Kein Anschluss unter dieser Nummer

Querelen im Wirtschaftskreis WKHL

17.01.2014, Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Bei Anrufen in der Geschäftsstelle meldet sich niemand, es werden keine Mitgliedsbeiträge kassiert, die Internetseite ist seit Monaten nicht mehr aktuell, Veranstaltungen finden nicht statt. Der Wirtschaftskreis Hohenschönhausen-Lichtenberg ist vor allem mit einem beschäftigt – mit sich selbst. Wegen Querelen im Verein, der etwa 100 größere und kleinere Unternehmen des Bezirks vertritt, findet derzeit keine Arbeit mehr statt.

Stärkung des Standortes
“Das ist bedauerlich”, sagt Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD), die Bezirkspolitik brauche einen starken Partner von Seiten der Wirtschaft. Denn der vor 20 Jahren gegründete Verein versteht sich nicht nur als Plattform für Unternehmen, die Lobbyarbeit betreiben, sondern setzt sich auch für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes ein. Gemeinsam mit dem Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis (MHWK) wurde für Eastside Berlin geworben, das große Gewerbegebiet beider Bezirke. Forderungen nach der Tangentialen Verbindung Ost (TVO) wurden erfolgreich gemeinsam vertreten, auch Wirtschaftspartnertage und Unternehmerpartys zusammen veranstaltet. Im vergangenen Jahr allerdings blieben die Lichtenberger dabei außen vor – wegen Selbstfindungsproblemen.

Probleme nach Vorstandswahl
Begonnen hatten diese mit einem Wechsel im Vorstand des Vereins. Im vergangenen Jahr hatte Jörg Hoppe, Geschäftsführer der Firma BIG.B Bau und Instandsetzung GmbH Berlin nach sechs Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit den Vereinsvorsitz abgegeben. Im März wurde ein neuer Vorstand gewählt, mit Michael Schmidt, Eigentümer und Betreiber des Wartenberger Hofs an der Spitze. Schmidt veranstaltet bereits seit einigen Jahren erfolgreich Netzwerktreffen in seinem Veranstaltungslokal.

Als Vorsitzender der bezirklichen Unternehmervereinigung war sein Wirken allerdings weniger von Erfolg gekrönt. Er habe eine One-Man-Show abgezogen, sagen einige; andere, dass er es nicht verstanden habe, die Vereinsmitglieder und den Vorstand bei seinen Ideen, die durchaus etwas für sich gehabt hätten, mitzuziehen. Nach Differenzen ging die Leiterin der Geschäftsstelle, für Ersatz wurde nicht gesorgt. Damit gab es keine Anlaufstelle für die Mitglieder mehr, Post ging nicht richtig auf den Weg oder erreichte die beabsichtigten Empfänger nicht mehr. In einer turbulenten Mitgliederversammlung im November 2013 trat schließlich der Vorstand geschlossen zurück – bis zu einer Neuwahl ist er allerdings noch nicht entlastet. Für die eigentlich fälligen Mitgliedsbeiträge 2014 wurden bisher keine Rechnungen gestellt.

Am liebsten Stillschweigen bewahren
Über die Querelen und ihre möglichen Ursachen möchte offiziell kaum jemand sprechen. Jörg Hoppe, der frühere Vorsitzende, beklagt vor allem den Niedergang des Wirtschaftskreises: “Es wurde eine wichtige Stimme zum Verstummen gebracht.” Schmidt selbst sagt, er sei nicht durch eigene Bestrebungen in das Ehrenamt gelangt, sondern extra von Hoppe dafür geworben worden. “Wenn man mit mir unzufrieden war, müssen jetzt eben andere ran.” Er werde seine Aktivitäten nun in andere Gruppen verlegen. Schmidt, seit 25 Jahren CDU-Mitglied, dennoch für Die Linke in Lichtenberg Bürgerdeputierter im Wirtschaftsausschuss, hat inzwischen seinen Austritt aus dem Verein angekündigt. Das geht allerdings erst nach der Entlastung des Vorstandes durch die Mitgliederversammlung.

Neuwahlen im Februar
Diese sollte ursprünglich schon im Dezember stattfinden. Nun ist der Februar dafür vorgesehen. Dann soll auch ein neuer Vorstand gewählt – und wieder gearbeitet werden. Bürgermeister Geisel sagt, dass es intensive Gespräche gab und inzwischen als Kandidat für den Vorsitz “eine überzeugende Unternehmerpersönlichkeit” aus Lichtenberg gewonnen wurde. “Ich hoffe, dass der Wirtschaftskreis bald wieder auf die Beine kommt.” Mit seiner Stiftung, die ein Kapital von 100.000 Euro verwaltet, nehme dieser schließlich auch eine wichtige Aufgabe zur Förderung der Kinder- und Jugendarbeit in Lichtenberg wahr. Anzupacken seien durch das Gemium vor allem aber Probleme der Verkehrspolitik und das Weitertreiben der Imagekampagne für den Wirtschaftsstandort Berlin Eastside. “Eine wichtige Rolle sollte der Wirtschaftskreis auch dabei spielen, die Gewerbetreibenden der Einkaufsstraßen zusammenzubringen.” Diese müssten mehr kooperieren, einheitliche Öffnungszeiten und gemeinsame Aktionen verabreden, damit sie neben den großen Einkaufszentren besser von den Kunden wahrgenommen würden.

 

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