Möbel-Max verschwindet für Möbel-Kraft

Reiß ab, bau auf

12.02.2014, Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Bagger brechen Betonteile aus Wänden und Fußböden, massenhaft Schutt liegt auf dem Boden – das frühere Gebäude von Möbel-Max an der Landsberger Allee wird abgerissen. Denn die Immobilie des im Jahr 2008 Pleite gegangenen Unternehmens hat der Möbel-Gigant Kurt Krieger (Möbel Höffner, Kraft, Sconto) gekauft. Er will dort ein Haus seiner Marke Möbel Kraft errichten – mit rund 45.000 Quadratmetern Verkaufsfläche doppelt so groß wie die nur wenige Hundert Meter entfernte Ikea-Filiale.

Einrichtungshaus ist zulässig
Lichtenbergs Stadtentwicklungs-Stadtrat Wilfried Nünthel bestätigt die Pläne. “Im vergangenen Jahr haben wir den Aufstellungsbeschluss gefasst”, sagt der CDU-Politiker. Damit wird ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet. Ein Einrichtungshaus am Standort Landsberger Allee, der Fachmarktzentren erlaubt, sei zulässig, sagt Nünthel. Nicht angesiedelt werden dürfe dagegen zentrenrelevanter Einzelhandel, so sehe es der Stadtentwicklungsplan Zentren vor. Bis das neue Möbelhaus steht, wird es jedoch noch eine Weile dauern – ein durchschnittliches B-Plan-Verfahren braucht in Berlin etwa 18 Monate. Dass Krieger jetzt bereits abreißt, hat vermutlich finanzielle Gründe – so entledigt er sich teurer Sicherungspflichten am Gebäude. “Der Abriss spart Geld”, bestätigt Nünthel. “Eine Genehmigung von uns dazu braucht es nicht, die ist nur für den Neubau erforderlich.”

Expansion in ganz Deutschland
Der Multimillionär Krieger expandiert mit seinen Marken in ganz Deutschland. Ende vergangenen Jahres erst wurde in Fürth-Steinach ein Höffner-Haus eröffnet, jetzt haben die Arbeiten für ein weiteres in Neuss begonnen. In Berlin, wo die Gruppe mehrere Häuser der jeweiligen Marken betreibt, hat sich der Unternehmer unter anderem etliche Bahnbrachen gesichert, die er entwickeln will, wie beispielsweise den Güterbahnhof Pankow. Dort will er sogar ein ganzes Viertel bauen mit Wohnungen, Kitas und anderen Einrichtungen, zwei Möbelhäuser inklusive. Die Krieger-Gruppe, zweitstärkster Möbelkonzern in Deutschland nach Ikea, hatte bereits 2011 angekündigt, die Schweden überflügeln zu wollen. Jedes Jahr, so Krieger damals, werde man in der Bundesrepublik mindestens ein neues Haus eröffnen.

Ikea bleibt gelassen
Bei Ikea sieht man das offensichtlich gelassen. So sagt Sprecherin Simone Settergren bezüglich der geplanten Neuansiedlung in Lichtenberg: “Wir wissen aus unserer Erfahrung an anderen Standorten, dass Mitbewerber von unserer Frequenz profitieren und umgekehrt auch. Hinzu kommt, dass Ikea eine ganz eigene Zielgruppe hat mit wenig Überschneidungen zu anderen Anbietern auf dem Markt.”

Weitere Entwicklungs-Gebiete
Von der Lichtenberger Bevölkerung und von den Kommunalpolitikern ist kein Widerstand gegen das Ansiedlungsvorhaben zu erwarten – zu lange schon lebt man mit Provisorien und Brachflächen auf diesem  Abschnitt der Landsberger Allee zwischen Weißenseer Weg und Rhinstraße. Denn dort gibt es noch drei weitere Standorte, die seit langem entwickelt werden sollen – das historische  Wasserwerksgelände, die Ruine einer ehemaligen Halle neben dem Globus-Baumarkt und eine Teilfläche des Gebiets “Weiße Taube”, wo Ikea ursprünglich sein Lichtenberg Haus errichten wollte.

Für das schmuck sanierte Wasserwerksgelände wurde im vergangenen Jahr das Vorhaben, dort neben Gaststätten und Kultureinrichtungen auch einen großen Sportartikelmarkt anzusiedeln, ad acta gelegt – es verstieß gegen die Zentrenplanung des Landes. Der Globus-Eigentümer beharrt nach wie vor auf einem 10.000 Quadratmeter großen Kaufhaus, nach einem Beschluss der Lichtenberger Zählgemeinschaft aus SPD, CDU und Grünen sollen es aber unter 5.000 Quadratmeter sein, um andere Standorte nicht zu beschädigen. Darauf hat sich Globus bisher nicht eingelassen. Mit Ikea habe man 2013 über Wohnungsbau bei der “Weißen Taube” gesprochen – bisher aber noch keine Antwort erhalten, so Nünthel.

Keine konkreten Initiativen
Ikea-Sprecherin Settergren bestätigt, dass es Baurecht für Wohnungen auf dem Areal gibt. “Wir haben aktuell mehrere Anfragen, aber keine konkrete Initiative”, sagt sie. Das gelte auch für sogenannte Ikea-Häuser, preisgünstige Eigenheime. Es habe dazu “diverse interne Überlegungen gegeben, die sich aber nicht konkretisiert haben”, so Settergren.

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) seien  mit dem Senat über neue Nutzungsmöglichkeiten für ihr Gelände an der Landsberger Allee im Gespräch, sagt Unternehmenssprecher Stefan Natz. Wollten die BWB ursprünglich ein Drittel des Wasserwerks-Areals veräußern, gehe es nun nur noch um drei Häuser und eine Lagerhalle, insgesamt rund a20.000 Quadratmeter groß. “Wir könnten uns dort künftig ganz gut eine gewerblich-kulturelle Nutzung vorstellen”, sagt Natz.

 

 

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