Sie ist Namensgeber für den Kiez. Mit ihr steht und fällt Vieles.

Wohin geht die Reise Weitlingstraße?

18.12.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Besucher der Weitlingstraße sind immer wieder hin und hergerissen. „Eine schöne Geschäftsstraße“, meinen die Einen. „Zu viel Verkehr und heruntergekommen“, sagen die Anderen. Wie so oft, scheint die Wahrheit irgendwo in der Mitte zu liegen. Jede und Jeder empfindet die Straße, die Namensgeber für den Weitlingkiez ist, anders. Sie scheint sich nur schwer entscheiden zu können, in welche Richtung die Entwicklung geht. Aber das macht vielleicht gerade ihren besonderen Reiz aus.

Milieuschutz und Geschäfte

Auf jeden Fall sind fast alle Häuser im Kiez durchsaniert und privatisiert. 2016 kam eine Studie zu der Schlussfolgerung: Kein Milieuschutz für den Weitlingkiez erforderlich LiMa+ berichtete. Die erneute Prüfung ein Jahr später erbrachte ein gegenteiliges Ergebnis. Trotz umfangreicher Baumaßnahmen und Modernisierungen ist es gelungen, viele inhabergeführte Geschäfte in der Weitlingstraße zu halten und sogar neue hinzu zu gewinnen. Ob der Mix optimal ist, darüber lässt sich streiten.

Probleme gibt es nach wie vor

Ja, der Bahnhofsvorplatz am Bahnhof Lichtenberg ist problembehaftet LiMa+ berichtete. Und trotz Tempo 30 auf fast der gesamten Weitlingstraße ist es oft abenteuerlich, selbige zu queren. Ja, die große Mehrheit der Bewohner und Gewerbetreibenden muss sich immer noch mit einer kleinen Minderheit auseinandersetzen, die versucht, alles Erreichte zunichte zu machen.
Doch die Weitlingstraße lebt! Es gibt andere Beispiele in anderen Bezirken.

Unterstützung bei der Aufwertung der Weitlingstraße

Auf der Dezember-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung bestätigten die Verordneten (Die Linken enthielten sich der Stimme) ohne weitere Aussprache eine Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit und Soziales und Gemeinwesen. Darin wird das Bezirksamt ersucht, „die Aktivitäten der lokalen Akteure für die Aufwertung und Sicherung der Geschäftsstraße im Weitlingkiez unterstützend zu begleiten.“

Mit Gewerberaumvermietern und Mietern sollen Gespräche zur aktuellen Lage und langfristigen Sicherung der Mietverhältnisse geführt werden. Durch Ansiedlung neuer Interessenten will man die Qualität und Vielfalt der Geschäfte erhöhen. Der Bezirk ist angehalten, ein Geschäftsstraßenmanagement und lokale Marketingstrategien zu unterstützen. Monopolstellungen von Unternehmen in der Straße sollen verhindert werden.

Vorbild für andere Geschäftsstraßen

„Inhabergeführte Geschäfte werten unsere Kieze enorm auf“, heißt es in der Beschlussbegründung. Sie verbesserten das Image und seien ein wichtiger Bestandteil für wohnortnahe Versorgung. „Eine gelungene Strategie sollte als Vorbild für andere Geschäftsstraßen in Lichtenberg dienen.“

Die Lichtenberger CDU-Fraktion hatte im Oktober einen ähnlich lautenden Antrag initiiert, der im Ausschuss beraten und modifiziert wurde.

Auch wenn vieles allgemein gehalten ist – es gibt keine Planwirtschaft und der Bezirk kann „nur“ für gute Rahmenbedingungen sorgen: Es ist ein klares Bekenntnis der Politik zum Erhalt und zur Weiterentwicklung dieser zentralen Lichtenberger Straße.

Keine Ausweitung von Tempo 30

Zur Kenntnis nahmen die Verordneten, dass das Bemühen des Bezirksamtes für Tempo 30 auf der Weitlingstraße auch auf dem Abschnitt zwischen Einbecker- und Irenenstraße erfolglos blieb. Die BVV hatte das Amt auf einen Antrag der Bezirksverordneten von Bündnis 90/Die Grünen im Juni 2018 zum entsprechenden Handeln aufgefordert.

Die zuständige Verkehrslenkungsbehörde Berlin (VLB) begründete ihre Ablehnung mit der hohen „verkehrlichen Bedeutung“ der Weitlingstraße. In dem betreffenden Bereich gebe es auf der östlichen Straßenseite Absperrgitter, die ein riskantes Queren der Fahrbahnen verhinderten. Nur am Verbrauchermarkt und der Bushaltestelle seien die Gitter unterbrochen.

Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme geboten

Und genau dort gehen eben viele Fußgänger risikoreich über die Straße. Das haben die Mitarbeiter der VLB bei ihrem Vorort-Termin anscheinend übersehen. LiMa+ war zehn Minuten da und wurde Zeuge mehrerer gefährlicher Überquerungen.
Zwar gibt es an den Einmündungen Einbecker- und Irenenstraße sichere Querungsmöglichkeiten für Fußgänger durch durch „Lichtzeichenanlagen“, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt, doch wer es eilig hat, geht eben an den Bushaltestellen und an der Ausfahrt des Supermarkt-Parkplatzes über die Straße. Dort gilt Tempo 50 für Busse, Pkw und Lkw.

Wegen der Ampeln auf Tempo 30 zu verzichten, ist kein gutes Argument der VLB. Denn auch im weiteren Straßenverlauf gibt es sie. Trotzdem gilt dort Tempo 30. Dass die Unfallzahlen auf dem betreffenden Straßenabschnitt nicht höher als anderswo sind, ist wohl nur dem aufmerksamen Verhalten der Fahrzeugführenden zu verdanken.


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