Auch in Marzahn-Hellersdorf soll auf Gewerbeflächen gebaut werden

Wohnen statt arbeiten?

11.06.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Es wird produziert, nebenan gewohnt. Was vor Jahren noch weitgehend undenkbar war, ist jetzt durchaus im Reich des Möglichen. Weil Berlin zu wenig Flächen für den Wohnungsneubau hat, geraten inzwischen auch immer mehr Gewerbeareale in den Fokus der Immobilienentwickler. Darunter sind auch zwei große Gelände in Marzahn – eine Fläche am Gewerbepark Georg Knorr, eine zweite an der Landsberger Allee 378. Allerdings lehnt das Bezirksamt bis dato die Nutzung beider Areale zu Wohnzwecken ab.

Steuerungsausschuss tagt am 15. Juni

Am Freitag, 15. Juni, wird sich der Steuerungsausschuss Wohnungsbau, ein Lenkungs- und Beratungsgremium des Senats in Konfliktfällen, zum zweiten Mal mit dem Projekt „EAST – Georg Knorr Park Teilfläche Ost“ beschäftigen. Auf dem zehn Hektar großen Areal plant die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge gemeinsam mit dem Projektentwickler Laborgh eine gemischte Quartiersentwicklung mit Gewerbeflächen und Wohnungen. Bereits am 3. Mai stand das Projekt laut der Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Rohland, auf der Tagesordnung des Steuerungsausschusses. Dabei wurde festgelegt, bis zum erneuten Zusammentreffen des Gremiums verschiedene Prüfaufträge abzuarbeiten. „Das betreffende Areal ist zugleich Teil des Entwicklungskonzeptes für den produktionsgeprägten Bereich und damit eine wichtige Reservefläche für eine gewerbliche Entwicklung.“

Verkehrsberuhigtes Quartier geplant

Laut Howoge ist auf der Fläche, die bereits 2016 von den Eigentümern des Knorr-Gewerbeparks veräußert wurde, ein gemischtes, verkehrsberuhigtes Quartier mit kurzen Wegen geplant. „Die Howoge beabsichtigt, das Projekt nach Fertigstellung zu übernehmen“, sagt Sprecherin Sabine Pentrop. Insgesamt seien derzeit bis zu 1.500 Wohneinheiten und eine deutliche Vergrößerung der bestehenden Gewerbeflächen geplant. „Der Schwerpunkt  soll auf arbeitsintensivem Kleingewerbe sowie kleinteiligen Handwerksbetrieben liegen. Es darüber hinaus soll eine Kita und im Idealfall auch ein Ausbildungszentrum des Handwerks entwickelt werden“, so Pentrop. Das Wohnungsangebot von 1- 5 Zimmerwohnungen solle sich an Singles und Familien, aber auch Studenten richten und betreute Wohnformen aufgreifen. Es werden 50 Prozent geförderte Wohnungen angestrebt. „Insgesamt  soll das neue Quartier eine enge Verbindung zwischen Wohnen und Arbeiten schaffen und so einen modernen Baustein einer gemischten Stadt liefern. Die Planungen werden im weiteren Verlauf der Abstimmungen kontinuierlich präzisiert.“

Pohle: Flächennutzungsplan müsste geändert werden

Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke), auch zuständig für Stadtentwicklung, sagt, dass auf dem Areal grundsätzlich kein Wohnungsbau zulässig ist. „Wenn das Land Berlin den Flächennutzungsplan ändern würde, könnten wir den Bebauungsplan ändern. Dann wäre auch Wohnungsbau denkbar, sonst nicht.“ Ihr Vorgänger im Amt, der jetzige CDU-Abgeordnete Christian Gräff, reagiert dem Howoge-Projekt gegenüber deutlich aufgeschlossener: „Ich glaube eine sinnvolle Mischnutzung aus einem Übergang Industrie (Knorr) und Gewerbe und dann Wohnen auf der gg. liegenden Straßenseite wäre sehr sinnvoll und spiegelt den heutigen Zeitgeist von Arbeiten und Wohnen wieder. Mit dem Einfügen in die denkmalgeschützten Bauten würde diese Mischung mit Wohnungen super passen. Dieser Prozess wurde bereits zu meiner Zeit begonnen, dann aber leider gestoppt!“

Am Pyramidenring Wohnungsbau abgelehnt

Einig sind sich die Linke und der Christdemokrat bei der Ablehnung vom Wohnungsbau auf dem Grundstück Landsberger Allee 378/Pyramidenring. Das war vom Bund erst im März dieses Jahres für die enorme Summe von 15,2 Millionen Euro versteigert worden. Das 53.000 Quadratmeter große Grundstück mit verfallenen Schuppen, aber auch denkmalgeschützten Gebäuden und viel wucherndem Grün ist vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf langfristig für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen.

Bereits 2016 interessierte sich die Howoge für die Fläche, um dort Sozialwohnungen zu bauen. Bei der Frühjahrsauktion der Deutschen Grundstücksauktionen AG hatte es darum eine regelrechte Bieterschlacht von vier Interessenten gegeben, zum Zuge kam ein privater Investor. „Ich war immer und bin auch heute hier gegen eine Wohnnutzung. Dieses Gebiet war uns ist für kleinteilige Gewerbebetriebe gedacht und soll mit GRW Mitteln auch weiterentwickelt werden, der Anschluss an den südlichen Teil des gesamten Gewerbegebiets hin zur ehemaligen Metro ist lange geplant und muss umgesetzt werden“, sagt Gräff, der in der vergangenen Legislaturperiode auch Wirtschaftsstadtrat war. Dagmar Pohle erklärte, sie halte grundsätzlich nichts davon, im Bezirk Gewerbeflächen für Wohnzwecke zu erschließen, da es „nach wie vor eine hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen“ in Marzahn-Hellersdorf gebe.

 

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