29 Zeitgenössische Künstler zu Gast in der Alten Börse Marzahn

Ein Fest der Kunst

03.10.2014, Kristina Niemann

Fotos: Kristina Niemann (1, 2, 4-10), Emmanuele Contini (3)

An diesem Wochenende, 4. und 5. Oktober, laden 29 Künstler unter dem Motto „Schlaraffenland“ zu einem Fest der Kunst auf dem Gelände der Alten Börse Marzahn ein. Künstler der Jahrgänge 1928 bis 1989 aus Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Zürich und Los Angeles zeigen eine Auswahl ihres künstlerischen Schaffens abseits von Berlins Mitte. Kunst in ihrer Vielfalt und Fülle „an einem ungewöhnlichen Ort“ zu zeigen, das, so erklärt der Kurator Ihsan Alisan, sei das Besondere an dieser zweitägigen Werkschau, die ein breites Spektrum an Malerei, Fotografie, Skulptur und Installation zum Entdecken bereithält.

Initiatorin der Ausstellung ist die Künstlerin Ellen DeElaine. Zusammen mit Ihrem Partner Mike MacKeldey ist sie vor anderthalb Jahren aus Düsseldorf nach Berlin gezogen. In der Alten Börse haben sie eine neue kreative Heimat gefunden. „Wir haben uns sofort in diesen Ort verliebt“ sagt Mike MacKeldey und an diesem sonnigen Tag versteht man sofort, wovon er spricht. Die Sonnenstrahlen fallen effektvoll durch die meterhohen Fenster des Ateliers und zeichnen helle Streifen auf die an der Wand hängenden Gemälde, die Staffeleien und gar einen gusseisernen Ofen. Ein Atelier wie es im Buche steht.

Die Anziehungskraft des Unerwarteten
Für Kurator Ihsan Alisan ist das Atelier der Ausgangspunkt für die Ausstellung. Der aus Hagen stammende ehemalige Maschinenbauingenieur erfüllt sich mit der Ausstellung einen Traum. Vor einem Jahr hat er aus seiner Leidenschaft für die Kunst eine Berufung gemacht. Es ist ihm ein Anliegen, Kunst zu zeigen und Künstler damit auch zu fördern. Er selbst hatte zunächst seine Bedenken ob der Umsetzbarkeit einer Kunstausstellung in Marzahn. Er kennt die Vorurteile über Marzahn, hat diese jedoch für sich nun als Chance gedeutet, hier etwas „Besonderes“ zu schaffen. Alisan ist sich bewusst, dass zwei Tage für eine Ausstellung wenig sind, daher möchte er das „Schlaraffenland“ als Kunstevent verstehen und auch als einen intensiven „Feiertag“, der den Wunsch nach „mehr“ weckt. Er wünscht sich die Auseinandersetzung mit der Kunst und hofft auf die Neugierde der Besucher und die Anziehungskraft des „Unerwarteten“.

Viele der ausstellenden Künstler konnten durch ein Netzwerk freundschaftlicher Beziehungen für das Projekt in Marzahn gewonnen werden. Es gibt aber auch eine ästhetische und inhaltliche Verbindung der Werke untereinander, die sich im Entwerfen eigener Welten „zwischen Utopie und Dystopie“ finden lässt.

Neue Räume zum Leben und Arbeiten
Mike MacKeldey schwärmt von dem Freiraum und dem Gefühl hier auf einer „Insel“ mitten in der Stadt zu sein. Wenn man aus dem Atelier tritt, steht man auch gleich im Freien und ist in wenigen Schritten auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Magerviehhofs mit seinen Backsteingebäuden, der „Markthalle“ und dem Restaurant mit Bierbänken unter hohen Bäumen. Bunte Plastikeimer hängen wie Girlanden über den Tischen und in der Ferne glitzern riesige bunte Kugeln, sie gehören seit April 2014 zum Inventar der Alten Börse.

Mit der Ausstellung wollen die Künstler auch zeigen, so MacKeldey, dass die Kunstszene nicht auf die Berliner Mitte beschränkt ist, sondern auch in den Stadtvierteln jenseits des S-Bahn Gürtels aktiv ist und hier neue Räume zum Leben und Arbeiten für sich entdeckt.

Kunst oder „Sachbeschädigung“?
Ein großformatiges Gemälde am Eingang des Ateliers zeigt ein Gemeinschaftswerk von Ellen DeElaine und Mike MacKeldey. Es besticht durch eine fast fotorealistische Perfektion die jedoch durch scheinbar willkürlich platzierte Graffitischriftzüge, kleine Aufkleber und montierte Miniskulpturen oder den sich über den oberen Rand des Bildes ergießenden Papierfransenvorhang, „beschädigt“ wirkt. Ihsan Alisan beschreibt die Werke von Ellen DeElaine und Mike MacKeldey als „fast altmeisterliche, genaue Malerei“, die jedoch durch die dazukommende „Zerstörung“ oft als „Sachbeschädigung“ verstanden wird.

Mike Mackeldey erklärt, dass sie in ihrer Kunst das „Typische“ vermeiden wollen und dass der eigentliche Akt des Malens erst mit der Verfremdung des „Schönen, Realistischen“ beginnt. „Hätte ich Respekt, dann wäre ich gehemmt, dann würde ich gar nicht frei arbeiten können“, sagt er und findet es „spannender, auch mich selbst zu überraschen“. Und diese Befreiung sei dann „ein unglaubliches Gefühl“.

Besucher werden inspiriert
Aus diesem Grund soll das Malen auch integraler Bestandteil im „Schlaraffenland“ sein. So wird es am Eröffnungsabend zwei künstlerische Malaktionen geben, die zur Beteiligung der Besucher einladen. Zur Vernissage findet eine Live-Painting-Aktion des Frankfurter Künstlers Jordan K. Artmaster statt. Ellen DeElaine selbst hat speziell für das Event ein 4 x 7,6 Meter großes Werk geschaffen, mit dem sie die Besucher in ihre Malerei integrieren will.

Die Ausstellung wird durch den Fachbereich Kultur Marzahn-Hellersdorf, die Alte Börse GmbH sowie die Marzahner Börsenbräu GmbH unterstützt. Mit einer eigenen Art Edition bringt die “Berliner Bierfabrik”, der zweite Bierbrauer auf der Alten Börse, jetzt eine “Special Edition” heraus, mit Etiketten, die von den Künstlerinnen gestaltet wurden. Von jedem Künstler sind 25 Flaschen käuflich zu erwerben, eine handsignierte Flasche kostet 25 Euro. Musikalisch wird das Fest der Kunst mit einer After Show Party im neuen Club “Czar Hagestolz“ abgerundet.

Ort: Alte Börse Marzahn, Beilsteiner Straße 51-85, 12681 Berlin
Samstag, 4. Oktober, 17-22 Uhr, ab 22 Uhr: After Party, DJ-Set u.a. mit Eberhard Havekost
Sonntag, 5. Oktober, 14-20 Uhr

Mehr infos unter: facebook.com/schlaraffenland.kunst

 

 

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