Drinnen + draußen

Zwischenlager Rosenbeet

10.05.2020, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

Meine elektrische Zahnbürste befindet sich jetzt im Rosenbeet. Direkt neben einem Gartenzwerg aus schlichtem, grauen Beton. Ein Zwischenlager. Dass sie in der Erde steckt, hat einen Grund: Sie hat sich nicht an die Gebote für ihre Betriebsamkeit gehalten. Denn sie setzte sich immer wieder ohne Aufforderung in Gang.

Nächtliche Geräusche

Das erste Mal geschah das vor knapp zwei Wochen. Kurz nach Mitternacht ertönte plötzlich ein Geräusch im Bad. Es war als ob sich dort ein Bohrer drehte: Rrrr, rrrrr, rrrrrch. Pause. Rrrrrrr, rrrrr, rrrrrrcchhh… Aus dem Schlaf geschreckt, ging es an die Ergründung der Ursache. Der Rauchmelder, die Waschmaschine? Eine Bombe? Schlaftrunken ertappte ich die Übeltäterin. Der war es anscheinend langweilig geworden. Nur dreimal am Tag arbeiten? Rrrr, rrrrr, rrrrrrrchchchch… Kein Problem, wozu gibt es einen Aus-Schalter?.

Endlich Ruhe!

Doch Pustekuchen, der ließ sich nicht mehr bewegen. Die Bürste setzte sich weiterhin immer wieder selbstständig in Gang. Zunächst wurde das Ding deshalb im Schrank unter dem Waschbecken versenkt. So war der Lärm wenigstens gedämpft. Weitere Hoffnung: Die Batterie könnte sich dabei entladen. Aber auch am nächsten Tag wurde weitergearbeitet. Nichts half, nicht einmal das gewaltsame Aufbrechen der Hülle. Rrrrr, rrrrrrr, rrrrrrchchch. Also wurde das Innenleben mitsamt seiner Elektronik ins Rosenbeet gesteckt. In Gesellschaft des stummen Betonzwergs kam das Gerät endlich zur Ruhe.

Ein wenig wie die Sache mit Furby

Ein wenig erinnert mich das an die Sache mit Furby. Kennt einer noch dieses Spielzeug der 1990er-Jahre? Das Plüschtier konnte nicht nur gestreichelt werden und sich bewegen, sondern auch Töne aller Art von sich geben. Irgendwann hörte es nicht mehr auf zu sprechen. Das stetige Furbisch nervte nicht nur seinen kindlichen Besitzer, sondern die gesamte Familie. Doch die Reset-Taste funktionierte nicht. Was also tun? Furby wurde im Keller versteckt, in einer ganz finsteren Ecke. Dick eingemummelt in einem Tuch. Da müsste er eigentlich noch heute liegen, quasi als Furby-Mumie. Wir haben lange nicht nachgeschaut. Vielleicht beim nächsten Aufräumeinsatz.

Vielleicht finden wir ja auch das Tamagotchi

Dabei könnten wir auch noch ein Tamagotchi finden, ebenfalls ein beliebtes Spielzeug aus den 1990ern. Das virtuelle Küken im Ei wurde allerdings nicht wegen ständigem Plappern entsorgt. Es verstarb, weil es schlicht zu wenig Zuneigung seines Halters fand. Fehlende Streicheleinheiten und zu wenig (virtuelle) Nahrung machten ihm den Garaus. Nun ist endlich Zeit für die letzte große Reise. Im BSR-Recyclinghof kann es dann gemeinsam mit Furby und Zahnbürste zur ewigen Ruhe gebettet werden. Aber nur, wenn wir endlich mal unseren schon lange gehegten guten Vorsatz zum Entrümpeln in die Tat umsetzen.

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