#WallysHockeyCorner

Auftakt nach Maß gegen Nürnberg

15.09.2015, Christian Baumeier

Foto: Christian Baumeier

“Endlich wieder Eishockey…” stand auf dem Banner an der Oberbaumbrücke, das mit dem blau-weiß-roten Rauch umrandet war, der am Freitagmorgen des 1. DEL Spieltages der Saison 2015/2016 zu sehen war. So ganz stimmt das ja nun auch nicht, da die Champions Hockey Saison schon läuft, aber grundsätzlich stimme ich mit dem Spruch überein. Wird Zeit, dass es wieder losgeht. Zumindest live in der Arena. Im Netz gibt es seit Jahren gefühlt keine Sommerpause mehr, da jeden Tag stündlich, wenn nicht gar minütlich, neue Hockeynews kommen und man dadurch auch keinen Abstand mehr findet. Wie schön waren da die Sommerpausen noch vor 13, 14 oder 15 Jahren. Als man mal wirklich nichts mitbekommen hat zwischen April und September.

Eisbären Berlin
Mit viel Pathos begann am Mittwoch, 9. September, die Saisoneröffnungspressekonferenz der Eisbären Berlin beim Hauptsponsor Gasag. Der neue Berater des Aufsichtsrates, Billy Flynn, berichtete, wie er vor 20 Jahren die Friedrichstraße hoch und runter irrte nach einen neuen Hauptsponsor für seine Eisbären. Damals wollte das Finanzamt den Verein schließen und die DEL die Lizenz verweigern. All das ist dank der Gasag nun Schnee von gestern – oder von vor 20 Jahren. Dies soll auch die Kampagne „Größter Fan seit 1995“ untermauern, die Gasag-Geschäftsführerin Vera Gäde-Butzlaff vorstellte. In der seit 11. September laufenden Kampagne sollen über die Saison hinaus 20 Fans vorgestellt werden. Wie Trommler Ralle, der schon mehrmals in Medien rund um die Eisbären auftauchte (z.B. im Eisbärenfilm Heimspiel aus dem Jahr 1998). Aber auch Eisbärenmitarbeiter wie Billy Flynn oder Sven Felski werden zu Wort kommen. Gasag-Angestellte wie Birgit Jammes, der künstlerische Leiter des Grips-Theaters, Stefan Fischer-Fels, das Direktoriumsmitglied der Neuköllner Oper, Andreas Altenhof, der Karat-Gitarrist Bernd Römer und viele weitere Fans des Vereins werden auf der Kampagnenplattform www.groesster-fan.de ebenfalls vorgestellt. Ein Making of des Shootings und der Bildauswahl ist auf der Seite bereits zu finden, ebenso der Hinweis, dass es im Januar 2016 eine Ausstellung geben wird. Um die anderen Fans ebenfalls einzubinden, werden bald Badges mit dem Namen der Kampagne bestellbar sein. Ansonsten wurde berichtet, dass der Rekord der verkauften Dauerkarten gebrochen wurde, dass sich die Mannschaft so früh wie nie (seit 20. Juli) und so intensiv (unter anderem zwei Mal Eistraining am Tag) wie schon lange nicht mehr auf die Saison vorbereitet habe. Dass die Stimmung eine positiv angespannte sei, dass Trainer Krupp erst nach dem ersten Viertel der Saison eine erste Bilanz ziehen möchte, wenn man einmal gegen jeden Gegner gespielt hat, und dass Shuhei Kuji nach dem TryOut bleiben darf.

