LiMa+ sagt nach 2.395 Tagen = 6 Jahre, 6 Monate, 21 Tage – Tschüss!

Wir haben fertig

21.06.2020, LiMa+ Team

Fotos und Montage: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Wenn man etwas anfängt, dann muss man es auch zu Ende bringen. Diese Binsenweisheit unserer Eltern trifft nur bedingt auf die Zeitungsarbeit zu. Ein Ende gibt es in der aktuellen Berichterstattung über Ereignisse, Entwicklungen und Veränderungen eigentlich nicht, denn nichts bleibt so wie es war oder gerade ist.

Es hängt wohl mit dem Phänomen Zeit und insbesondere mit dem Hier und Jetzt zusammen. Kaum ist alleine das Wort „Gegenwart“ gelesen, da handelt es sich schon wieder um Vergangenheit. Die Gegenwart ist eigentlich nur der sich unaufhörlich erneuernde Nullpunkt zwischen Vergangenem und Zukünftigen. Berichtet werden kann also selbst im schnellsten Medium genau genommen nur über Dinge, die schon vorbei sind oder für die Zukunft angekündigt wurden.

Deshalb sagen wir bei der Online-Zeitung aus dem Berliner Osten heute auch: Das war das Ende. LichtenbergMarzahnPlus hat die Berichterstattung bis auf Weiteres eingestellt. Oder wie Giovanni Trapattoni abgewandelt aber treffend sagen würde: Wir haben fertig.

Damit keine falschen Gerüchte aufkommen:

Nein, wir sind nicht pleite. LiMa+, herausgegeben vom BezirkePlus-Verlag, haben wir sechseinhalb Jahre durch andere Produkte und Dienstleistungen querfinanziert. Von Werbeanzeigen allein hätte sich LiMa+ nicht tragen können, obwohl es mit der Zeit einige mehr wurden. Für uns eine ständige Doppelbelastung und Selbstausbeutung ohne zeitliches Limit. Wir könnten es auch weiterhin so halten. Doch LiMa+ täglich mit zwei oder drei Beiträgen und Nachrichten zu bestücken, die Website aktuell und sicher zu halten und sich um all das zu kümmern, was sonst noch an einem Unternehmen hängt, ist eigentlich allein schon ein Vollzeitjob für mehrere Leute.

Wir haben es mit immer weniger Mitstreitern gemacht. Einige haben sich im Laufe der Jahre beruflich neu orientiert, mussten sich aus finanziellen Gründen verändern und weiterentwickeln. Wir haben uns gefreut, dass sie nun anderswo erfolgreich ihren Weg gehen.

Corona-Krise wirkte beschleunigend

Und nein, wir haben auch keine schlimmen Krankheiten. Allerdings trug der Dauerstress sicherlich dazu bei, dass es Zeiten gab, wo die Gesundheit Einiger stark beeinträchtigt war. Das waren Momente, die schließlich dazu führten, die Frage nach der Verhältnismäßigkeit des Arbeitsaufwandes zu stellen. – Und zu beantworten.

Unsere Entscheidung fiel lange vor dem plötzlichen Tod unseres Kollegen und Freundes Klaus Teßmann am 27. April 2020. Sein Ableben erschütterte uns tief. Gleichzeitig bestärkte es unseren Entschluss, die Arbeit für LichtenbergMarzahnPlus zu beenden. Natürlich spielte auch die Corona-Krise eine beschleunigende Rolle. Nicht wegen der Finanzen. Wir haben bewusst auf Ausfall- oder Fördergelder verzichtet, obwohl sie uns sicher gewährt worden wären. Unseres Erachtens gab und gibt es andere Unternehmen, die dringender Unterstützung brauchen. Davon abgesehen war es von Anfang an Grundsatz unserer journalistischen Unabhängigkeit, keine Fördertöpfe anzuzapfen.
Nein, wir haben vielmehr unsere Gesundheit im Blick, gehören zu Personengruppen, die es bei einer möglichen Infektion mit Covid 19 härter treffen könnte als andere.

Es hat uns großen Spaß gemacht,…

… aus zwei so unterschiedlichen und doch ähnlichen Bezirken zu berichten. Welche der 6.282 Beiträge will man hervorheben? Die Berichterstattung bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen 2016 mit Reportagen aus allen Wahlkreisen und mit Vorstellung der Kandidaten? Die Analysen und Live-Ticker am Wahlabend? Oder zu den Europawahlen 2014 und 2019 oder zu den Bundestagswahlen 2017?

Wir informierten über kulturelle Highlights, über interessante Unternehmen, verschiedene Kulturen und ihre Bräuche, über politische Geschehnisse… Immer ging es uns dabei um die Belange der Lichtenberger und Marzahn-Hellersdorfer Bürgerinnen und Bürger. Wenn irgend möglich, waren wir selbst vor Ort und haben uns ein eigenes Bild gemacht. Apropos: Auf Fotos in den Bildergalerien zu Beiträgen legten wir stets großen Wert. Nicht zum Selbstzweck, sondern immer mit themenorientiertem Informationsgehalt.

