Vom Kaulsdorfer Busch direkt in den Wasserhahn

Wasserwerk Kaulsdorf wird 100

14.03.2016, Marcel Gäding

Fotos: Linna Schererz (1), Marcel Gäding (2-5)

Kaulsdorf. Nein, hier drinnen sieht man ihm sein Alter nun wirklich nicht an, dem 100 Jahre alten Wasserwerk Kaulsdorf: In einer großen Halle stehen zwölf moderne Filter aus Edelstahl, darüber führt eine Plattform für die Wartung und Reinigung. Wer jetzt aber nach historischen Relikten sucht, der wird kaum fündig. Nur die original erhaltene und sanierte Eingangshalle, die Fenster zwischen der Haupthalle und dem einstigen Dieselpumpenraum und kleine, aus den Anfangsjahren erhaltene Wasserzapfstellen sowie die historische Fassade vermitteln einen Hauch von Industriegeschichte. Ganz klar, dieses Wasserwerk ist kein Museum. Bis heute befindet es sich im Dienst der Berliner Wasserbetriebe und versorgt bis zu 160.000 Menschen in Mahlsdorf, Biesdorf und Hellersdorf.

Viertes Wasserwerk der Stadt Lichtenberg
Im März 1916 ging das Wasserwerk Kaulsdorf ans Netz – als viertes der noch jungen Stadt Lichtenberg. Nach der Liste der Gedenktage des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf wurde es offiziell am 2. August 2016 in Betrieb genommen. Der Bedarf an frischem Trinkwasser war in der wachsenden Metropole groß – und so kaufte Lichtenberg ein 60 Hektar großes Areal im Kaulsdorfer Busch, wie der Autor Hilmar Bärthel in seinem Beitrag „Das Wasserwerk Kaulsdorf“ schreibt, das im Buch „Die Denkmale in Berlin Bezirk Marzahn-Hellersdorf“ erschienen ist. Bereits damals konnte das Wasserwerk 16.000 Kubikmeter Wasser aufbereiten. In den 1970er-Jahren betrug die tägliche Fördermenge Bärthel zufolge sogar 65.000 Kubikmeter. Im Gegensatz zu anderen Wasserwerken wurden in Kaulsdorf alle Funktionen in ein Gebäude gepackt. Statt Dampfmaschinen kamen zudem Dieselmotoren zum Einsatz, berichtet Elke Wittstock, die Leiterin des Wasserwerks in Friedrichshagen. Von Anfang an setzte man in Kaulsdorf auf sogenannte Heberbrunnen, aus denen das Wasser über Pumpen in die Filter des Wasserwerks gelangt. Über die Jahrzehnte wurde die Technik jedoch immer wieder auf den neuesten Stand gebracht, das Gebäude des Wasserwerks zudem denkmalgerecht saniert.

Aus Grundwasser gewonnen
Unverändert ist bis heute, dass das Trinkwasser in Kaulsdorf aus Grundwasser gewonnen wird. Das erklärt, warum sich der Habermannsee und der Butzsee sowie die Gegend um die Seen in einer Schutzzone befinden. In 16 bis zu 60 Meter tiefen Vertikalbrunnen wird das Grundwasser gesammelt, ins Wasserwerk gepumpt, dort belüftet, und schließlich im Filter von Mangan und Eisen befreit. „Andernfalls käme beim Kunden braunes Wasser aus der Leitung“, sagt Elke Wittstock. Nach der Aufbereitung gelangt das Wasser ins Netz der Wasserbetriebe. Derzeit schafft das Werk eine maximale Leistung von 30.000 Kubikmetern am Tag. Was nicht direkt von den Haushalten verbraucht wird, geht weiter ins Zwischenpumpwerk nach Lichtenberg an der Landsberger Allee. In der Regel arbeiten im Wasserwerk zwei Mitarbeiter der Wasserbetriebe. Alle Anlagen werden nämlich vom Wasserwerk Friedrichshagen aus ferngesteuert. Moderner Technik sei dank werden auf Computerbildschirmen unter anderem Fördermengen, Förderdruck und Messwerte übertragen.

Berliner Wasser kommt aus 650 Brunnen
Ein Viertel des Berliner Stadtgebiets ist Wasserschutzgebiet. Die Schutzzonen bilden gleichzeitig einen wichtigen Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Das Trinkwasser der Hauptstadt kommt nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe aus 650 Grundwasserbrunnen. Neun Wasserwerke bereiten jährlich 202 Millionen Kubikmeter Wasser auf, das über ein 7.900 Kilometer langes Rohrnetz zu den 292.000 Hausanschlüssen in Berlin gelangt.

Die Kaulsdorfer Seen gehören zum Einzugsgebiet des Wasserwerks Kaulsdorf. Derzeit wird ein 23 Hektar großer Wald so umgestaltet, dass Biotope erhalten bleiben. Unter anderem leben dort Drosselrohrsänger, Zwergtaucher und Wechselkröten. Unter anderem sollen der Habermannsee und der Butzer See vertieft werden.

Weitere Informationen im Internet:
www.bwb.de

 

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