Anwohner des Hagenower Rings wollen ihr japanisches Tor retten

Das Tor in die Wartenberger Feldmark

04.08.2016, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Wartenberg. Wer bei Sonnenaufgang ein japanisches Tor durchschreitet, dessen Wunsch wird in Erfüllung gehen. Gäbe es da nur eine Garantie für diese Überlieferung, dann hätte das kürzlich stattgefundene Treffen der Kiezbewohner an ihrem japanischen Tor, in der Nachbarschaft des Hagenower Rings, sicher in aller Frühe stattgefunden. Denn sie alle eint der Wunsch: Das Holz-Tor möge erhalten bleiben. 21 Jahre lang trotzte es Wind und Wetter, aber schließlich hatte das Material den Naturkräften doch seinen Tribut zollen müssen. 2009 hatte der Bürgerverein Hohenschönhausen in Eigeninitiative das Holz noch einmal geölt. Doch nun sind an den massiven Sitzbänken, die zugleich die beiden Torpfeiler umfassen und ihnen Halt geben, deutliche Zerfallserscheinungen zu erkennen. Besonders die Bank auf der Nordseite hat es erwischt. Der weichere Holzkern ist stark ausgehöhlt.

„Dankeschön!“ an Japan
Der Altlandsberger Bildhauer, Wolfgang Stübner, hatte das gut drei Meter hohe Tor entworfen und unter Patenschaft der japanischen Botschaft 1995 aus massiver Eiche erschaffen. Hintergrund war, dass japanische Bürgerinnen und Bürger seit 1990 – in einer groß angelegten Aktion – Geld für die Pflanzung Japanischer Kirschbäume (Sakura) in Deutschland gesammelt hatten. Es war ihr Ausdruck der Freude über die deutsch-deutsche Wiedervereinigung und ein Zeichen der freundschaftlichen Verbundenheit. Über 140 Millionen Yen (ca. 1 Million Euro) kamen damals zusammen, für die rund 9.000 japanische Zierkirschbäume, überwiegend in Berlin und Brandenburg gepflanzt wurden. Rund 70 davon brachte man in die Wartenberger Erde, am heutigen Eingang des 210 Hektar großen Landschaftsparks, Wartenberger Feldmark, ein Bestandteil des Berliner Barnim. Der Garten aus Kirschbäumen wurde strahlenförmig angelegt, als Symbol für die Sonne und den Frieden. „Das Tor war unser ‚Dankeschön‘ an Japan“, sagt Wolfgang Stübner.

„Unter den Zweigen der Kirschbäume in Blüte ist keiner ein Fremder hier“, ist auf der Erinnerungstafel vom Mai 1995 zu lesen.

„Nicht für einen Apfel und ein Ei“
„Das Tor ist noch für die nächsten zwei Jahre sicher und standfest“, so der Bildhauer. Aber spätestens dann müsse gehandelt werden. Die Reparatur sei leider nicht „für einen Apfel und ein Ei“ zu bewerkstelligen. Um die Bänke auf beiden Seiten durch neue zu ersetzen, rechnet der Künstler mit Kosten von 12.000 bis 15.000 Euro. Das Tordach sei nur leicht verzogen. Hier könnten einige Schrauben schon Abhilfe schaffen. Stübner erklärte sich bereit, die teilweise Erneuerung zu übernehmen und zunächst einmal ein Angebot zu erstellen.

Woher das Geld nehmen?
„Die Frage ist: Wo nehmen wir das Geld her?“, sagte Elke Schuster von der Anwohnerinitiative, die zu der Zusammenkunft am Tor eingeladen hatte. Denkbar sei es, so die Initiatorin, sich um finanzielle Mittel aus dem Lichtenberger Fonds für Erinnerungskultur oder aus dem Stadtumbau Ost oder aus dem Förderprogramm zur Entwicklung der Feldmark zu bemühen. Letzteres hat sogar gute Chancen auf Erfolg. Denn: In naher Zukunft soll der Landschaftspark als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden. „Für die Entwicklung des Landschaftsparks Wartenberg stellte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt dem Bezirk Lichtenberg Ausgleichs- und Ersatzmittel aus gesamtstädtischen Vorhaben in Höhe von etwa 4 Millionen Euro zur Verfügung“, informierte Wilfried Nünthel, der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung (CDU), kürzlich.

Eine Bewerbung für Gelder aus dem Bürgerhaushalt, hält Elke Schuster indes „für sinnlos“. „Der Bürgerhaushalt ist eher für kleinere Aktivitäten geeignet“, sagte sie. Hier werde mehr Geld benötigt. Eine Anwohnerin regte an, finanzielle Mittel aus dem Programm „Kunst im Stadtraum“ oder „Kunst am Bau“ für die Rekonstruktion einzusetzen. Henning Fahrenberg, Bezirksverordneter der SPD, sagte zu, das Anliegen im Ausschuss für Ökologische Stadtentwicklung zur Beratung vorzutragen.

 

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