Geteilte Meinungen bei Kuji
Selten gingen bei einer Spielerverpflichtung die Meinungen so auseinander wie bei der von Kuji. Auf der einen Seite Fans, die es ganz fantastisch finden, so einen kleinen, schnellen und wendigen Spieler in den Reihen zu haben, und auf der anderen jene, die der Meinung sind, dass Kuji dem Team nicht helfen kann. Ich persönlich freue mich über die Verpflichtung, sie ist marketingtechnisch nicht die schlechteste Entscheidung. Zudem ist Kuji auch nur ausgeliehen von Ōji Eagles und wird weiter von der Firma bezahlt, bei der Kuji angestellt ist (Ōji Seishi K.K. – eine Firma der japanischen Papier- und Verpackungsindustrie, die den Eishockeyclubs Ōji Eagles besitzt). Von den Eisbären bekommt er zusätzlich nur ein kleines Salär. Auch wenn Kuji vielleicht einem jungen deutschen Spieler wie Filin den Platz wegnehmen sollte, hat er so die Chance, sich über die DEL2 in Dresden zu beweisen, statt, wenn überhaupt, in der vierten Reihe Bankwärmer zu sein. Die Schnelligkeit, die Kuji mitbringt, hat er schon wunderbar gezeigt. Und seien wir ehrlich, Ausländerlizenzen wurden schon für ganz andere Spieler „verschwendet“. Heid, Swärd, Angell, Arniel, MacIlvaine, Kosick, Katic und Wharton waren in den letzten zehn Jahren auch nicht unbedingt die Granaten, die sich mancher Fan gewünscht hätte. Von daher meine Empfehlung: Keep calm and support Kuji!

Angenehmer Gegner
Zum Sportlichen: In der Champions Hockey League mussten die Eisbären am 4. September in Winterthur gegen die ZSC Lions aus Zürich antreten und zwei Tage später im französischen GAP gegen Rapaces. Beide Spiele gingen verloren. Gegen den ZSC 2:3 und gegen GAP überraschend 1:3. Durch den besseren direkten Vergleich (Hinspiel gegen GAP 6:1 gewonnen) zogen die Hauptstädter noch in die nächste Runde ein und spielen dort gegen den norwegischen Meister Stavanger Oilers. Trotz des Abos auf die Meisterschaft in Norwegen (2010, 2012, 2013, 2014, 2015) glaube ich schon, dass die Eisbären hier einen angenehmen Gegner zugelost bekommen haben. Es hätte sie schlimmer treffen können. Alles andere als ein Weiterkommen würde mich schon überraschen.

Zum DEL Start gelang den Eisbären, die endlich nach -zig Jahren ein neues Intro bekommen haben, gegen Nürnberg ein Auftakt nach Maß. Mit 5:2 schoss man die Ice Tigers aus der Mercedes-Benz Arena. Auffälligster Spieler war hier bei Florian Busch, der 5 Schüsse aufs Tor von Andreas Jenike brachte. Diese Arbeit wurde belohnt mit 2 Toren für den Ur-Bayern. Später in der Pressekonferenz fragte ein Journalist, wie denn der Cheftrainer die beiden Glückstore bewerte. Krupp und Pressesprecher Goldstein entglitten die Gesichtszüge und der Reporter bekam auch die gegenteilige Meinung von Kollegen dazu zu hören. Krupp meinte, dass das keine Glückstore waren, sondern Resultat harter Arbeit. Besonders gut gefallen hat mir die Verteidigerreihe Hördler und DuPont. Da bekam der Name Powerplay auch wieder seine Bedeutung zurück. Die beiden setzten offensiv viele Akzente und feuerten aus allen Rohren ihre Schüsse ab. Einnetzen konnte trotzdem ein anderer Verteidiger mit einem Schlagschuss, der 141 km/h schnell war: Herzlichen Glückwunsch an Bruno Gervais zum ersten DEL Tor im ersten Spiel! Die Tabellenführung nach dem ersten DEL Spieltag konnte nicht gehalten werden, da die Berliner sich in Iserlohn 3:2 knapp geschlagen geben mussten. Tine Braun erzielte nach knapp elf Monaten Verletzungspause in seinem dritten Spiel das Tor zum zwischenzeitlichen 2:1.

OSC Berlin und FASS Berlin
Nicht viel zu vermelden gibt es von den Eisladies und den Akademikern. Beide Teams bereiten sich gewissenhaft auf die neue Saison vor. Während die Eisladies vom OSC Berlin gerade im tschechischen Tachov ihr Trainingslager mit 2x Eiszeit á 90 Minuten bestreiten und gegen die TSG Reutlingen, eine Männermannschaft aus Landesliga Baden-Württemberg, 8:4 gewannen, absolvierten die Jungs von FASS Berlin ihr erstes Testspiel gegen Oberliga-Aufsteiger Tornado Niesky in Weißwasser. Am Ende hatten die Akademiker den längeren Atem. Nachdem es zwischenzeitlich 4:4 stand, gewannen sie am Ende 4:7. Das Rückspiel findet am Sonnabend, 19. September, im Erika-Hess Eisstadion in Wedding statt. Ex-FASS Goalie Philip Lehr hat in Nürnberg einen Vertrag für zwei Monate unterschrieben als Absicherung für Andreas Jenike, falls dieser sich nach Jochen Reimer auch noch verletzen sollte.

Diverses
Demnächst findet wieder #ebbwelcomesrefugees statt. So langsam wird es auch eng auf dem Eis der Mercedes-Benz-Arena. Wie ich gehört habe, freuen sich die Kids schon massig darauf, die Schlittschuhe zu schnüren. In der nächsten Kolumne gibt es dann wie gewohnt den langen Bericht und viele schöne Bilder von lachenden Kindern. Falls ihr helfen möchtet oder Fragen habt, schreibt einfach eine Mail an faceoff@fuertoleranz.de Zusätzlich stellen die Eisbären auch immer ein kleines Kontingent Freikarten für Flüchtlinge für ihre Spiele zur Verfügung.

Sven Felski hat es geschafft, er ist endlich bei Twitter. Hoffentlich bleibt er länger als es seine ehemaligen Teamkollegen Florian Busch und Tine Braun geschafft haben, die nach einigen Monaten ihre Accounts wieder löschten. Die Anmeldung und ein „4 Minuten Chrashkurs“ erfolgte wohl in Verbindung mit den Social Media Aktivitäten von Servus TV, für die Felski als Experte vor der Kamera steht. Dass es Felski ernst meint, merkte man schon daran, dass er mehrere Journalisten aus dem Pressekorps der Eisbären um Hilfe fragte, damit er besser durchsieht. Folgen könnt ihr Hohenschönhausens Bürgermeister unter @FelskiSven #ff.

Ex-Eisbärenverteidiger Rob Cowie arbeitet seit dieser Saison für die NHL Franchise der Nashville Predators als Scout und weilt zurzeit beim #EsteroTourney in Florida, um sich die Spieler seiner Preds gegen Washington, Tampa Bay und die Florida Panthers anzusehen. Bei den Capitals aus Washington spielt der in der letzten Kolumne vorgestellte junge Schweizer Jonas Siegenthaler von den ZSC Lions mit.

Neben der bisher auf der Eisbären Website bekannten Nummer 14, die nicht mehr vergeben wird, hat sich nun auch noch die Nummer 20 von Pederson eingeschlichen, hinter der „Wird nicht mehr vergeben“ steht. Wir können uns diese Saison wohl auf eine zweite Trikotzeremonie in der Arena freuen.

Der ehemalige Torwarttrainer der Eisbären, Frederic Chabot, ist seit Anfang September Development-Coach bei den Minnesota Wild in der NHL.

Apropos Torwarttrainer, der Ex-Eisbär Sebastian Elwing, der in diesem Sommer seine Torwartschule eröffnete, heuerte in Teilzeit beim Eisbären Farmteam in Dresden an. Er wird alle zwei Wochen für drei Tage mit Marvin Cüpper und Co. arbeiten. Nebenbei studiert Elwing in Berlin noch angewandte Sport- und Trainingswissenschaft.

In eigener Sache
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Ciao and Take care!
Wally #WHC

 

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