In Marzahn Nordwest sind Gemeinschaften entstanden. Aber:

Was bleibt vom Quartiersmanagement?

25.09.2018, Sabine Flatau

Fotos: Sabine Flatau. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn Nordwest. Eine Drogerie fehlt im Stadtteil, ebenso ein Schwimmbad. Diese Mängel haben Anwohner bei einer Befragung im Sommer 2018 genannt, die vom Quartiersmanagement Marzahn Nordwest durchgeführt wurde. Kritisiert wurden auch der Hundekot auf Gehwegen und Plätzen, der öffentliche Alkoholkonsum zum Beispiel im Clara-Zetkin-Park und, dass das Wohnungsunternehmen degewo die Müllschlucker in seinen Häusern abgebaut hat. 201 Anwohner gaben den Quartiersmanagern Antwort auf ihre Fragen. Als Positives im Stadtteil nannten sie das viele Grün und die Ruhe, die gute Verkehrsanbindung, günstige Mieten und die Vielzahl der Spiel- und Sportplätze. Die Ergebnisse der Befragung sind bei der Stadtteilversammlung Ende August vorgestellt und diskutiert worden. Auch Vertreter der Wohnungsbaugesellschaften nahmen teil. Initiativen und Einrichtungen aus Marzahn Nordwest waren dabei, darunter der Quartiersrat, der Bürgerstammtisch, die Initiative „Gemeinsam statt einsam“ und die Elterninitiative. „Es war eine gelungene Veranstaltung“, sagt Quartiersmanager André Isensee. „Wir haben hier eine aktive Bürgerschaft.“

Förderung „Soziale Stadt“ läuft aus

Das Quartiersmanagement hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von sozialen Projekten auf den Weg gebracht. Doch die Zeit der intensiven finanziellen Förderung durch das Programm „Soziale Stadt“ läuft Ende des Jahres für Marzahn Nordwest aus, gemäß der Ankündigung aus dem Senat. Das Büro mit den Quartiersmanagern an der Havemannstraße bleibt noch bis Ende 2020 bestehen. Ein kleiner Fonds mit je 10.000 Euro steht für 2019 und 2020 zur Verfügung, damit ehrenamtliche Aktionen unterstützt werden können. In den kommenden zwei Jahren sollen Bedingungen geschaffen werden, damit die erfolgreichen Projekte und Netzwerke aus der Quartiersmanagementzeit mit Unterstützung des Bezirks auch in Zukunft weiterlaufen können. Quartiersmanager André Isensee beschäftigt sich jetzt mit der Frage: Welche Ressourcen brauchen die Initiativen im Stadtteil, um ihre Arbeit weitermachen zu können? Der 37-Jährige entwickelt im September dazu einen Aktionsplan. Die Bezirksverwaltung und der Quartiersrat sehen sich den Plan an, bevor er an den Senat geht.

„AlköR“ muss bleiben

Eines der Projekte, die auch in Zukunft weitergeführt werden sollten, ist „AlköR“. Es begann bereits 2014 und wurde 2016 ausgeweitet. Zwei Straßensozialarbeiter suchen die Menschen auf, die Alkohol auf öffentlichen Plätzen konsumieren, auch die Gruppe der Trinker im Clara-Zetkin-Park. Es sei dringend nötig, diese Arbeit fortzusetzen, sagt Quartiersmanager Isensee, der seit zwei Jahren in Marzahn Nordwest arbeitet. „Denn das Problem bleibt.“ Auch das Angebot „Bliq“, Bewegtes Leben im Quartier, sollte es weiterhin geben, meint der 37-Jährige. Winterspielplätze und Sportaktionswochen wurden in diesem Rahmen finanziert. Kinder, Jugendliche und Familien sind dabei von Trainern angeleitet worden.

SPD will Fortsetzung des Quartiermanagements

Doch es gibt auch die Forderung, das Quartiersmanagement in Marzahn Nordwest fortzusetzen. Die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung hat diesen Antrag gestellt. Die Begründung: Nach wie vor gelte der Stadtteil, in dem mehr als 24.000 Menschen leben, als Ballungsraum verschiedener Herausforderungen wie Kinderarmut und Transferleistungsbezug. „Die Förderkulisse Soziale Stadt hat der Bevölkerung in den vergangenen Jahren wichtige Ressourcen zur Verfügung gestellt“, heißt es im Antrag. Die soziale Lage vor Ort weise darauf hin, „wie wichtig auch präventive Angebote der sozialen Infrastruktur sind und welchen nachhaltigen Beitrag sie leisten können.“ Der SPD-Antrag wird im September im Ausschuss für Stadtentwicklung diskutiert.

Die Bewohner helfen einander

Seit André Isensee nach Marzahn Nordwest gekommen ist, hat er sich intensiv im Stadtteil umgesehen. Aufgefallen ist ihm die Vielfalt von spontanen Aktionen und Initiativen. Bewohner der Ahrensfelder Terrassen haben Keller zusammengelegt und nutzen sie in der Freizeit als Gemeinschaftsraum. In den heißen Sommertagen stellten Anwohner eines Hofs mehrere Wasserbassins auf, zum Planschen für die Kinder. In einem anderen Hof sah der Quartiersmanager, dass einige wenige Mütter und Väter nicht nur auf die eigenen, sondern auf 20 bis 30 spielende Kinder Acht gaben. Eltern am Belziger Ring, die der schlechte Zustand ihrer Grünfläche störte, packten selbst an und machten sauber. Auch der Einkauf für gehbehinderte Nachbarn ist üblich. „Hochgradig erstaunlich“, sagt André Isensee zu dem, was er gesehen hat. Er empfehle allen, die im Bereich Bürgerbeteiligung tätig sind, „rauszugehen, in die Höfe, und mit den Menschen direkt ins Gespräch zu kommen.“

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden