Captain Kirk ignoriert einfach Mister Sulus Computereingaben

Wenn der Personalausweis abläuft

04.08.2019, Volkmar Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Schon wieder sind zehn Jahre rum. Im August sind sie entschwunden, wer weiß wohin. Auf dem Personalausweis steht eindeutig: Gültig bis 22. August 2019. Blick auf das Passfoto, anschließend in den Spiegel. „Eigentlich gar nicht verändert“, denkt er, kramt im Schreibtisch – und siehe da – es finden sich sogar noch zwei Exemplare von damals. Doch neues Foto wie altes Foto für den Perso? Das könnte zu unnötigen Dissonanzen auf dem Bürgeramt führen, die eine Verzögerung und Neuvorstellung nach sich zögen. Muss man nicht haben, wo doch extra rechtzeitig und online der Termin reserviert wurde. Nun steht der Besuchstag beim Amt schon unmittelbar bevor.

Schöner Feierabend!

Also nach Feierabend schnell noch zum nächstgelegenen fixen Fotoautomaten. Der am Bahnhof Friedrichsfelde Ost soll es sein. Auf dem Bahnsteigzugang herrscht zum Berufsverkehr reges Treiben. Da ist ja die Box! (Für die Wartungsleute: Sie hat die Gerätenummer Y11Z.) Hinein, Vorhang zu. Der verdeckt gerade mal so das obere Drittel des Körpers. Draußen eilen gefühlt hunderte Menschen zur oder von der S-Bahn. Es ist laut. Intime Atmosphäre geht anders, aber egal. Also hingesetzt auf den weißen, runden Drehschemel, dessen Durchmesser so klein ist, dass sich der Hintern nicht für die Mitte entscheiden kann.

„Möchten Sie biometrische Fotos für den Personalausweis oder Pass, drücken sie hier | Möchten Sie andere Bilder, drücken Sie hier“, steht da. Vier Passfotos kosten 6 Euro (Vorkasse). 3 x 2 verschwinden im Schlitz. Ah, das eigene Konterfei erscheint auf dem Bildschirm und eine männlich klingende Stimme aus dem background gibt Anweisungen: “Setzen Sie sich gerade und aufrecht, sodass sich Ihr Gesicht in der ovalen Markierung befindet!” Während Captain Enterprise James T. Kirk weitere Befehle erteilt, dreht Mister Sulu hektisch den Steuermann-Schemel tiefer und lässt sich anschließend auf selbigen plumpsen. Aua!

Was soll denn das?

„Nehmen Sie Sonnenbrille und Kopfbedeckung ab! Halten Sie den Kopf gerade! Schauen Sie auf den Bildschirm! Blicken Sie neutral! Wenn Sie fertig sind, drücken Sie auf den Button!“
Gesagt, getan. „Bereit? Dann geht es jetzt los!“ – Klick. – Auf dem Schirm erscheint eine unbewegte Sulu-Kopie. Sie hat die Augen geschlossen, der Kopf ist schräg nach oben rechts gerichtet. Schemel war zu tief, Hintern zu links. „Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden? Dann drücken Sie auf die linke Taste! Andernfalls auf die rechte Taste!“ Rechts wird gedrückt für einen neuen Start. – „Vielen Dank! Ihre Fotos werden nun gedruckt. Entnehmen Sie die Bilder aus dem Schub außerhalb der Kabine!“

„Mist verfluchter!“, entfährt es Sulu. Draußen bleiben die Füße einiger junger Astronautinnen gefährlich dicht neben dem Raumschiff stehen. Irgendwo oberhalb der Beine ist ein Kichern vernehmbar. – „Haben die etwa…?“ So blitzschnell, wie der Steuermann hochfährt und die Luke aufreißt wird er wieder zum Vorhang beiseite-zerrenden Passbildkunden. – Nein, die Mädchen haben die Bilder nicht angerührt. Erschrocken und kopfschüttelnd ziehen sie von dannen.

Da stimmt doch was nicht!

„Dieses Foto-Ding bekommt nicht noch einmal mein Geld!“ Entnervt schaut der Gelackmeierte von außen auf die Kabine – und erstarrt. Dieses komische Zeichen im runden Teil des Firmenlogos ähnelt tatsächlich frappierend dem Innenteil vom Sternenflotten-Logo!! Nichts wie weg hier!

Nächster Halt – Bahnhofshalle Lichtenberg. „Au Backe, da steht das Schwesterschiff! Es ist auch vom Starfleet Command FOTO.FIX! Gerätenummer: F467. Jetzt muss er das Risiko eingehen und steigt ein. Doch diesmal geht alles gut. Auf den biometrischen Ausweisfotos sind die Augen offen, der Kopf gerade und das Face hat eine ausdruckslose Miene, so wie vom Staatswesen verlangt. Die Mission konnte erfolgreich abgeschlossen werden.

Irgendetwas scheint aber trotzdem mit den Bildern nicht zu stimmen. Die Person auf den Fotos für den Personalausweis von vor zehn Jahren sieht ganz anders aus! Blöde Automaten, von wegen künstliche Intelligenz!


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