Hoffnung für die Gehrenseestraße

25.03.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Alt-Hohenschönhausen. Zerschlagene Fensterscheiben, Graffiti an den Fassaden, wucherndes Grün vor den Häusern – seit Mitte der 1990er-Jahre stehen die früheren Wohnheime für Vertragsarbeiter der DDR, die später als Ausländerwohnheime genutzt wurden, leer. Zwar sind die Sechsgeschosser an der Gehrensee-/Wollenberger Straße durch einen Zaun gesichert, doch immer wieder dringen Obdachlose auf der Suche nach Schlafplätzen ein. Mehrere Menschen erfroren dort in den vergangenen kalten Wintern. Doch jetzt könnte sich an dem wohl größten Schandfleck im Bezirk endlich etwas tun.

Saniert und aufgestockt
Nachdem der Eigentümer, der aus Neuss stammende Unternehmer Agissilaos Kourkoudialos, mit seiner Lakis Group mehr als zehn Jahre untätig war, hat er sich im vergangenen Jahr mit der Cavere Gruppe aus Berlin einen Kooperationspartner gesucht. “Anfang März wurde durch Cavere der Antrag auf die Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens gestellt”, sagte Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) am Montag, 24. März. Danach wollen die Investoren etwa 650 Wohnungen errichten. Die neun Blöcke sollen dazu saniert und um ein bis zwei Etagen aufgestockt werden.

Konflikte vermeiden
Wegen der Größe des Vorhabens ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erforderlich, das Verfahren dauert mit etwa 15 bis 18 Monaten länger als ein einfaches B-Planverfahren. “Das ist erforderlich, um Konflikte zu vermeiden”, so Nünthel. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft gibt es einen Gewerbestandort. “Es muss sichergestellt werden, dass dieser nicht geschädigt wird, gleichzeitig darf das Wohnen nicht zum Beispiel durch Lärmemmissionen belastet werden.” Zudem müsse es einen städtebaulichen Vertrag geben. Denn bei mehr als 600 Wohnungen sei auch der Bau einer Kita erforderlich, die Erschließung des neuen Quartiers und ein Grünausgleich müssten geregelt werden. Über sogenannte Sozialbedarfe, zum Beispiel Ausgleichszahlungen für Schulplätze, werde ebenfalls verhandelt.

Plattenbauten wieder gefragt
Dass nun endlich an dieser Ecke gebaut werden soll, hat sicherlich mit den veränderten Rahmenbedingungen in Berlin zu tun: Leerstand gibt es auch an den Stadträndern so gut wie gar nicht mehr. Städtische Wohnungsunternehmen wie die Howoge und die Degewo haben nur noch Leerstandsquoten zwischen 0,6 Prozent (Howoge in Hohenschönhausen) und knapp 3 Prozent (Degewo in Marzahn). Auch Plattenbauten sind gefragt wie seit langem nicht mehr.

Einer, der das längst begriffen hat, ist Lutz Lakomski, der mit seinem Partner Arndt Ulrich die Gesellschaft für Immobilien/Projektentwicklung und Unternehmensberatung GmbH (GPU) betreibt. Die Firma aus Dernbach im Westerwald, früher auf Gewerbeimmobilien spezialisiert, investiert seit einiger Zeit groß im Berliner Wohnungsbau. In Lichtenberg entstand unter anderem aus einem alten DDR-Bürobau das Q216 an der Frankfurter Allee mit etwa 400 preiswerten ein-Zimmer-Wohnungen. Allerdings ist der Quadratmeterpreis mit etwa 10 Euro warm gar nicht so billig, dafür die Endsumme für gut geschnittene kleine Wohnungen mit Einbauküche (zwischen 300 bis 350 Euro).

Früher Büros, bald Wohnungen
Auch Ulrich/Lakomski sind im Dreh Gehrenseestraße tätig. Ein Elfgeschosser, einst als Bürobau von der Stasi genutzt, wird gerade zum Wohnhaus umgebaut. Der Riegel an der Gehrenseestraße 99 wird rund 350 erschwingliche Ein- bis Drei-Zimmer-Mietwohnungen bieten. “Noch in diesem Jahr werden die ersten Mieter einziehen”, so Nünthel. Gleich nebenan baut die Projektgesellschaft Gehrenseestraße 100 Einfamilien- und Reihenhäuser, erste Arbeiten auf dem Grundstück laufen bereits. Einige hundert Meter entfernt werden an der Wartenberger/Anna-Ebermann-Straße Plattenbauten saniert, die vorher zu einem Drittel leer standen.

Fast 2.500 neue Wohnungen geplant
Mit diesen Projekten und der Sanierung der früheren Wohnheime wird dieser Teil von Alt-Hohenschönhausen ein neues Gesicht bekommen. Auch zwei weitere leerstehende Häuser im Gebiet, ein ehemaliges Oberstufenzentrum und das frühere Amtsgericht in der Wartenberger Straße, könnten bald an Investoren gehen. “Der Liegenschaftsfonds wird sie in Kürze vermarkten”, sagt Nünthel. Der Bezirk wird ebenfalls im Bereich bauen: “Wir haben Straßeninstandsetzungsmaßnahmen geplant”, sagt der Stadtrat. Die Asphaltschicht der Gehrenseestraße werde saniert, mit Mitteln aus dem Schlaglochprogramm des Senats.

Im vergangenen Jahr wurde in Lichtenberg der Neubau von insgesamt 1.298 Wohnungen genehmigt, ein Spitzenwert in Berlin. In diesem Jahr sind im Bezirk bereits Vorhaben mit fast 2.500 neuen Wohnungen geplant.

 

 

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Leserkommentare

  1. 1995-2008-2014-2019... WANN und WIE geht es weiter?
  2. Seit nunmehr knapp 25 Jahren stehen die Gebäude des mittlerweile mehr als dubiosen Immobilienunternehmers Agissilaos Kourkoudialos (Lakis) an der Wartenberger Straße/Gehrenseestraße in Hohenschönhausen leer.

    Vielfach angekündigt, vielfach begrüßt und immer wieder verschoben…. was wird denn nun nach einem Vierteljahrhundert mit diesen Ruinen?

    Der Berliner Senat unter Federführung von Frau Lompscher (DieLinke) als Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen gab ebenfalls immer wieder vor, etwas gegen die Wohnsituation in Berlin tun zu wollen (und müssen).

    Leider kann ich diesen mehr oder weniger vollmundigen Bekundungen der Berliner Politik langsam keinen Glauben mehr schenken.

    Berliner, tut endlich etwas!!!
    Steht auf und solidarisiert Euch!!!

    Die Gesetze sind ja deutlich auf den Seiten der Bürger; sie müssen nur richtig angewandt werden damit sich endlich etwas ändert.
    (Zweckentfremdung bei Leerstand) !!!

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