Keine Swimming Dogs im BVG-Bad Siegfriedstraße

Was wird aus der Ruine?

02.04.2015, Birgitt Eltzel

Fotos: Emmanuele Contini

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. Natürlich haben Sie, liebe Leser, es ziemlich schnell gemerkt: Der Plan eines Freibades für Menschen und Hunde war dem Veröffentlichungsdatum unseres gestrigen Berichtes geschuldet. Wohl nur zum 1. April kann man auf eine solche Idee kommen. Und dass der Plan auch vom Noch-Bäderchef Ole Bested Hensing unterstützt wird, erscheint doch von vornherein abwegig, oder? Um es kurz zu machen: Es gibt zwar Strände fürs Hundeschwimmen (Dog Swimming) rund um Portland (Oregon, USA), aber keinen Verein Swimming Dogs in Berlin, der das seit Jahren vergammelnde BVG-Bad wieder nutzbar machen will. Eigentlich schade.

Im Dornröschenschlaf
Denn das gemeinsam mit dem BVG-Stadion in den 1920er-Jahren erbaute Freibad mit 50-Meter-Becken und Sprungturm sowie Sozialgebäuden ist seit mehr als 25 Jahren eine Ruine. Weil es ziemlich gut versteckt zwischen dem Stadion und dem Landschaftspark Herzberge im Dornröschenschlaf liegt, ist es in den vergangenen Jahren aus dem Bewusstsein gerückt. Dabei haben Generationen aus dem früheren Bezirk Lichtenberg (inklusive Marzahn und Hellersdorf) dort ihre Freizeit verbracht oder sind Wettkämpfe geschwommen. Ende der 1960er/70er-Jahre war das nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr genutzte Bad wieder in Ordnung gebracht worden und diente als Sommervolksbad bis in die späten 1980er-Jahre.

Nie im Eigentum der BVG
Im Volksmund wurde es immer als „BVG-Bad“ bezeichnet. Allerdings gehörte es zu keiner Zeit der BVG, wie Unternehmenssprecherin Petra Reetz sagt: „Die BVG war nie ins Grundbuch eingetragen.“ Eigentümer ist der Bezirk Lichtenberg, genauer der Bereich Sport. Die zuständige Stadträtin Kerstin Beurich (SPD) bestätigt das: „Das Bad gehört zu unserem Fachvermögen, es gibt aktuell jedoch keine perspektivischen Planungen. Das Bad ist in seiner Substanz leider nicht mehr zu retten und müsste komplett abgerissen werden.“ Die Kosten dazu seien noch nicht ermittelt, würden sich aber wohl im Bereich von mehr als 500.000 Euro bewegen. Durch den jahrelangen Einsatz von Chlor sei zusätzlich von einer Bodenverunreinigung auszugehen. Die Mittel habe der Bezirk nicht, weil er lieber in die Ertüchtigung der bestehenden Sportanlagen investieren wolle, so Beurich. „Gute Ideen sind natürlich immer willkommen, auch wenn deren Realisierung immer unter dem Vorbehalt der Finanzierung steht.“

Ernsthafte Prüfung wert
Wenn die von uns ins Spiel gebrachte Idee einer Plansche für Mensch und Hund auch ziemlich abwegig erscheint, wie wäre es denn damit: Ein gemeinsames Sommerbad für die Bezirke Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf? Dafür müsste nicht einmal der Bebauungsplan geändert werden. Und eher als ein nur schwierig zu verwirklichendes Spaßbad im Tierpark könnte das Projekt wohl auch realisiert werden – wenn die Bezirke gemeinsam investierten und sich Partner wie die Bäderbetriebe und private Investoren an Bord holten. Nur die Nachwehen eines Aprilscherzes? Wir glauben jedenfalls, dass der Vorschlag eine ernsthafte Prüfung wert ist. Kommunalpolitiker, übernehmen Sie!

 

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