Hellersdorfer Hundeverein startet Projekt für sauberen Kiez

Das kommt in die Tüte!

04.11.2016, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Was nervt die Berliner besonders? Hundekot auf Straßen und Gehwegen, Spielplätzen und Grünflächen. Was stört viele Hundebesitzer in der Stadt? Dasselbe. Denn wer verantwortungsvoll mit seinem Tier umgeht, beseitigt dessen Geschäft. Schließlich macht auch er ungern Bekanntschaft mit Tretminen, zudem belasten diese Hinterlassenschaften das Verhältnis zwischen Menschen mit und denen ohne Hund. Deshalb hat der erst im August diesen Jahres gegründete Hellersdorfer Verein „Helle Hunde“ jetzt das Projekt „Tütenpaten“ gestartet. Dabei werden Tütenspender aufgestellt, aus denen bei Bedarf Kotsammelbeutel entnommen werden können. Am Donnerstag, 3. November, wurden die ersten fünf Stationen auf dem Boulevard Kastanienallee in Betrieb genommen. Weitere sieben im Kiez sollen folgen, später auch an anderen Orten welche aufgestellt werden. Unterstützt wurde das Projekt aus dem Aktionsfonds des Quartiersmanagement Boulevard Kastanienallee und vom größten Vermieter im Viertel, der Deutsche Wohnen.

Jeder Spender hat einen „Tütenpaten“

Nun sind solche Spender eigentlich nichts Neues. Sie wurden jedoch in Hellersdorf, wo unter anderem die Stadt und Land welche aufstellte, und in Marzahn-Nord, wo sich das Quartiersmanagement darum kümmerte, bislang wenig genutzt. Zu oft waren sie leer oder wurden Opfer von Vandalismus. „Unser Ansatz ist anders“, erklärt Julia Reuter vom Vorstand des Hundevereins, die sich um das Projekt „Tütenpaten“ kümmert. Denn erstmals gibt es, wie der Name schon sagt, Paten für die Behälter. „Das sind Hundebesitzer aus dem Kiez, von denen jeder einen Spender betreut. Nicht alle sind übrigens Mitglied bei uns.“ Diese befüllen die Behälter mit dem blauweißen Logo bei ihren regelmäßigen Gassi-Runden nicht nur, sondern melden dem Verein auch mögliche Beschädigungen. „Die Spender sollen niemals leer sein“, sagt Julia Reuter. Bisher gibt es etwa 50 Leute, die dabei ehrenamtlich mitarbeiten wollen. „Wir wollen das Projekt deshalb auch auf andere Gebiete in Hellersdorf und Marzahn ausweiten“, sagt Vereinsvorsitzender André Kiebis. Dazu sollen künftig Gespräche mit weiteren Vermietern und Quartiersmanagements geführt werden.

Pilotversuch auf Boulevard Kastanienallee

Zunächst aber läuft der Pilotversuch im Gebiet des Quartiersmanagements Boulevard Kastanienallee. Zehn der Spender wurden bzw. werden noch an Laternen befestigt, die der Deutsche Wohnen gehören. Bei diesen Behältern gibt es keine Mülleimer. Denn dort, wo sie angebracht werden, stehen genügend Abfallkörbe. Die beiden Kombinationen Spender/Mülleimer sollen an Orten aufgestellt werden, wo noch Müllbehälter fehlen. Geleert werden sie ebenfalls von den Paten. „Wir wollen, dass der Kiez sauberer wird“, sagt André Kiebis. Nun könne sich keiner mehr herausreden, dass er den Schmutz seines Hundes nicht beseitigen könne, weil er gerade keine Tüte dabei habe. Kiebis erinnert auch an das neue Hundegesetz, wonach jetzt Tütenpflicht besteht: „Wer vergessen hat, welche mitzunehmen, findet überall am Boulevard Spender.“

Gefördert durch das Quartiersmanagement

Mit 1.500 Euro aus dem Aktionsfonds für die Sachmittel fördert das Quartiersmanagement das Projekt. Ein kombinierter Spender/Mülleimer kostet 300 Euro, ein einfacher Spender 80 Euro. 17.000 Tüten stehen zurzeit zur Verfügung. Im 1. Berliner Coffee Kontor, einem Ladengeschäft am Boulevard, das sich zur Anlaufstation für die „Paten“ erklärt hat und selbst auch einen Spender betreut, kann Nachschub geholt werden.

„Aus dem Kiez heraus entstanden“

Quartiersmanager Stephan Mayer erzählt, dass die Verunreinigung durch liegengelassene Hundehäufchen viele Bewohner im Dreh ärgert. Das Geld aus dem Aktionsfonds sei daher gut angelegt. Auch Stefanie Greske, Leiterin des Service Points Stollberger Straße und Verwalterin Katrin Mäkel (beide Deutsche Wohnen) hoffen, dass der Pilotversuch ein Erfolg wird. Alexander J. Herrmann, der designierte Vorsitzende der CDU-Fraktion im Bezirksparlament, der den Hundeverein schon in der Gründungsphase unterstützte, lobt das bürgerschaftliche Engagement: „Das Projekt ist nichts Aufgesetztes, sondern aus dem Kiez heraus entstanden.“

 

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