Boulevard Kastanienallee: Picknick im Dezember

Weltrekord geknackt

19.12.2015, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

Hellersdorf. Bereits um 10 Uhr hatten am Freitag, 18. Dezember, die ersten Helfer angefangen, am Nachmittag war der längste Picknicktisch der Welt auf dem Boulevard Kastanienallee aufgebaut. Gegen 16 Uhr Uhr stand fest: Hellersdorf hat mit einem exakt 173,54 Meter langen Tisch dem Nordseebadeort St. Peter Ording (155,9 Meter) den Weltrekord abgejagt – und wird damit ins Guinnessbuch der Rekorde kommen. Zuvor hatten der ehrenamtlich arbeitende Vermesser Christian Heller und ein Kollege von der Marzahner Firma Heller-Pateisat die aus 504 Teilen bestehende Konstruktion millimetergenau mit einem elektrooptischen Gerät zweimal vermessen und dann unter dem Jubel des Publikums verkündet: „Rekord geschafft!“

Amtlich erst nach Eintragung
Amtlich ist der Rekord allerdings erst dann, wenn das Ergebnis eingetragen ist. Laut Tobias Mosbach vom Verein Kids & Co, der die Bauarbeiten auf dem Boulevard leitete, wird die offizielle Anerkennung noch sechs bis acht Wochen dauern. Denn jeder Rekordversuch wird genauestens geprüft ehe er in die Mutter aller Skurrilitäten-Sammlungen (das Guinnessbuch wurde 1955 erstmals aufgelegt) aufgenommen wird. Deshalb mussten nicht nur Vermesser tätig werden, sondern das Ergebnis wurde auch durch zwei Zeugen bestätigt. Zudem drehte ein Filmteam vor Ort eine erforderliche Dokumentation des Weltrekords.

Nachbarn teilten mit Nachbarn
Obwohl es am Morgen noch so aussah als müsste man Schwimmanzüge mitbringen, hatte der Nieselregen glücklicherweise am Mittag aufgehört. Viele Bewohner des Quartiers, darunter Menschen aus der Flüchtlingsunterkunft Carola-Neher-Straße, aber auch Helfer aus anderen Teilen des Bezirks kamen, um den Weltrekordversuch live zu erleben. Danach nahmen sie an der langen Tafel Platz, um ein Picknick zur Adventszeit zu veranstalten. Teller mit Weihnachtskeksen und Naschereien spendete Kids & Co. Aber auch andere Teilnehmer hatten verschiedene Speisen mitgebracht, um sie mit den Nachbarn zu teilen. Am Rande des Tisches gab es eine Bühne, auf der auch eine Kindertanzgruppe aus der Flüchtlingsunterkunft auftrat.

„Ausdruck von Gemeinschaftsgefühl“
Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) sagte, er sei froh darüber, dass das am 6. November gestartete Projekt so viele Menschen zusammen und im wahrsten Sinne des Wortes an einen Tisch gebracht habe. „Das ist ein Ausdruck von Gemeinschaftsgefühl und gelebter Nachbarschaft im Bezirk.“

Idee zweier Hochschulen
Der geglückte Weltrekordversuch geht auf eine Idee der Alice-Salomon-Hochschule und der Hochschule Anhalt zurück (LiMa+ berichtete), die gemeinsam mit Kids & Co realisiert wurde. Gefördert mit 10.000 Euro wurde sie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie – leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit.“ Die Eintragung ins Guinnessbuch der Rekorde wird durch eine Spende der Deutsche Wohnen AG, der die meisten Wohnungen und Gewerbeeinheiten im Kiez gehören, ermöglicht. Diese steuerte 5.000 Euro zum Projekt bei.

Auch nächstes Jahr im Einsatz
Die Tischteile, von denen es immer mindestens zwei braucht, damit sie stehen, sollen auch im nächsten Jahr zum Einsatz kommen. Dann wird man sie ausleihen können, um gemeinsam am Boulevard Kastanienallee sitzen zu können – ob zum Picknick, zum Spielen oder auch nur für einen gemeinsamen Kaffeeklatsch, sagt Tobias Mosbach. Und wer mitgebaut hat, kann sich auch drei Teile nach Hause mitnehmen – für den Garten oder den Balkon.

 

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