Zeltlager im Naturschutzgebiet und Landschaftsschutzgebiet geräumt

Wilden Campern auf der Spur

15.06.2020, Volkmar Eltzel

Fotos: Bezirksamt Lichtenberg (1-2), Volkmar Eltzel (3-7). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Malchow. „Ja auf dem eingezäunten Gelände sind oft Leute, die zelten“, erzählt ein älterer Herr auf dem Wartenberger Weg vor dem Naturschutzgebiet Malchower Aue. „Jeder kann rein, das Tor ist nicht abgeschlossen. Sie können ja mal nachsehen“, fügt er hinzu. Die viel befahrene Straße ist der tägliche Einkaufsweg des Rollstuhlfahrers zum Supermarkt. Er wohnt in der Nähe und kennt sich offenbar gut aus. „Die vom Malchower Pferdehof machen da immer Heu“, ruft er noch im Wegfahren.

Leichter Zugang zu eingezäuntem Privatgrund

Wir schauen nach und tatsächlich: Wenige Meter entfernt gibt es eine Zufahrt. Das zweiflügelige Tor wird nur von einem kleinen Stück Draht zusammen gehalten. Ein Schloss würde auch wenig Sinn machen, denn gleich daneben klafft ein großes Loch im Zaun, durch das man bequem auf einen Weg gelangt. Nach kurzer Strecke endet er auf einer grünen Wiese. Mehrere Teile des über 22 Hektar großen Gebietes sind eingezäunt und in Privatbesitz. Der Großteil der Flächen hat keinen Zaun und gehört dem Bezirk Lichtenberg.

Hartes Vorgehen gegen Naturzerstörer

An diesem Tag finden wir keine wilden Camper im Naturschutzgebiet. Natürlich bleiben wir beim Spaziergang auf den öffentlichen Wegen, so wie es vorgeschrieben ist. Saftige Wiesen, Gebüsch und Baumgruppen wechseln einander ab. Feuchtbiotope Moore und kleine Pfuhle jenseits der Pfade lassen sich durch dichtes Grün nur erahnen. Ein kleines Refugium der Natur am Rande der Großstadt. Es zu bewahren liegt im Verantwortungsbereich von Lichtenbergs Bezirksstadtrat Martin Schaefer (CDU), zuständig unter anderem für Öffentliche Ordnung und Umwelt.

„Campen im Naturschutzgebiet das geht überhaupt nicht“, sagt der Stadtrat. „Und auch im Landschaftsschutzgebiet Falkenberger Krugwiesen (LiMa+ berichtete) ist es strikt verboten“, fügt er mit Nachdruck hinzu. Denn auch dort sei vor einigen Monaten ein ähnlicher Vorfall festgestellt worden. Manchmal stünden mehrere Zelte an einem Ort, oft nur eines. Im Bezirksamt gebe es Null Toleranz gegenüber wilden Campern. Das Umwelt- und Naturschutzamt geht in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt und der Polizei hart gegen diese Gesetzesverstöße vor. Es drohen hohe Bußgelder.

Dauerhafte Lösung steht noch aus

„Das sind keine Naturfreunde“, ergänzt Conrad Masius, Leiter des Lichtenberger Umwelt- und Naturschutzamtes. „Sie zertrampeln die Wiese, holzen Bäume und Sträucher für ihre Feuerstellen ab und hinterlassen einen großen Haufen Müll“, ärgert er sich. Das sei kriminell. Doch bislang konnte keiner der Umweltsünder auf frischer Tat ertappt und gestellt werden. Man sei ihnen auf der Spur, sagt Conrad Masius. Offenbar handele es sich weder um obdachlose noch um geflüchtete Menschen oder um Berlin-Touristen. Vieles deute darauf hin, dass die wilden Camper aus der Umgebung stammten.

Ein Bürger hatte die Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) schon im Februar auf die Zeltlager in der Malchower Aue und auf den Falkenberger Krugwiesen aufmerksam gemacht. Zunächst verzögerten sich die Beräumungen, da die Eigentümer privater Flächen erst einmal ausfindig gemacht und kontaktiert werden mussten. Sie sollten eigentlich dafür Sorge tragen, dass auf ihren Grundstücken die gesetzlich vorgeschriebenen Regeln eines Naturschutzgebietes eingehalten werden. Zwei Zeltlager wurden dann auch beseitigt. Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Wie Martin Schaefer informiert, sei inzwischen in der Malchower Aue ein neues illegales Camp entstanden. Es soll ebenfalls schnellstmöglich beräumt werden. Der Bezirksstadtrat befürchtet, dass in dem von den Wegen schwer einsehbaren Gebiet weitere unvernünftige Menschen Lager aufschlagen könnten, wenn nicht entschieden gehandelt wird. Eine zufriedenstellende dauerhafte Lösung sei jedoch noch nicht in Sicht.


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