Die LiMa+ Kolumnen gaben bewusst subjektive Meinungen der jeweiligen Autoren wieder. Mal waren sie ernst, mal voller Humor, meist Special Interest und auch Geschmacksache.

Zum Leben gehört auch Unerfreuliches

Weniger erfreulich waren die Nachrichten über verheerende Großbrände wie in einem Biesdorfer Hochhaus und mehrfach in Lichtenberger Gewerbegebieten. Auch bei diesen schlimmen Ereignissen war LiMa+ vor Ort.

So bunt wie das Leben in Lichtenberg und in Marzahn-Hellersdorf, so vielfältig waren auch die LiMa+ Themen. Daran hat es nie gemangelt. Im Gegenteil: Wir mussten unseren Kapazitäten entsprechend eine Auswahl treffen. Als kleines Lokalmagazin konnten wir leider nicht alles widerspiegeln.

Konstruktive Kritik war immer willkommen

Von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, kamen Lob, Kritik, viele weiterführende Hinweise und Tipps. Für alles sind wir sehr dankbar. In Details haben wir uns auch das eine oder andere Mal korrigiert und das auch kenntlich gemacht. Denn erstens ist Irren auch unter Journalisten menschlich und zweitens schritten die Entwicklungen voran. Es gab immer wieder neue Tatsachen, neue Gesichtspunkte und Blickwinkel. Leben pur sozusagen.

Sicher waren einige Beiträge interessanter als andere. Hätten wir vieles anders, besser machen können? Ganz klar: Ja! Wir haben übrigens ständig miteinander um beste Ergebnisse gestritten, vertrauensvoll und mit gegenseitiger Achtung Artikel redigiert und uns darüber ausgetauscht.

Interne Diskussionen gab es einige Male zum generellen Profil von LiMa+ und zur Veränderung von Rubriken und des Seitenaufbaus. Einiges wurde umgesetzt, anderes verworfen. Letztlich waren viele Entscheidungen auch von unseren personellen und finanziellen Kapazitäten bestimmt. Die meisten LiMa+ Journalisten haben freiberuflich gearbeitet.

Dankeschön!

Wir bedanken uns bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser für Ihr Interesse und ihre Treue! Unser Dank gilt allen, die uns mit Informationen und Anregungen versorgt haben und allen, die uns stets mit Respekt und Fairness begegneten, selbst wenn die Meinungen manchmal auseinander gingen. Eine gute Streitkultur war uns ebenfalls ein Anliegen. Wir hoffen, dass wir zur Erhellung von aktuellen lokalen Ereignissen und zu Ihrer Unterhaltung etwas beitragen konnten.

Ein großes Dankeschön nicht zuletzt an alle Mitstreiter, Journalisten-Kollegen, Programmierer, technischen Betreuer, Grafiker, Anzeigenberater und Freunde, ohne die LichtenbergMarzahnPlus in den vergangenen sechseinhalb Jahren undenkbar gewesen wäre. Besonders:

Regina Friedrich, Klaus Teßmann (R.I.P.), Marcel Gäding, Andrea Scheuring, Kristina Niemann, Emmanuele Contini, Lutz Neumann, Lisa Shoemaker, Robert Schmidl, René Bogusch, Frank Lucas, Mike Abramovici.

Auch wenn für unser Baby, die Online-Zeitung LichtenbergMarzahnPlus, an dieser Stelle erst einmal Schluss ist und Abschied immer auch schmerzt – das Leben geht weiter und mit ihm auch die Berichterstattung über die beiden wirklich tollen Bezirke und ihre Menschen.

Gerne empfehlen wir das Bezirks-Journal für Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf unseres Kollegen und Freundes Marcel Gäding, mit dem wir seit August 2015 gleichberechtigt und freundschaftlich kooperierten. Die Zeitungen gibt es als Printausgaben und die Online-Variante profiliert sich auch gerade. Sie ist immer einen Klick wert.
Übrigens ist www.LichtenbergMarzahnPlus.de noch bis zum 31. Dezember 2020 online, wird aber ab jetzt nicht mehr aktualisiert.

Macht’s gut, Leute!

Birgitt & Volkmar Eltzel


Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

  1. Wir haben fertig
  2. Herzlichen Dank für die sehr gute Berichterstattung in den vergangenen Jahren. Sie sind für mich immer eine sehr gute Informationsquelle gewesen und auch ansonsten kluge Wegbegleiter. Allen viel Erfolg bei weiteren Vorhaben und viel Gesundheit.
    Dr. Uwe Wollmerstädt
    Berlin-Marzahn

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden