Notunterkunft für obdachlose Menschen wird Anfang 2020 fertig

Weihnachten im Obdachlosen-Camp

19.12.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Rummelsburg. Die Probleme der Menschen ohne festes Obdach, die zwischen der Rummelsburger Bucht und der Hauptstraße in provisorischen Zelten und zusammengezimmerten Hütten campieren, sind im Vergleich zum Dezember 2018 größer geworden. Denn es sind mehr Menschen dort. Aus Ofenrohren an den Holzverschlägen dringt Rauch. Es riecht nach verbranntem Holz. Das Areal gleicht einem Slum. Nein, es ist ein Slum! Rund 160 Menschen leben im größten Obdachlosen-Camp Deutschlands in erbärmlichen Verhältnissen. Im September waren es noch etwa 40.

Senat und Bezirk in der Verantwortung

Wie die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales am Dienstag, 17. Dezember, mitteilte, habe man mit Trägern der Wohnungslosenhilfe Angebote für die obdachlosen Menschen diskutiert und erste gemeinsame Lösungen gefunden. „Diese eröffnen den Betroffenen Perspektiven zum Verlassen des Grundstücks.“

Birgit Monteiro (SPD), Stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Lichtenbergs und Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Soziales, Wirtschaft und Arbeit, hatte zu dem Gespräch ins Lichtenberger Rathaus eingeladen. In einem am 12. Dezember mit großer Mehrheit angenommenen Dringlichkeitsantrag der Fraktion der SPD auf der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg wurde das Bezirksamt ersucht, unterstützende Angebote für die Wohnungslosen zu finden, „so dass Gefährdungen durch Kälte verhindert werden.“ In dem Beschluss wird betont, dass ebenso der Senat als Grundstückseigentümer „sowie als Zuwendungsgeber und Koordinator für die Kältehilfe im Land Berlin“ seiner Verantwortung nachkommen müsse.

Zweite Reaktivierung als Notunterkunft

In der Meldung der Senatssozialverwaltung heißt es, man treffe „Vorkehrungen“ für die „kurzfristige Herrichtung“ der leerstehenden ehemaligen Notunterkunft für geflüchtete Menschen an der Köpenicker Allee in Karlshorst. Auf dem einstigen Telekom-Grundstück waren 2015 etwa 1.000 Menschen aus 21 Nationen untergebracht (LiMa+ berichtete). Im April 2018 hatte das Provisorium eigentlich ausgedient und wurde geschlossen. Die Geflüchteten konnten in Unterkünfte mit besseren Bedingungen umziehen.

Nun also sollen die Gebäude an der Köpenicker Allee 146-162 erneut reaktiviert werden und den obdachlosen Menschen von der Rummelsburger Bucht vorübergehend ein Dach über dem Kopf bieten. Ironie des Schicksals: Das kommunale Wohnungsunternehmen Gewobag hatte das Areal für den Wohnungsbau auserkoren.

Lichtenberg bezahlt Kältehilfe

Wie die Senatsverwaltung informiert, soll die Unterbringung „im Rahmen der bezirklich finanzierten Kältehilfe erfolgen“. Ein weiteres Grundstück in der Marktstraße werde geprüft, ob es sich für die Unterbringung eigne. Welche finanzielle Verantwortung das Land übernimmt, dazu gab es keine Information. Berlin ist Eigentümer des Grundstückes 8121 an der Rummelsburger Bucht (weitere Teile des Areals sind in privater Hand).

Warm und trocken Anfang 2020

Immerhin bekommen die obdachlosen Menschen vom Camp an der Rummelsburger Bucht das Angebot, den Winter in einem beheizten Gebäude zu verbringen und weitere Angebote des Hilfesystems für Wohnungslose wahrzunehmen. Es soll eine Tagesbetreuung mit professioneller Sozialberatung geben. „Die gewonnene Zeit kann zur Klärung von Leistungsansprüchen und die Vermittlung in andere Hilfsangebote genutzt werden.“ Die Notunterkunft an der Köpenicker Allee soll Anfang 2020 bezugsfertig sein. Schon jetzt stünden den Obdachlosen der Rummelsburger Bucht aber freie Plätze in den Notübernachtungen der Kältehilfe zur Verfügung, informiert die Senatsverwaltung.

Problem lange bekannt

In Berlin gibt es derzeit 1.145 Plätze für Notübernachtungen, 885 davon sind belegt. Die Zahlen schwanken von Tag zu Tag. Dass die Menschen an der Rummelsburger Bucht ein Problem haben, übrigens nicht nur diejenigen ohne Wohnung, ist schon lange bekannt. An einer Lösung scheint jedoch erst seit kurzem ernsthaft gearbeitet zu werden. Warum saßen eigentlich nicht einige der betroffenen Obdachlosen mit am Tisch, als über ihre Zukunft diskutiert wurde? Wollen sie das neue Angebot überhaupt? Und was, wenn nicht?

Nachtrag:
Ein Leser machte LiMa+ darauf aufmerksam, dass es an der Rummelsburger Bucht zwei Camps gebe: Zum einen das Camp der obdachlosen Menschen; zum anderen die Wagenburg “Sabot Garden”. Sie sei errichtet worden, um gegen die Bebauungspläne, die auf dem Areal Wohnungsbau und die Corel World vorsehen, zu protestieren und einen Baubeginn zu verhindern.


Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden