Tag der offenen Tür im Bienenlehrgarten Wuhletal 1864

Wo Bienen summen

20.06.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Hellersdorf. Der Imkerverein „Wuhletal 1864“ lädt am Sonnabend, 22. Juni, von 10 bis 18 Uhr zum „Imkertag 2019“ in den Bienenlehrgarten, Lichtenhainer Straße 14, ein. Dabei möchte der Verein sich und seine Arbeit vorstellen.

Wachsende Mitgliederzahlen

Vereinsvorsitzender Uwe Meyer kann auf eine wachsende Zahl von Mitgliedern verweisen. 99 Imker arbeiten im Verein „Wuhletal 1864“ mit, rund ein Drittel der Vereinsmitglieder sind weiblich. Darauf ist der Vorsitzende besonders stolz. „Seit einigen Jahren können wir schon sehen, dass sich immer mehr junge Leute wieder für die Honigbiene interessieren, und dass auch Frauen sich mit diesem schönen Hobby beschäftigen.“  Beim Imkertag wollen die Imker den Besuchern einen Blick in die Bienenstöcke ermöglichen. Sie zeigen, wie die Waben aufgebaut werden und die Königin die Eier ablegt. Auch einen alten Bienenkorb aus Weidenzweigen haben die Imker in ihrem Garten stehen. „So haben die Imker auch im Berliner Raum noch vor einigen Jahren gearbeitet“, erklärt Uwe Meyer. „Heute gibt es diesen Korb nur noch bei Imkern in der Lüneburger Heide.“

Einer der ältesten Berliner Imker

Mit dabei sein wird auch einer der ältesten Berliner Imker. Helmut Tonert beschäftigt sich seit seinem zwölften Lebensjahr mit den Bienen. Der heute 79-Jährige gibt seine Erfahrungen heute gern an die junge Generation weiter und leitet die Schüler-AG im Bienengarten. Er ist in einer Kleingartenanlage an der Rummelsburger Straße in Lichtenberg aufgewachsen. „Dort gab es einen großen Festplatz, auf dem wir immer Fußball gespielt haben“, erinnert sich Helmut Tonert. Daneben hatte ein Gartennachbar einige Bienenstöcke stehen. Er bemerkte das Interesse des damals Zwölfjährigen. „Zugucken und helfen“, sagte er dem Jungen, der bald darauf schon zu seinem ersten Bienenstock kam. Diese ersten Schritte prägten das ganze weitere Leben von Helmut Tonert. „Ich bekam von dem Nachbarn auch ein Buch über Bienen geschenkt“, erinnert sich der Imker. „Nicht lesen, sondern studieren!“ hatte ihm sein Mentor damals mit auf den Weg gegeben.

Einst mit dem Bienenwagen unterwegs

In den Imkerverein Lichtenberg konnte Tonert erst mit 15 Jahren eintreten. Da brachte er aber schon einige Erfahrungen und eine eigenen Bienenzucht mit. Der Kleingarten der Eltern reichte bald nicht mehr aus, um die Insekten zu versorgen. „Damals sind wir mit dem Bienenwagen gewandert“, sagte Helmut Tonert. Es ging zur Rapsblüte nach Werneuchen, zur Obstblüte nach Werder, dann kamen die Kornblumen. „Wir sind so lange im Umland geblieben bis dann in Berlin die Linden geblüht haben.“ Ende Juni/Anfang Juli gab es dann den richtigen Stadt-Honig aus der Lindenblüte. 

Facharbeiterbrief als Imker erworben

Anfangs standen die Eltern dem Hobby ihres Sohnes skeptisch gegenüber. Das änderte sich, als sie sahen, wie viel Honig man im Frühjahr und Sommer ernten kann. Auch Misserfolge gab es, doch Helmut Tonert ließ sich nicht entmutigen und blieb seinen Bienen treu. Auch während der Lehrzeit als Maurer und später im Beruf – die Imkerei war immer mit dabei. Mitte der 1970er-Jahre erwarb er seinen Facharbeiterbrief als Imker an einer Berufsschule in der Nähe von Schwedt. Noch heute wimmeln vor seiner Haustür 16 Bienenvölker.

Verein rechnet mit großem Interesse

Im Bienengarten gibt es die Arbeitsgemeinschaft junger Imker. Sechs Kinder kommen regelmäßig, um sich mit ihren Bienen zu beschäftigen. Beim Bienentag sind diese Kinder auch vor Ort und zeigen den Besuchern, dass man aus einer Bienenzucht nicht nur Honig gewinnen kann. So werden aus Bienenwachs auch Kerzen geformt und verkauft.

Nach dem letzten Erfolg in der Langen Nacht der Stadtnatur im Mai rechnet der Verein auch am 22. Juni mit einem großen Interesse. „Über 450 Besucher sind da gekommen“, sagte Uwe Meyer.

Der Imkerverein fühlt sich nicht nur für seine Honigbienen verantwortlich, sondern möchte die Besucher auch für den Schutz der wilden Bienen, Hummeln und Wespen gewinnen. Alle wilden Arten stehen unter strengem Naturschutz. Deshalb gibt es im Verein auch Imker, die den Nachbarn mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn sie auf dem Balkon oder im Garten Probleme mit den Insekten haben.

75 Prozent der Nahrungsmittelpflanzen von Bienen abhängig

Als Weltbienentag wird alljährlich der 20. Mai begangen. Diesen hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) als World Bee Day ausgerufen. Damit hat die Weltgemeinschaft auch die Erkenntnis über den Rückgang der weltweiten Bienenpopulation und den dringenden Schutz der Bienen unterstrichen. 75 Prozent der globalen Nahrungsmittelpflanzen sind von der Bestäubung insbesondere von Bienen abhängig. Allein für medizinische Zwecke werden mehr als 50.000 bienenbestäubte Pflanzenarten verwendet. In der Initiative, “Deutschland summt”, haben sich Menschen zusammengefunden, die den Bienen vielfältige Lebensräume bereitstellen. Gestartet wurde die Initiative 2010 in Berlin.

Der Bienenlehrgarten in der Lichtenhainer Straße 14 ist von Mai bis Mitte September von Montag bis Donnerstag von 9 Uhr bis 16 Uhr und am Freitag von 9 Uhr bis 14 Uhr für Besucher geöffnet. Es können auch Führungen vereinbart werden. Weitere Informationen auf http://imkerverein-wuhletal1864.de.


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