Wasserwerk Kaulsdorf darf bis 2044 fördern

Probleme mit Grundwasser bleiben

15.07.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel. Zum Vergrößern bitte auf das Hauptbild klicken.

Marzahn-Hellersdorf. Das Land Berlin hat den Berliner Wasserbetrieben (BWB) die Bewilligung erteilt, bis 2044 durch das Wasserwerk Kaulsdorf Grundwasser zur öffentlichen Trinkwasserversorgung zu fördern. Die auf 30 Jahre befristete Genehmigung ist mit zahlreichen Auflagen zum Gewässer- und Naturschutz versehen. Der Bewilligungsbescheid liegt noch bis zum 23. Juli in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Brückenstr. 6 in Mitte, Tel. (030) 90 25 21 12; im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Natur- und Umweltamtamt, Premnitzer Straße 13, Tel. (030) 902 93 68 50 und im Bezirksamt Treptow-Köpenick, Amt für Umwelt und Natur, Rinkartstraße 13, Tel. (030) 902 97-59 02 / 59 32 zur Einsichtnahme aus, telefonische Voranmeldung ist erwünscht.

Konzept von 2008
Mit dem Bescheid erhält das zweite der insgesamt sieben Berliner Wasserwerke eine rechtsgültige Fördergenehmigung. Bereits 1996 waren für alle Wasserwerke diese Bewilligungen beantragt worden, bis 2015 sollen alle eine solche rechtlich bestandskräftige Genehmigung erhalten haben. Bisher galt für die Werke (außer Wasserwerk Wuhlheide) nur eine Duldung. Damit die offiziellen Genehmigungen durch das Land Berlin gegeben werden, sind zahlreiche Umweltverträglichkeitsuntersuchungen unter Beteiligung der Öffentlichkeit sowie teilweise auch Flora-Fauna-Habitats-Verträglichkeitsuntersuchungen erforderlich. Daraus ergeben sich nicht nur die maximalen Grundwassermengen, die gefördert werden, sondern auch Einschränkungen für einzelne Brunnengalerien in den Wasserwerken. Gerechnet wird seitens der BWB mit rund 50 Millionen Euro Investitionen, die insgesamt für verschiedene Maßnahmen erforderlich werden. „Das Konzept wurde 2008 mit dem Senat abgesprochen“, sagt Silke Block aus dem Bereich Wasserwirtschaft der BWB.

Jährlich 7,8 Millionen Kubikmeter
Bis zur jetzt erteilten Bewilligung für Kaulsdorf sei ein langjähriges Verfahren gelaufen, in dem unter anderem Behörden, Anwohner und Naturschützer mitreden konnten, so Block. Gefördert werden dürfen nunmehr in Kaulsdorf, dem kleinsten Berliner Wasserwerk, das im Jahr 1916 erbaut und Ende der 1990er-Jahre saniert wurde, jährlich 7,8 Millionen Kubikmeter Grundwasser. „Das ist die maximal erlaubte Menge, das heißt nicht, dass diese Zahl auch erreicht werden muss“, so Silke Block. Denn Aufgabe der Wasserbetriebe sei es, den Bedarf Berlins an Trinkwasser zu decken, nicht darüber hinaus zu produzieren, um den Grundwasserspiegel zu senken. Selbst wenn das mancher gern sehen würde, weil zu hohe Grundwasserstände in bestimmten Bereichen Berlins immer wieder für erhebliche Nässeschäden in Gebäuden sorgen.

Fördermenge halbiert
Seit 1989 hat sich in Berlin die Wasserförderung halbiert, sagt Stephan Natz, der Pressesprecher der BWB. Der Grundwasserspiegel ist seitdem um einen halben Meter gestiegen. Nach Angaben des Senats betrug 2011 die Rohwasserförderung der Berliner Wasserbetriebe 14 Millionen Kubikmeter weniger als noch im Jahr 1960. Denn angesichts höherer  Preise und gestiegenem Umweltbewusstsein sparen viele Haushalte Wasser. „Im kommenden Jahr werden wir nur noch 188 Millionen Kubikmeter Trinkwasser in Berlin fördern“, sagt Natz. Die Kehrseite der Sparsamkeit: Durch das gestiegene Grundwasser gibt es in Hunderten Gebäuden der Hauptstadt immer wieder nasse Keller, in Marzahn-Hellersdorf insbesondere in den südlichen Bereichen von Mahlsdorf, Kaulsdorf und Biesdorf. Besonders schlimm war es vor zwei Jahren, als noch ausgiebige Niederschläge dazukamen.

Mehr Wasser fördern?
„So gut das ist, dass die Wasserbetriebe nun endlich Rechtssicherheit für ihre Werke haben, die Frage muss geklärt werden: Fördert man in Berlin mehr Wasser als man braucht, um den Grundwasserspiegel stabil und damit siedlungsverträglich zu halten“, sagt Christian Gräff (CDU), Marzahn-Hellersdorfs Stadtrat für Ökologische Stadtentwicklung. „Ich bin unbedingt dafür.“ Doch obwohl das Problem des hohen Grundwasserspiegels nicht nur Marzahn-Hellersdorf und andere Außenbezirke, sondern auch die City betreffe (unter anderem muss das Gebäude des Bundesrates wegen steigendem Grundwasser nochmals saniert werden), gebe es dazu noch keinen Konsens in der Stadt, so Gräff. Auch ein Runder Tisch Grundwasser, der im Jahr 2012 mehrfach tagte, brachte dazu keine Ergebnisse. Eine politische Entscheidung zu einem Grundwassermanagement gibt es noch nicht.

Grundwassermanagement gefordert
Stadtrat Gräff sagt, dass Marzahn-Hellersdorf in einer Stellungnahme zum Bewilligungsbescheid für das Wasserwerk Kaulsdorf fordern werde, die jährlich bewilligte Fördermenge auch auszuschöpfen. Zudem werde der Bezirk nochmals ein Gesamtkonzept zum Grundwassermanagement verlangen – eine Aufgabe, die allerdings nicht die Wasserbetriebe, sondern das Abgeordnetenhaus und der Senat lösen müssen.

 

 

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