Schmutz und Zerstörung legen Brunnen trocken

Nicht alle Brünnlein fließen…

20.08.2015, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich (2,5-10), Emmanuele Contini (13-17), Volkmar Eltzel (1,3,4,11,12). Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Marzahn-Hellersdorf / Lichtenberg. Helene-Weigel-Platz, Clara-Zetkin-Park, Victor-Klemperer-Platz vor dem Freizeitforum – überall trockene Brunnen. Leicht könnte da der Eindruck entstehen, der Bezirk sitzt auf dem Trockenen. Aber dem ist nicht so – alle anderen 18 Spring- und Trinkbrunnen sprudeln oder tröpfeln vor sich hin. Seit mehr als zwanzig Jahren. Damit ist Marzahn-Hellersdorf einer der wenigen Bezirke, in denen die meisten Brunnen seit Jahren durchgängig laufen.

Manchmal muss der Hahn zu
Das war und ist nicht immer einfach mit wenig Geld und Personal, zumal viele der Brunnenanlagen zum Teil fast vierzig Jahre auf den Düsen haben. Da nagt dann schon der Zahn der Zeit an den Fliesen, den Leitungen oder an den Kunstwerken, mit denen viele geschmückt sind. Und leider trägt Vandalismus und Verschmutzung ein Übriges dazu bei, dass Rainer Krohne, Leiter allgemeine Inspektionen im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, manchmal den Hahn abdrehen muss. So gerade passiert an der Plansche in Marzahn Ost, Hohensaatener- / Ringenwalder Straße, die des Nachts als Freiluftbadezimmer genutzt wurde, was zur Lärmbelästigung der Anwohner führte, die sich daraufhin beschwerten. Zurecht, denn die Planschen sind eigentlich für die Jüngsten gedacht. Wie auch der Wasserspielplatz im Clara-Zetkin-Park an der Borkheider Straße. Die Kinder müssen sich nun eine andere Abkühlung für heiße Tage suchen. „Da geht gar nichts mehr“, ärgert sich Rainer Krone, „und leider auch nicht zum ersten Mal. Wir hatten dort in den vergangenen Jahren immer wieder mit Zerstörungen zu tun.“ Wann er das reparieren lassen kann, weiß er nicht, die Mittel sind knapp.

Brunnen mit unvorhersehbaren Überraschungen
Da hatte der Treppenbrunnen „Generationen“ auf dem Helene-Weigel-Platz Vorrang. Der tat seit vierzig Jahren seinen Dienst vor dem ehemaligen Rathaus. „Er musste dringend grundlegend saniert werden“, sagt Rainer Krone. Dabei stellte sich heraus, dass weitaus mehr defekt war, als ursprünglich angenommen und so manche unvorhergesehene „Überraschung“ verhinderte einen zügigen Bauverlauf. Der soll noch 2015 abgeschlossen werden, dann sprudelt der Brunnen im kommenden Jahr wieder. Hoffentlich „für die nächsten 30 Jahre.“
Ein ganz anderes Problem legte das große Bassin auf dem Victor-Klemperer-Platz vor dem Freizeitforum trocken. Es war gerade instandgesetzt worden, allerdings zeigte sich, dass dort nach der Sanierung vermehrt Bakterien auftraten. Wenn es die Finanzen hergeben, könnte er vielleicht nächstes Jahr das Problem beseitigen lassen, hofft Rainer Krone. Bei der Gelegenheit weist er darauf hin, dass die Brunnen alle keine Trinkwasserqualität haben und nicht zum Baden gedacht sind. Was für manchen Vierbeiner ein Vergnügen ist, kann besonders für kleinere Kinder durchaus gesundheitliche Risiken bergen. Unbedenklich für Kinder sind die Planschen. Sie lassen sich bei Bedarf anstellen, so wird zudem Wasser gespart.

Lindenbrunnen ist nächstes Jahr dran
Ein Wasserverschwender ist allerdings der Lindenbrunnen nahe den Ringkolonnaden. Er sprudelt zwar noch, aber im nächsten Jahr muss auch er saniert werden, da Wasser unkontrolliert im Boden versickert. Und noch eine Bitte hat Rainer Krone. Auch wenn außerhalb der Saison kein Wasser in den Anlagen ist – sie sind trotzdem Brunnen und keine Skateboard-Rampen oder BMX-Parcours oder sonstige Sportflächen. Das zerstört die Böden, die dann mit großem Aufwand wieder saniert werden müssen. Und wenn Wasser drin ist, bitte die Brunnen auch nicht als Versuchslabor missbrauchen! Plastikbecher und -tüten schwimmen immer oben, das muss man nicht erst ausprobieren…

Kommunale Lichtenberger Brunnen intakt
Auch im Nachbarbezirk Lichtenberg sprudeln zahlreiche kommunale Brunnen. Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU), sagte am Mittwoch, 19. August, ihm sei kein Lichtenberger Brunnen der öffentlichen Hand bekannt, der derzeit nicht funktionieren würde. Etwas schwierig sei die Situation am Brunnen im Mühlengrund, Neu-Hohenschönhausen. Kürzlich wurde die Wasserlauf-Fläche neu befestigt und es sprudelt wieder aus dem Drachenschlund. „Hier ist allerdings ein 14-tägiger Wartungszyklus notwendig“, so der Stadtrat, „damit Blätter und Sand den Brunnen nicht verstopfen.“ Auch die anderen Lichtenberger Brunnen würden zu Wartungszwecken regelmäßig, aber nur kurzzeitig abgeschaltet.

Der einstige Kogge-Brunnen an der Gensinger Straße wurde durch den neuen privaten Eigentümer der Fläche abgerissen. Der Investor braucht den Platz für den Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Der Bauherr, so Wilfried Nünthel, wolle allerdings die Plastik der Kogge erhalten und in die Architektur einbeziehen.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden