Drinnen + draußen

Wo bleiben die Bienen?

26.05.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Liegt es nun am wechselhaften Frühling oder ist der Gau schon eingetreten? In unserem kleinen Garten fehlt das Summen. Sonst waren zu dieser Jahreszeit die Bienen und vor allem die Hummeln schon emsig am Werk. Dieses Jahr verirrt sich kaum eines der Insekten zu uns. Auch weniger Fliegen und Wespen zählen wir. Das mag jahreszeitbedingt sein. Allein, wir können nicht mehr so richtig daran glauben. Denn wir haben alles wie in den Jahren zuvor gemacht: Löwenzahn darf blühen, Gänseblümchen und Klee auch, der Rasen ist kein gepflegter englischer. Schnittlauch steht in Blüte (sieht sogar schön aus und schmeckt immer noch), spezielle Blumen für Bienenweide wurden gepflanzt. Unkrautvernichtungsmittel benutzen wir nicht.

Immer wieder zur Tagesordnung übergegangen

Wir kennen ja alle die Berichte vom massenhaften Aussterben von Insektenarten. Bisher haben wir das immer bedauert, theoretisch. Doch so richtig in unserer eigenen, praktischen Wahrnehmung war das noch nicht gekommen. Doch schon im vergangenen Urlaub haben wir bei der Autofahrt in die Bretagne und zurück gestaunt: In Belgien und Frankreich waren die Scheiben immer voller (leider von uns getöteter!) Insekten, in Deutschland kaum noch. Wir haben es konstatiert, gegrübelt – und sind dann wieder zur Tagesordnung übergegangen.

Inzwischen mache ich mir Sorgen. Was ist, wenn die Wissenschaftler nicht nur Recht haben, sondern alles noch viel schlimmer kommt als befürchtet? Der Weltbiodiversitätsrat hatte Anfang Mai davor gewarnt, dass der Mensch in rasendem Tempo die Natur von der Erde verschwinden lasse. Doch wenn Arten verschwinden, sind nicht nur diese, sondern auch komplexe Ökosysteme bedroht. Alles könne in sich zusammenbrechen, mit weitestreichenden Folgen.

Der Bericht hat mir Angst gemacht. Gerade, weil ich selbst das vermisse, was viele Jahre üblich war. Direkt vor meiner Haustür, in meinem kleinen Garten. Im Großen sieht es noch viel schlimmer aus – Wale mit Plastik im Bauch, Eisbären, die nichts mehr zu fressen finden wegen ihres immer kleiner gewordenen Lebensraums.

Haben wir es noch in der Hand?

Haben wir es noch in der Hand? Ich hoffe es. An diesem Sonntag, 26. Mai,  werde ich jedenfalls mein Kreuz nicht bei Parteien machen, die sagen: Alles halb so schlimm. Oder die den menschengemachten Klimawandel und die Zerstörung der Ökosysteme einfach leugnen. Weil es so bequemer ist. Und ganz persönlich werde ich versuchen, im Kleinen etwas gegenzusteuern. Jetzt kommt endlich, wie bei vielen Schrebergärtnern schon längst üblich, ein Insektenhotel in unseren Mietergarten. Über Bienenstöcke denke ich noch nach. Und über die Teilnahme an den Fridays for Future-Demos ebenfalls.

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