Gedenken an die Verschleppung von Sinti und Roma

Von Marzahn in den Tod

14.06.2014, Klaus Tessmann

Fotos: Andrea Scheuring (1-5), Klaus Tessmann (6,7)

Marzahn. Anlässlich des 78. Jahrestages der Verschleppung der Berliner Sinti und Roma in das NS-Zwangslager Marzahn, lädt die Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, Petra Rosenberg, am Sonntag, 15. Juni, um 12.30 Uhr zu einer Gedenkstunde am Ort der Erinnerung und Information auf dem Otto-Rosenberg-Platz ein. Grußworte halten der Staatssekretär der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Bernd Krömer, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde der Stadt Brandenburg/Havel e.V., Feliks Byelyenkov, und der Vorsitzende des Ökumenischen Forums Berlin-Marzahn e.V., Ernst-Gottfried Buntrock. Die Gedenkrede hält der Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf, Stefan Komoß (SPD). Die musikalische Umrahmung übernimmt Karsten Troike & sinti swing Berlin. Im Anschluss daran folgt eine Kranzniederlegung auf dem nahe gelegenen Parkfriedhof Marzahn. Das Gebet spricht der Direktor des Don-Bosco-Zentrums, Pater Albert Krottenthaler.

Olympia 1936 “zigeunerfrei”
Der Ort der Erinnerung, nahe dem Parkfriedhof gelegen, wurde im Dezember 2011 eingeweiht. An dieser Stelle war vor 78 Jahren der „Zigeunerrastplatz Marzahn“ eingerichtet worden. Nach dem Willen der Nationalsozialisten sollte bis zu den Olympischen Spielen 1936 die Reichshauptstadt Berlin „gesäubert“ sein, diese sollte bei Olympia „zigeunerfrei“ sein.

Dunkle Seite deutscher Geschichte
Heute erinnern die Otto-Rosenberg-Straße und der Otto-Rosenberg-Platz an diese dunkle Seite der deutschen Geschichte. Otto Rosenberg (1927 – 2001) gehörte zu den wenigen Menschen, die das Zwangslager überlebten. Die Straße und der Platz wurden vor sieben Jahren nach dem ersten Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der Deutschen Sinti und Roma benannt. Rosenberg war in Berlin aufgewachsen und kam wie viele andere Sinti und Roma in das Lager nach Marzahn. Nach dem Krieg engagierte sich Rosenberg in der SPD und im Verband der Sinti und Roma.

Vom „Rastplatz“ ins Vernichtungslager
Am 16. Juli 1936 wurden rund 600 Sinti und Roma aus allen Teilen Berlins unter Polizeibewachung in das Zwangslager nach Marzahn getrieben, das sie ohne Genehmigung nicht mehr verlassen durften. Darunter 114 schulpflichtige Kinder. Diese wurden aber nicht an der Marzahner Schule aufgenommen. Ende 1938 befanden sich auf dem Gelände 852 Sinti und Roma in Baracken und Wagen. Nach dem sogenannten „Auschwitz-Erlass“ des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, vom Dezember 1942 wurden „Zigeunermischlinge, Rom-Zigeuner und balkanische Zigeuner“ in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Im KZ Auschwitz-Birkenau erhielt der Barackenkomplex in der Nähe der Selektionsrampe und der Gaskammern den Namen „Zigeunerlager“. Dorthin wurden Sinti und Roma aus ganz Europa deportiert. Unter ihnen waren auch die meisten der Sinti und Roma aus Marzahn. Im Juli 1943 besichtigte Himmler dieses Lager und gab den Befehl zur „Vernichtung der Insassen“. Zuvor wurden aber noch alle Arbeitsfähigen ausgesondert. Das Lager in Marzahn wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört. Bei ihrem Einmarsch im April 1945 in Berlin fanden Soldaten der Roten Armee immer noch etwa 25 Personen vor, die dort in einer Baracke wohnten.

Open-Air-Ausstellung
An das Schicksal der Menschen im Zwangslager erinnert die Open-Air-Ausstellung mit zehn informativen Tafeln und umfangreichem Bild-/Textmaterial am Otto-Rosenberg-Platz. Auf dem Parkfriedhof gibt es Gräber für die Opfer der beiden Weltkriege, von Zwangsarbeitern und von Sinti und Roma vom „Zigeunerrastplatz Marzahn“. In rund 100 Gräbern sind dort Sinti und Roma bestattet, die in Marzahn zwischen 1936 und 1945 ums Leben kamen.

 

 

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