Der Vater der Digedags

09.11.2019, Klaus Tessmann

Foto: Klaus Tessmann

Karlshorst. Eine Gedenktafel vor der Haus Waldowallee 15 erinnert seit Freitag, 8. November, an den Vater der drei Digedags, Hannes Hegen. Der Grafiker Johannes Hegenbarth (1925 –2014) hatte unter diesem Namen in der Zeitschrift „Mosaik“ seine Geschichten um die drei Helden Dig, Dag und Digedag veröffentlicht.

Eine der populärsten Zeitschriften der DDR

Hannes Hegen, mit bürgerlichem Namen Johannes Eduard Hegenbarth, wurde am 16. Mai 1925 in Böhmisch Kamnitz, Tschechoslowakei, geboren. Nach seiner künstlerischen Ausbildung an der Hochschule für grafische Kunst in Wien und der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig arbeitete er als Zeichner u.a. für die Satirezeitschrift „Eulenspiegel“.  Er hatte die Idee für eine Kinderzeitschrift, die auf lustige Weise Wissen über die Geschichte vermittelt. So entstand eine der populärsten Zeitschriften der DDR. Das erste „Mosaik“  erschien im Dezember 1955. Zunächst kam das Heft nur vierteljährlich  auf den Markt und war immer sehr schnell vergriffen. Schon zwei Jahre später erschien das „Mosaik“ monatlich und war mit jeder Ausgabe ausverkauft.

Bildergeschichten, keine Comics

Die Hefte entstanden in Gemeinschaftsarbeit und waren vergleichbar mit den in dieser Zeit in Westeuropa verlegten Comics. Hegen legte allerdings großen Wert darauf, dass es Bildergeschichten sind. Ganze Generationen von Kindern und Jugendlichen erlebten mit den drei Kobolden Abenteuer in fernen Welten oder vergangenen Zeiten. Sie waren mit den Digedags in anderen Ländern, in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Die Leser flogen mit ihnen in den Weltraum oder reisten durch die Zeiten. Sie waren zu Gast bei den großen Erfindern der Weltgeschichte, gruben nach Erz in den Bergwerken des Erzgebirges, besuchten die Pharaonen und waren bei der Erfindung der Dampfmaschine dabei. Die Leser des „Mosaiks“ konnten auch die Fahrt mit der ersten Dampflok miterleben. Für viele Mädchen und Jungen waren die Bildergeschichten ein Anreiz, sich mehr für naturwissenschaftliche Fächer, für Geschichte oder Astronomie zu interessieren.

Atelier, Werkstatt und Wohnung

Für Hannes Hegen war die Waldowallee 15 nicht nur Wohnort, sondern zugleich auch Atelier und Werkstatt. Viele Berufsgruppen – von Zeichnern über Farbgestalter bis zu Textautoren  – arbeiteten dort zusammen. Das „Mosaik“ erschien zunächst im Verlag Neues Leben, ab 1960 im Verlag Junge Welt. Bis zum Ende der Digedags im Jahr 1975 erschienen insgesamt 223 Hefte mit den lustigen, aber auch lehrreichen Geschichten der drei Helden.

Museumsleiter war und ist Fan

Der Leiter des Museums Lichtenberg, Dr. Thomas Thiele, entpuppte sich als Fan der Digedags und hatte ein Heft aus seiner Sammlung zur Feierstunde mitgebracht. Prof. Bernd Lindner, Kulturhistoriker und Autor des Buches „Die drei Leben des Zeichners Johannes Hegenbarth“,  erinnerte an die Geschichte, wie Hannes Hegen zu seinem Wohnhaus in der Waldowallee gekommen ist. In den 1950er-Jahren stand es noch im Sperrgebiet der sowjetischen Militäradministration. Als diese aus Karlshorst wegzog und sich in Wünsdorf ansiedelte, konnte der Grafiker das Haus erwerben.

Im Jahr 1974 gab es Differenzen über die künftige Ausrichtung des „Mosaik“ zwischen dem Autor und dem Verlag, LiMa+ berichtete… Das letzte Mosaik mit den Geschichten der drei Digedags erschien im  Frühjahr 1975. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten Hegens ehemalige künstlerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die abgeworben worden waren, bereits an einer Zeitschrift gleichen Namens, die bis heute monatlich erscheint. Die Abrafaxe wurden die Nachfolger der Digedags, erreichten allerdings nie deren Popularität. Hannes Hegen begann 1975, damit seine Abenteuerserien in Buchform herauszugeben.

Ehrung anlässlich 5. Todestages

Der Grafiker ist am 8. November 2014 verstorben. Sein 5. Todestag war ein würdiges Datum, um an den Vater der Digedags zu erinnern. An der Ehrung nahmen der Sohn von Hannes Hegen, Rainer Kruppka, Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) und Manfred Becker  (SPD) von der Gedenktafelkommission der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg teil.


Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden