Eine besondere Schule für besondere Kinder

Nils-Holgersson-Schule eingeweiht

04.12.2014, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Was für ein Erlebnis für die über 170 Schülerinnen und Schüler der Nils-Holgersson-Schule an der Otto-Marquardt-Straße am Mittwoch, 3. Dezember! Gemeinsam mit Lehrern, Betreuern und vielen Gästen feierten sie die Einweihung ihrer wirklich wunderschönen Schule, die sie zu Beginn dieses Schuljahres bezogen hatten. „Wir sind anders als ihr. Na und! Das macht das Leben bunt“, sangen die Kids mit vollem Einsatz während der Feierstunde in der schicken Aula. Recht haben sie! Nach den zuvor geduldig ertragenen Reden gewährten die Schüler, die alle in Lichtenberg und Hohenschönhausen zu Hause sind, mit einem einstudierten, beeindruckenden Programm einen kleinen Einblick in ihr Schulleben. Voller Lebenslust und Energie wurde gesungen und getanzt. Der kleine Nico war wie alle Kinder mächtig aufgeregt. Aber er trug in seinem schwarzen Kostüm mit Melonenhut das Gedicht „Gefunden“ von Johann Wolfgang von Goethe ohne einen einzigen Fehler vor.

Ganztagsbetreuung für über 170 Kinder
Der Schulname ist dem Roman der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ entliehen. Die Konrektorin Steffi Hetzer hatte zur Einweihungsfeier extra eine kleine Stoffgans mitgebracht, die sie nicht mehr aus der Hand legte. „Das ist der Gänserich Martin aus dem Roman – ab sofort unser Schulmaskottchen“, sagte die Lehrerin unter dem Jubel der Schüler.

Wie sie in ihrer Einweihungsrede resümierte, ist die Nils-Holgersson-Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung aus der Fusion der Lichtenberger Kastanien-Schule und der Schule Am Falkenberg Hohenschönhausen hervorgegangen. 2009 entschied sich der Bezirk für einen Schulneubau am Standort Lichtenberg, da eine Sanierung der alten Gebäude teurer gewesen wäre. Im Mai 2012 wurde der Grundstein gelegt und im August dieses Jahres war alles für den Einzug der 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 32 Lehrer, bereit. Zusätzlich gibt es Pädagogische Unterrichtshilfen und Betreuer, die die Lehrer unterstützen. Von 6 bis 18 Uhr können die Kinder hier betreut werden. Die Konrektorin dankte Bürgermeister Andreas Geisel (SPD), dem für Hochbau zuständigen Bezirksstadtrat Dr. Andreas Prüfer (Linke) und Schulstadträtin Kerstin Beurich (SPD) für ihr Engagement, das den Schulneubau erst ermöglichte. Ihr besonderer Dank ging an den Architekten, Arthur Numrich vom Architektenbüro Numrich Albrecht Klumpp. Volkmar Henning vom Rotary Club Berlin-Brandenburger Tor übergab einen symbolischen Scheck über 10.000 Euro an Caren Becker vom Förderverein der Schule für die weitere Ausstattung.

Wohlfühlatmosphäre
Die 20 Millionen Euro schwere Investition ist gut angelegt. Auf 6.000 Quadratmetern Grundfläche ist ein modernes Gebäudeensemble mit großzügigem Innenhof und zahlreichen Spielgeräten entstanden. Große Fenster und lichtdurchflutete, farbenfroh angelegte Gänge verbreiten Wohlfühlatmosphäre. Der Schulbau ist ganz auf den spezifischen therapeutischen Bedarf der besonderen Schülergruppe abgestimmt.

Die geschmackvoll, funktional und individuell eingerichteten Klassenräume verfügen alle über eine separate Küchenzeile und einen Freizeit- und Essbereich. Therapeutische Maßnahmen sind wichtiger Bestandteil des Alltags in der Nils-Holgersson-Schule. Deshalb gibt es mehrere Ergo- und Physiotherapieräume, zu großen Teilen ausgestattet durch den Rotary Club Berlin-Brandenburger Tor. Schülerwerkstätten speziell eingerichtet für Holz- und Metallbearbeitung, Kunst- und Keramikräume bieten hervorragende handwerkliche Lernmöglichkeiten. Sogenannte „Snoezelenräume“ (multifunktionales Konzept aus den Niederlanden, das Sinnesempfindungen auslöst) dienen der Entspannung durch Massagen, Licht- und Klangeffekte. Natürlich sind die Sanitärbereiche behindertengerecht.

Kaum Wünsche offen
Ziel ist es, dass viele Schülerinnen und Schüler motorisch und geistig die größtmögliche Selbstständigkeit erlangen, damit sie später ein selbstbestimmtes, relativ unabhängiges Leben führen können. Dem dient auch die große Doppelsporthalle, die ab 17 Uhr auch für Sportvereine geöffnet ist. Und ein Bewegungsbecken, das sowohl für Therapiezwecke als auch zum Schwimmunterricht genutzt wird. „Vorher mussten wir lange Fahrtwege zurücklegen, um eine Schwimmhalle zu erreichen“, so Steffi Hetzer. Eine eigene Schulärztin nimmt Einfluss darauf, dass jedes Kind seine individuell abgestimmte Therapie erhält.

„Es ist wahrhaft eine Schule, die kaum Wünsche offen lässt“, so die Konrektorin Steffi Hetzer. Die Stelle der Schulrektorin ist momentan noch unbesetzt. Sie werde sich bewerben, wenn es eine entsprechende Ausschreibung gibt, meint die Pädagogin auf Nachfrage lächelnd.

 

 

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