der Bürger, da sei Sorgfalt geboten. Er werde sich jedoch dafür einsetzen, so der CDU-Politiker, dass die vom Senat eingestellten Investitionsmittel für den Tierpark, von drei auf sieben Millionen Euro pro Jahr aufgestockt werden. Das Thema werde im Hauptausschuss bis zum November behandelt. „Ich bin da optimistisch“, sagte Freymark. Ein Großteil des Parlaments stehe hinter dem Zoo- und Tierparkdirektor. Schwieriger sei die Situation bei den laufenden Kosten. Knieriem sagte, der Tierpark fahre seit Jahren 800- bis 900.000 Euro Verluste per anno ein. Er bat um Geduld und Vertrauen. Es brauche einen langen Atem, ehe der Gesamtprozess der Tierparkerneuerung schneller Fahrt aufnehme.

Eintritt wird eher teurer
Eine leidenschaftlich vorgetragene Absage erteilte Andreas Knieriem der Bitte, die Eintrittspreise zu reduzieren oder Senioren- und Feierabend-Tickets einzuführen. „Dafür gibt es momentan keinen Spielraum“, sagte der Tierparkchef. Es gehe nicht so weiter, dass er von den Erlösen nicht einmal vernünftige Maschinen kaufen könne. Knieriem verglich die 12 Euro Eintrittspreis für eine Erwachsenen-Tageskarte im Tierpark Berlin mit den Preisen anderer Zoos. So zahle man beispielsweise im Zoo Münster 18,50; in Nürnberg 13,50; in Köln 17,50 und im Zoo Hagenbeck gar 20 Euro für den Tageseintritt. Bei Freizeitparks würden ohne Diskussion bis zu 38 Euro gezahlt. „Ich bin eher dafür“, so Knieriem, „wir bieten den Besuchern mehr und machen die Tageskarten etwas teurer. Dafür die Jahreskarten günstiger.“ Die Leute sollten nach dem Tierparkbesuch sagen, es habe sich gelohnt und sie kämen wieder. Es werde künftig einen Eintrittspreiskatalog geben, damit der Tierpark überleben könne.

Kameras für Eisbärin Tonja
Das frühere “Café Pony Pedro” sei nicht mehr zu retten, sagte der Tierparkchef auf Nachfrage. Er denke, dass es im nächsten Jahr abgerissen sei. Als Anregung nahm Andreas Knieriem mit, auf den Zoo-Eintrittskarten größer zu vermerken, dass es in Berlin auch noch einen Tierpark gibt. Viele Berlin-Touristen wüssten das gar nicht, sagte eine Dame im Publikum. Gut sei hingegen, dass die Besucher nun mit der Tierpark-Eintrittskarte auch einen Übersichtsplan bekommen würden. Andreas Knieriem versprach, im Eisbär-Gehege zwei Kameras zu installieren. Die Eisbärin Tonja erwartet im kommenden Winter Nachwuchs. Für Webcams beispielsweise bei den Schneeleoparden würden jedoch die digitalen Anbindungen fehlen. „Früher wollte man das nicht“, so Knieriem. Es dauere Jahre, um die diesbezüglichen Versäumnisse im ganzen Tierpark aufzuholen.

Schon am Montag, 14. September, lädt die Konrad-Adenauer-Stiftung alle Interessierten in das Abacus Tierpark Hotel, Franz-Mett-Straße 3-9, 10319 Berlin, zu einer weiteren Diskussion mit Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem ein. Dann geht es im Detail noch einmal um die Frage: „Was ist im Tierpark bereits erreicht worden?“ Die Teilnahme ist kostenfrei und ohne Voranmeldung möglich.

 

 

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