Nahverkehr im Nordosten von Berlin

S75: Senat bestätigt Kürzungspläne

06.07.2016, Marcel Gäding

Fotos: Birgitt Eltzel. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Hohenschönhausen/Marzahn. Mit der Eröffnung des umgebauten Bahnhofs Ostkreuz kommen auf die S-Bahnnutzer im Nordosten der Stadt einige Änderungen zu. Die wichtigste: Die S-Bahnlinie 75 (Wartenberg-Westkreuz) verkehrt vermutlich ab Sommer 2017 nur noch bis Ostbahnhof. Entsprechende Pläne bestätigte Berlins Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) LiMa+ auf Nachfrage. Gleichzeitig verteidigte der Politiker die Pläne.

Linientausch bei der Verkürzung
Wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt auf Nachfrage von LiMa+ sagte, ergebe sich die Verkürzung der Linie „mit dem Abschluss der entsprechenden Arbeiten im Bereich Ostkreuz“. Wer weiter in Richtung Westkreuz möchte, muss dann auf dem gleichen Bahnsteig aussteigen und in die S-Bahnlinie 3 wechseln, die auf dem gegenüberliegenden Gleis wartet. Der Hintergrund: Die S 3 wird von deutlich mehr Fahrgästen genutzt und soll künftig bis in die City West führen. Das Nachsehen haben dann die Fahrgäste der S-Bahnlinie 75. „Der Linientausch zwischen den Linien S3 und S75 ist aufgrund der erheblich größeren Nachfrage entlang der Strecke nach Erkner verkehrlich gerechtfertigt, wodurch mehr Fahrgäste eine umsteigefreie Direktverbindung erhalten“, sagt Martin Pallgen, der Sprecher der Senatsverwaltung. Es handele sich mitnichten um neue Pläne, betont Pallgen. Vielmehr entspreche die „Neuordnung des Liniengefüges“ der „ Angebotskonzeption im Berliner Nahverkehrsplan 2014-2018“. Eine weitere Begründung: Mit der Straßenbahnlinie M4 existiert eine umsteigefreie Verbindung zwischen Hohenschönhausen und dem Alexanderplatz.

Unterschriftenaktion angekündigt
Wenig erfreut über die Linienverkürzung zeigt sich die Lichtenberger CDU. „Verkehrssenator Geisel als einer der Entscheidungsträger zur Festlegung der S-Bahnlinien beharrt auf einem Nahverkehrsplan für Berlin, der Hohenschönhausen von der Innenstadt abhängt“, sagt der Abgeordnete Danny Freymark (CDU). Das Argument, dass mit der Tram M4 bereits eine umsteigefreie Verbindung zur Innenstadt bis zum Alexanderplatz bestehe, könne nicht annähernd als Ausgleich gewertet werden, da das Stadtzentrum auch die Friedrichstraße, den Tiergarten und die City-West umfasse. „Auch eine Prüfung, ob die beiden Linien S7 und S75 möglicherweise gleichberechtigt im 20-Minuten-Takt über den Ostbahnhof hinausfahren können, fand nach meinem Kenntnisstand bis heute nicht statt.“ Der Lichtenberger CDU-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Dr. Martin Pätzold kündigte eine großangelegte Unterschriftenaktion an. „Zudem bereiten wir einen Antrag vor, den die CDU-Fraktion demnächst in der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg einbringen wird.“

Hohenschönhausen nicht abgehängt?
Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) sagt, dass die Planung für die Verkürzung zehn Jahre alt sei und auch den CDU-Verkehrspolitikern im Abgeordnetenhaus bekannt ist. „In keinem Fall werde Hohenschönhausen abgehängt, wie es die CDU darstellt“, sagt Geisel. Der Umstieg von der S75 in die S3 sei barrierefrei. Dass beide Linien bis Westkreuz fahren, sei hingegen unmöglich. „Beides gleichzeitig funktioniert nicht“, sagt der Stadtentwicklungssenator mit Verweis auf andere Linien, die das Netz der Berliner Stadtbahn ebenfalls nutzen. Verwundert sei Geisel, dass die CDU einerseits in Karlshorst sich für die Verlängerung der S3 über das Ostkreuz hinaus Richtung Innenstadt engagiere, andererseits aber gegen die dafür notwendige Änderung auf der S75 opponiere. Außerdem gebe es auf der S3 keine Alternative für Fahrgäste in die City, wie das in Hohenschönhausen mit der Straßenbahnlinie M4 der Fall sei.

 

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