Reinigung des Obersees vorerst (schon wieder) gestoppt

Seewasserfilter droht Verstopfung

23.11.2016, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Alt-Hohenschönhausen. Der Obersee hat immer noch ein Problem. Er ist ein künstlich angelegtes Gewässer, das nur durch Regenwasser gespeist wird. Die Folgen sind neben schlechter Wasserqualität, Schlamm und starker Algenwuchs. Zur Verbesserung des Gewässerzustandes wurden im Rahmen des Umweltentlastungsprogramms (UEP) von 2006 bis 2013 fünf Uferbereiche sowie die östliche Bucht mit einem Saugboot entschlammt und anschließend renaturiert. Dazu wurde die Betonwand abgetragen und eine sandige Flachwasserzone errichtet. Im September 2015 ging eine 1,5 Millionen Euro teure, mit Schilf bewachsene Seewasserfilteranlage an der Oberseestraße 5-7 in Betrieb. Aufwendig wurden zuvor Rohre von der Wasserentnahmestelle an der östlichen See-Bucht bis zur Reinigungsanlage in der Nähe des neu entstehenden Biergartens am Orankesee verlegt – und wieder zurück an die südwestliche Seeseite. Wasser des Obersees sollte zur Filteranlage hochgepumpt werden, durch die reinigenden Filterschichten versickern und dann über Rohre wieder in den See fließen. Durch eine kontinuierliche Reinigung des Seewassers (Viereinhalb komplette Umläufe pro Jahr) wollte man die Gewässerqualität dauerhaft verbessern (LiMa+ berichtete). Ohnehin kein leichtes Unterfangen, denn bei jedem Regenguss wird der See erneut mit verschmutztem Wasser geflutet.

Sperrschicht aus Algen und Kalkstein

Doch bereits kurz nachdem die Anlage im September 2015 in Betrieb gegangen war, wurde in einem Monitoring eine Verringerung der Filterleistung beobachtet. Immer wieder gab es längere Abschaltungen, so von Oktober 2015 bis Ende März 2016 sowie im Juni und Juli (LiMa+ berichtete). Die jüngste Außerbetriebsetzung erfolgte zum Herbstanfang. Wie der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU) mitteilte, ist der Grund dafür eine zwischen den Filterschichten entstandene Sperrschicht, die das Versickern des Seewassers behindert. Sie bestehe aus Algen vom Oberseewasser und Kalkstein aus dem Filtersubstrat. Um Schäden zu vermeiden, habe man den regulären Betrieb vorsorglich unterbrochen. „Das Umwelt- und Naturschutzamt Lichtenberg geht von einem Planungsfehler aus und prüft derzeit die Geltendmachung gesetzlicher Ansprüche“, heißt es in der Pressemitteilung.

Ist mehr Schilf die Lösung?

Der Leiter des Fachbereiches Naturschutz und Landschaftsplanung, Heinz Nabrowsky, zeigte sich trotzdem optimistisch. Es sei „alles noch im grünen Bereich“. Die schlierige Schicht habe sich schon im Laufe des vergangenen Jahres gebildet. Das sei kein unbekanntes Phänomen, so der Fachbereichsleiter, sondern trete bei den deutschlandweit ca. 70 baugleichen Bodenfiltern, die es in dieser Art erst seit zehn Jahren gebe, ab und zu auf. „Man muss etwas Geduld haben bis der Schilfbewuchs voll ausgeprägt ist“, sagte Nabrowsky gegenüber LiMa+. Erst dann könne die Anlage ihren Wirkungsgrad erreichen. Noch 2016 soll die technische Steuerung optimiert werden. Im Frühjahr 2017 werde man weiteres Schilf nachpflanzen, den Bestand düngen und zusätzlich eine Schicht Schilfstreu aufbringen. So solle verhindert werden, dass die Algen aus dem Oberseewasser bis in die Filtersubstrate vordringen können. „Denn dort bekommen wir sie nur schwer wieder heraus.“ Die Schilfpflanzen tragen zur Durchlässigkeit des Filterbettes bei und sollen eigentlich eine Verstopfung (Kolmatation) der Filterporen verhindern. Aber so richtig wollen sie bisher eben nicht wachsen.

Spezialisten möchten helfen

Frank Lewitz, Geschäftsführer der Lichtenberger In-vitro-tec GmbH, die sich u.a. auf Röhricht-Pflanzen für Bodenfilter spezialisiert hat, sagte auf eine entsprechende Frage von LiMa+: „Wir helfen gerne mit kräftigen Pflanzen, leider hat uns bisher jedoch niemand gefragt. Wir kannten das Problem bisher gar nicht.“ Er will in Kürze Kontakt mit Heinz Nabrowsky aufnehmen und seine Hilfe anbieten.

Planungen wurden reduziert

Die Leistungen zur Errichtung der Seewasserfilteranlage waren 2014 wiederholt ausgeschrieben worden, nachdem es beim ersten Ausschreibungsverfahren 2013 nur einen Bieter mit vermeintlich zu hohem Preisangebot gegeben hatte. In der Folge waren die Planungen angepasst worden, aus ursprünglich drei kleineren Filterbecken wurden zwei größere. Ob die jetzigen Probleme u.a. auch damit in Zusammenhang stehen, bleibt zu untersuchen. Wie der Stadtentwicklungsstadtrat informierte, besteht die Aussicht auf eine wissenschaftliche Begleitung des Betriebs der Filteranlage im Rahmen eines Förderprojektes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. „Eine Entscheidung darüber ist für Anfang Dezember zu erwarten“, sagte Wilfried Nünthel. Im April 2017 soll der Probebetrieb der Seewasserfilteranlage wieder aufgenommen werden.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

  1. Warnungen der Bürger und BIO e.V. vom BZA nicht ernst genommem
  2. Das Bezirksamt und der Förderverein Obersee & Orankesee e.V. hatten uns Anwohner die Seefilteranlage als „ultima ratio“ untergeschoben.
    „Die Bürgerinitiative Orankesee (BIO e.V.) hat von Anfang an die Errichtung des Seewasserfilters als Pilotanlage kritisch hinterfragt und alternative Vorschläge einer umweltfreundlichen, kostengünstigere und dauerhaften Seewasserreinigung unterbreitet – allerdings erfolgslos. Der Leitgedanke von BIO e.V. war vor allem eine Reinigungsmethode anzuwenden die bereits erprobt ist und nicht ein risikobehaftetes Experiment an einer Grünanlage durchzuführen. Wir bedauern, dass nun offenkundige Mängel zu Tage getreten sind und eventuell ein Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang droht. Noch auf der IGA-Auftaktveranstaltung am 30.04.2016 im Strandbad Orankesee wurde der Eindruck erweckt, als dass die temporären Betriebsunterbrechungen bei einer Versuchsanlage mit regelmäßigem Monitoring normal seien. Auch auf der Website des Fördervereins Obersee & Orankesee e.V., der sich in besonderem Maße für die Errichtung der Seewasserfilteranlage eingesetzt hat, kann man unter Berufung auf Herrn Nabrowsky und das Büro Akut nachlesen, dass die Unterbrechungen lediglich der Optimierung des Betriebs dienen. Wir hoffen, dass eine Nachbesserung nicht zu Lasten des Steuerzahlers geht, der ja bereits indirekt die mit EU-Fördermitteln errichtete Anlage mitfinanziert hat. Ungeachtet dessen bleibt der traurige Befund, dass bis zu einer endgültigen Mängelbeseitigung das Ziel „sauberes Seewasser“ –über Jahre- nicht erreicht werden kann.“ Wir fordern, dass das Bezirksamt vor der Verausgabung weiterer Gelder für die Sanierung der nicht funktionstüchtigen Filteranlage den Anwohnern ein Mitspracherecht einräumt.
    Vorstand BIO e.V.

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden