Wieder Wohnungsbau an der Landsberger Allee

Schlechte Aussichten für das Unkraut

21.03.2015, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg/Alt-Hohenschönhausen. Erinnert sich noch jemand? Vor gut zwölf Jahren wollte der damalige Bausenator Peter Strieder (SPD) die Landsberger Allee in Lichtenberg und Marzahn zu einem gigantischen Fachmarktzentrum ausbauen. Inzwischen sind zwar die Ikea-Filiale an der Rhinstraße und das Eastgate an der Marzahner Promenade schon längst etablierte Konsumtempel, aber bis auf den Globus-Baumarkt (mit angrenzender, nicht ausgebauter Hallenruine) und ein Lagerhaus für Mobiliar und anderes Inventar ist in den letzten Jahren an der Magistrale nicht mehr viel gebaut worden. Die ausgewiesenen Gewerbeflächen boten höchstens dem wuchernden Unkraut eine Heimat.

Aicher will umplanen
Doch das soll sich jetzt ändern. Auf der Alt-Hohenschönhausener Seite der sechsspurigen Allee wird jedoch statt Gewerbe Wohnraum entstehen. Die Unternehmensgruppe Max Aicher plant nach Informationen aus dem Bezirksamt Lichtenberg auf dem Areal vor ihrem Wohngebiet „Weiße Taube“ keine gewerbliche Nutzung mehr, sondern will analog zu den bestehenden Häusern ähnliche auf dem Brachland errichten. „Ein Änderungsantrag für den Bebauungsplan ist jetzt bei uns eingegangen“, bestätigt Wilfried Nünthel, Lichtenbergs Stadtrat für Stadtentwicklung.

Ikea hat Grundstück verkauft
Auch der schwedische Möbelkonzern Ikea hat inzwischen Nägel mit Köpfen gemacht. Ursprünglich wollte er sein Möbelhaus auf einer Fläche nahe Aichers Grundstücken errichten. Nach einer Planänderung (die blau-gelbe Kiste entstand bekanntlich auf der gegenüberliegenden Seite der Landsberger Allee) blieb das Areal jahrelang unberührt. „Wir haben die Fläche verkauft“, sagte Ikea-Pressereferentin Simone Settergren auf Anfrage von LiMa+. Mehr will sie jedoch nicht verraten. Über Einzelheiten des Vertrags sowie des Vertragspartners sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Gut vorstellbar, dass auf dem Areal nun ebenfalls Wohnungen errichtet werden sollen. Denn beim Stadtrat haben bereits verschiedene Projektentwickler diesbezüglich vorgefühlt, erzählte Nünthel.

Große Nachfrage nach Wohnraum bleibt
Generell sei auf diesen Flächen Wohnungsbau denkbar, sagte der Stadtrat. „Nach unserer Einschätzung bleibt in Lichtenberg die große Nachfrage nach Wohnraum erhalten.“ Würden die Aicher- und Ex-Ikea-Brachen bebaut, könne das zu einer „gewissen Entlastung des Wohnungsmarktes beitragen“, so Nünthel. Allerdings müsse nun erst einmal umgeplant werden – in einem Wohngebiet muss die Baumasse anders als in einem Gewerbegebiet verteilt werden. Nünthel sagte, dass ein B-Planverfahren durchschnittlich etwa 18 Monate dauert. Es dürfte somit noch geraume Zeit vergehen bis die Bagger anrücken.

Entwicklung beim Gewerbe stockt
Die Lichtenberger Seite der Landsberger Allee soll weiterhin dem Gewerbe gehören. Doch dort stockt derzeit die Entwicklung. Ein Ausbau der Globus-Ruine, die im Volksmund wegen ihrer vielen Stützpfeiler schon als „Lichtenberger Akropolis“ bezeichnet wird, ist nicht in Sicht, sagte Nünthel. Knapp 5.000 Quadratmeter Handelsfläche dürfte der private Hamburger Investor  nach einem Beschluss des Bezirks dort schaffen. Doch das ist diesem zu wenig – er sitzt die Situation aus. Der Bezirk kann ihn weder zum Bauen noch zum Abreißen zwingen. „Es gibt gegenwärtig keine Signale, dass der Eigentümer tätig werden will“, so Nünthel.

Gekauft und liegengelassen
Auch auf dem benachbarten Möbel-Max-Gelände, das jetzt dem Möbel-Mogul Kurt Krieger (u a. Höffner, Kraft, Sconto) gehört, passiert nichts Sichtbares. Das alte Möbelhaus wurde im vergangenen Jahr abgerissen, nur eine Halle blieb stehen. Krieger will dort ein 46.000 Quadratmeter großes Haus seiner Marke Möbel-Kraft errichten. Doch weil der umtriebige Unternehmer sich erfahrungsgemäß deutschlandweit zunächst Flächen sichert, ehe er wirklich baut, wird das noch einige Jahre dauern. Es gab zwar eine Anfrage ans Bezirksamt zur Nutzung der alten Halle für einen Möbel-Mahler-Markt als Interimslösung. Doch wenn dieser, wie schon Ende 2014 von Nünthel angekündigt (LiMa+ berichtete >>), wirklich im August eröffnen soll, müsste sich wohl bald etwas tun.

Teile des Wasserwerks veräußert
Die Berliner Wasserbetriebe haben Teile ihres Geländes an der Landsberger Allee 230 verkauft (LiMa+ berichtete hier >>  und hier >>). Geplant sind dort eine sogenannte Skydiving-Anlage und ein Künstlerdomizil, u.a. mit Werkstätten und Ateliers. Wann die Projekte realisiert werden sollen, ist noch unbekannt.

 

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