Buchvorstellung über Baumeister von Schloss Biesdorf

Heino-Schmieden-Bau

01.12.2016, Birgitt Eltzel

Fotso: Birgitt Eltzel (1,3), Marcel Gäding (2,4)

Kreuzberg/Biesdorf. Das Schloss Biesdorf, das streng genommen gar keines ist, sondern eine repräsentative Villa, sollte Heino-Schmieden-Bau heißen. Diesen Vorschlag machte der renommierte Berliner Architekturhistoriker Prof. Dr. Wolfgang Schäche am Mittwochabend, 30. November, im Martin-Gropius-Bau. Anlass war die Vorstellung des im Spätsommer  erschienenen Buches „Heino Schmieden“ von Dr. Oleg Peters. Schmieden hatte die spätklassizistische Turmvilla an der Bundessstraße 1/5 Alt-Biesdorf, die im Volksmund seit Jahrzehnten Schloss Biesdorf heißt, 1867/68 gebaut. Der diplomierte Historiker und Dr. Ing. Peters, Leiter des bezirklichen Standortmarketings, hatte in seiner Dissertation über Leben und Werk des zu Unrecht vergessenen Berliner Baumeisters geforscht. Diese Arbeit bildete die Basis für seinen im Lukas Verlag erschienenen Band mit fast 600 Seiten und zahlreichen Abbildungen. Bei der Buchvorstellung diskutierte neben Peters und Schäche auch Prof. Arnold Körte, Urenkel von Martin Gropius. Körte hatte bereits 2013 im selben Verlag ein ebenso umfangreiches Buch über Martin Gropius, mit dem Schmieden 14 Jahre in einer Bürogemeinschaft wirkte, veröffentlicht. Der Martin-Gropius-Bau, das frühere Königliche Kunstgewerbemuseum an der Niederkirchnerstraße, der erst seit 1981 nach dem Architekten heißt, war von beiden Partnern realisiert worden. Nach Gropius Tod im Jahr 1880 hatte Schmieden den repräsentativen Bau vollendet.

„Diskussion lohnt sich“

Schloss Biesdorf war nach jahrelangem Verfall aufwändig saniert worden. Dabei erhielt es auch sein in den letzten Kriegstagen 1945 zerstörtes Obergeschoss wieder. Den Anstoß dazu hatte im Jahr 2000 eine Bürgerinitiative und der Verein Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf gegeben, LiMa+ berichtete. Seit der Wiedereröffnung am 9. September diesen Jahres wird das historische Haus als Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum (ZKR) von der Grün Berlin GmbH im Auftrag des Bezirks Marzahn-Hellersdorf betrieben – mit Galerie und Café. Ob sich der sperrige Name durchsetzt, bleibt abzuwarten. Dr. Heinrich Niemann, Vorsitzender des Schloss-Vereins Ost-West-Begegnungsstätte, jedenfalls konnte am Mittwochabend dem neuen Namensvorschlag von Professor Schäche durchaus etwas abgewinnen: „Es lohnt sich, das zu diskutieren“, sagte er.

Parallelen zwischen Schloss und Gropius-Bau

Heino Schmieden (1835-1913) zählte im 19./Anfang des 20. Jahrhunderts zu den meistbeschäftigten Architekten in Berlin. In der Bürogemeinschaft mit seinem Geschäftspartner und Freund Martin Gropius entstanden u.a. zahlreiche Krankenhausbauten wie das erste städtische Berliner Krankenhaus in Friedrichshain. Das wohl bekannteste Bauwerk der Sozietät ist aber der heutige Martin-Gropius-Bau, der nach schweren Kriegsschäden 1945 abgerissen werden sollte. Erst eine Intervention des berühmten Architekten Walter Gropius, Großneffe von Martin Gropius, stoppte das Vorhaben und führte dazu, dass das Haus 1966 unter Denkmalschutz gestellt wurde. 1978 begann der Wiederaufbau des Gebäudes, das damals direkt an der Berliner Mauer lag. Bei der Podiumsdiskussion zu Peters Buchvorstellung, moderiert von Bernhard Schulz, Kulturredakteur des Tagesspiegels, war man sich einig, dass auch diese Geschichte  – von Verfall und Wiederaufbau – eine Parallele zu dem Biesdorfer Gebäude von Schmieden bildet. Weil dieser bei der Neubenennung des von Gropius und Schmieden gemeinsam geschaffenen Kunstgewerbemuseums „unterschlagen wurde“, würde der Name Heino-Schmieden-Bau für das Biesdorfer „Schloss“ eine längst überfällige Ehrung für den bedeutenden Berliner Architekten bedeuten.

Das von Schmieden ursprünglich für Hans-Hermann Freiherr von Rüxleben gebaute Anwesen und das Rittergut Biesdorf war 1887 von Werner von Siemens erworben worden. Darüber berichtet Oleg Peters am Donnerstag, 8. Dezember, um 17.30 Uhr im Schloss Biesdorf (gemeinsame Veranstaltungsreihe mit der Volkshochschule). Um Anmeldung dort wird gebeten, Tel. 030-902932590. Eintrittskarten zu 4 Euro können aber auch direkt vor Veranstaltungsbeginn erworben werden.

 

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