Neuer Begegnungsort entsteht auf Abenteuerspielplatz

Bauwagen wird Café International

26.07.2016, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich (1-4), Matthias Bielor (5)

Marzahn. Noch sieht er etwas ramponiert aus, zumindest von außen – der Bauwagen gleich links am Eingang zum Abenteuerspielplatz West an der Ahrensfelder Chaussee 26. Doch schon bald soll er als „Café International“ zu einem Treffpunkt und Begegnungsort in Marzahn West werden.

Im Innenraum ist schon alles weiß gestrichen, außen prangen noch die unvermeidlichen Graffiti. Aber die kommen auch noch weg. Schließlich soll der Bauwagen als Café einladend wirken. Es sind schon einige Stunden zusammengekommen, an denen die die freiwilligen Helfer wie Erik, Albrecht, Anwar, Nagem und Mohamad bisher tätig waren. Sie haben den Fußboden erneuert, Sitzbänke zusammengeschraubt und eine Spüle eingebaut. Nun ist die Außenhaut dran.

Geschützter Raum für Kinder
Das Projekt „Café International“ entsteht im Rahmen der Arbeit mit Flüchtlingen aus der nahe gelegenen Einrichtung im Hausvaterweg. Die Spielplatzinitiative Marzahn e. V. engagiert sich für Kinder in verschiedenen Heimen und so kamen einige Gruppen mit ihren Betreuern auch auf den Abenteuerspielplatz. Daraus entwickelte sich die Idee, einen geschützten Raum außerhalb des Heimes zu schaffen, in dem sich Kinder und Jugendliche mit ihren deutschen Altersgenossen treffen können. Ursprünglich hatte das Heim den Bauwagen vom Bezirk Lichtenberg geschenkt bekommen, das LaGeSo aber erlaubte die Aufstellung nicht. Also erklärte sich der Abenteuerspielplatz bereit, den Bauwagen auf seinem Gelände aufzustellen und auszubauen. Im und um das Café soll es verschiedene Veranstaltungen geben, drinnen kann Tee oder Kaffee gekocht, in dem Lehmofen vor der Tür kann Pizza oder Brot gebacken werden.

Fertigstellung noch in diesem Sommer
„Eigentlich ist der Bauwagen nur Mittel zum Zweck“, sagt Matthias Bielor, Vereinsvorsitzender der Spielplatzinitiative Marzahn. Es soll ein Begegnungsort werden, wo man sich austauscht. Aber bereits während der Bauphase treffen verschiedene Kulturen aufeinander, die gemeinsam etwas aufbauen wollen. Das sind ehrenamtliche Helfer aus dem Heim am Hausvaterweg, die sich sehr engagieren und eigenes Geld aufbringen und Spenden sammeln sowie einige Eltern von Flüchtlingskindern, die regelmäßig auf den Platz kommen. „Bei der Außengestaltung sollen auch Kinder und Jugendliche einbezogen werden, da bin ich mit dem Jugendklub Wurzel im Gespräch, dort gibt es ein Graffiti-Projekt“, sagt Matthias Bielor. Er ist zuversichtlich, dass alles noch in diesem Sommer fertig wird. Dann soll neben dem Bauwagen noch ein Zelt aufgestellt werden. Von einer Stiftung gab es noch etwas Geld, um das Dach des Lehmofens zu erweitern, sodass die Pizza auch bei Nieselregen belegt werden kann. Für die kältere Jahreszeit wurde auch an eine Alternative gedacht. Geplant ist, das ehemalige Lehm-Tierhaus ebenfalls zu einem Treffpunkt auszubauen.

Feste für Familien
Bei allen Veranstaltungen auf dem Platz soll das Café einbezogen werden, betont Matthias Bielor. Beispielsweise im Sommer für Familienfeste wie das Zuckerfest zum Ende des Fastenmonats Ramadan. In diesem Jahr hat es noch nicht geklappt, vor knapp drei Wochen zum diesjährigen Zuckerfest war das Café noch nicht fertig. Für Matthias Bielor war es trotzdem ein Erfolg, denn viele Familien kamen mit ihren Kindern. Sie haben gegrillt und Musik gemacht und einen schönen Nachmittag verlebt. Das war nicht immer so. Anfangs kamen die Kindergruppen jeden Mittwoch, aber es gab Probleme mit der Disziplin. Deshalb sollten die Eltern mehr einbezogen werden, doch das gelang bis jetzt noch nicht ganz zufriedenstellend.

Hilfe ist immer willkommen
Natürlich kommen auch die deutschen Kinder weiterhin auf den Platz. Für sie ist das Kennenlernen Gleichaltriger aus anderen Kulturen eine Bereicherung. Das beginnt schon beim Essen. Das Grillen gehört ja in unseren Breiten zum Feiern dazu, aber nicht jeder mag Bratwurst und Kotelett. Also gibt es nun auch Grillspieße aus Hühnerfleisch. Für den Abenteuerspielplatz nicht immer leicht, das zu finanzieren, Spenden sind deshalb immer willkommen. Auch wer auf dem Platz mithelfen möchte, bei der Betreuung der Kinder oder bei der Rasenpflege, kann gerne vorbeikommen. Neben den Ehrenamtlichen gibt es drei Bundesfreiwillige, ein russisch-deutsches Ehepaar und eine Neunzehnjährige, die mitarbeiten. Neuerdings helfen auch Flüchtlinge aus Syrien, die an einer Umschulung teilnehmen und sich auch nach Beendigung ihres Praktikums ehrenamtlich betätigen. Sie machen mit, weil sie erfahren, dass sie gebraucht werden und sich einbringen können.

Ferienangebot rund um den Lehm
Zwar ist der Abenteuerspielplatz in erster Linie für Kinder und Jugendliche gedacht, aber er wirkt auch generationsübergreifend als Bindeglied zwischen den Jungen und den Älteren. Die können beispielsweise für 20 Euro im Jahr im Bürgergarten ein Hochbeet bepflanzen und pflegen, mit Unterstützung für diejenigen, die keinen grünen Daumen haben. Im Herbst beginnt die Ernte, da wird ebenfalls Hilfe benötigt, beim Pflücken und beim Marmelade einkochen, fleißige Helfer bekommen auch ein Glas gratis.

Wer mal auf dem Abenteuerspielplatz vorbeischauen möchte, hat bis Ende dieser Woche Gelegenheit, bei den „Lehmbau-Tagen“ alles rund um den alternativen Bau- und Werkstoff zu erfahren. Es werden „Lehmkartoffeln“ gebacken, wer will, kann sich als kleiner Gärtner ausprobieren oder alte Handwerkstechniken kennenlernen. Geöffnet ist der Abenteuerspielplatz Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, pädagogische Betreuer sind vor Ort.

 

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