Grüße aus den Bezirken

28.03.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Marzahnhills (Karoline Köber, Nicole Mühlberg), Karten Kaulsdorf (Sven Kohlmeier), Kartenständer (Birgitt Eltzel)

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. Zwar ist im Zeitalter von E-Mail, Facebook und Twitter die gute, alte Postkarte ein wenig aus der Mode gekommen, doch etliche versenden immer noch gern Karten mit bunten Bildchen drauf. Motto: Hier war ich – oder: Ich bin’s immer noch. Während es beliebte Berlin-Motive – Fernsehturm, Brandenburger Tor, Checkpoint Charly etc. – in jedem x-beliebigen Zeitungskiosk, Schreibwarengeschäft  oder Andenkenladen gibt, sind Ansichtskarten aus den Berliner Bezirken Mangelware. Bildkarten aus Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf gibt es nur an wenigen Orten.

Handgeschriebenes aus der Heimat
Sie versende gern handgeschriebene Grüße, sagt Charlotte Wegener (75). “Das ist doch viel persönlicher als eine E-Mail.”  Die pensionierte Lehrerin aus Kaulsdorf hat lange in entsprechenden Geschäften nach Ansichtskarten aus ihrem Ortsteil gesucht – Fehlanzeige. “Dort gab es nur die Allerwelts-Berlin-Karten”, sagt sie. Deshalb hat sie sich  über ein Angebot des aus Kaulsdorf stammenden SPD-Abgeordneten Sven Kohlmeier gefreut. Der nennt sich auch “Liebling Kaulsdorf” und hat eigene Ansichtskarten aus seinem Wahlkreis kreiert – eine Sommer- und eine Winteredition. Die kann man bei ihm kostenlos bestellen – und damit natürlich auch ein wenig Werbung für ihn machen. “Ich habe gleich 14 Stück genommen”, sagt Charlotte Wegener. Sie hat sie an Freunde verschickt, an den Bruder in Luckenwalde und an die Nichte in Schöneiche. Eine Karte ging an Bekannte in der Dominikanischen Republik.

Seit 1870 amtlich
Die Geburtsstunde der Postkarte schlug 1870, als der damalige Norddeutsche Bund die Correspondenzkarte einführte. Im selben Jahr schon gab es die ersten Bildkarten, offiziell zugelassen wurden die Ansichtskarten allerdings erst Mitte der 1890er-Jahre. (Mehr darüber ist unter anderem im Blog der Archive im Kreis Siegen-Wittgenstein, siwi-archiv.de zu erfahren). Wurden 1954 noch 920 Millionen Karten in der Bundesrepublik verschickt, waren es 2011 nur noch 162 Millionen. Das Porto beträgt 45 Cent.  Ansichtskarten schreiben vor allem Touristen, aber auch Einheimische.

In kleinen Läden wird man fündig
Doch die vor allem von letzteren gewünschten Gruß-Motive aus der Heimat sind schwer erhältlich. Im McPaper-Shop im Hellersdorfer Zentrum “Helle Mitte” sieht es ebenso aus wie in ähnlichen Läden von Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf: City-Karten überall, kaum welche aus den Außenbezirken. Selbst von den “Gärten der Welt” mit mehr als 700.000 Besuchern pro Jahr und dem Tierpark Berlin (über eine Million Besucher jährlich) stecken keine Ansichtskarten in den Ständern. Die gibt es zwar in den Einrichtungen selbst, selten aber an Zeitungskiosken und in großen Läden. Etliche Kunden hätten das schon beklagt, sagt eine Verkäuferin in der Hellersdorfer McPaper-Filiale.

Will man Ansichtskarten nicht selber herstellen (es gibt etliche Apps und Portale dafür), wird man vor allem in kleinen Geschäften fündig – in inhabergeführten Buchhandlungen in den Ortsteilen, Schreibwaren- und anderen Läden. Im Papiergeschäft im Spree-Center von Kaulsdorf-Nord stießen wir unter anderem auf Ansichtskarten von Marzahn, Biesdorf und Hellersdorf aus der Freki Collektion von Wolfgang Bricke. Aus einem Hobby hat dieser seit 2003 die Herstellung vom Ansichtskarten zur Profession gemacht – einen Teil seiner umfangreichen Kollektion hat er Ansichten aus einzelnen Berliner Bezirken gewidmet.

Karten zur Imagekampagne
Wenn sich der Bezirk Marzahn-Hellersdorf Mitte Mai im Rahmen seiner Imagekampagne “Berlins beste Aussichten” in den Potsdamer Platz Arkaden in Mitte präsentiert, werde es auch zwei speziell in diesem Rahmen kreierte Ansichtskarten geben, sagt Projektleiter Oleg Peters. “Sie sind nach einem Wettbewerb entstanden, wir haben jetzt den Druckauftrag erteilt.” Gezeigt würden das IGA-Gelände mit den “Gärten der Welt”, das Wuhletal und das Gutshaus Mahlsdorf. Auch andere Einrichtungen und Unternehmen wie beispielsweise die Alte Börse Marzahn planten, im Bezirks-Shop in den Arkaden eigene Postkarten zu präsentieren, sagt Peters. Die Ansichtskarten werden dort verschenkt. “Danach müssen wir nachdenken, wo man solche Karten auch im Bezirk selbst anbieten kann.”

Marzahn goes Hollywood
Nicht dabei bei der Präsentation in der City ist leider der Wettbewerbsbeitrag von Karoline Köber und Nicole Mühlberg. Die beiden jungen Frauen – Köber studiert Museumsmanagement und -kommunikation, Mühlberg ist Gestaltungstechnische Assistentin für Medien und Kommunikation und hat Publizistik und Theaterwissenschaften studiert – haben mit einer Fotomontage von den Ahrensfelder Bergen eine originelle Idee vorgelegt. In riesigen Lettern steht da MARZAHN, ein leicht ironischer Anklang an Hollywood. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern wollen sie das Bild übrigens Wirklichkeit werden lassen. “Marzahn Hills” haben sie ihr Projekt genannt, das nach ihren Vorstellungen ein Wahrzeichen für den ganzen Bezirk Marzahn-Hellersdorf werden sollte. Noch sind sie allerdings erst ganz am Anfang, müssen Geld sammeln und weitere Unterstützer gewinnen. Die Postkarten aber kann man schon jetzt bei ihnen bestellen – Marzahn goes Hollywood.

Weitere Infos und Postkarten:
www.wbricke-ansichtskarten.de
www.marzahnhills.de
www.sven-kohlmeier.de

 

 

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