Mehr als 200.000 Quadratmeter Fläche für Firmenansiedlung verkauft

„Unvermindert große Nachfrage“

03.09.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Noch wird am Wirtschaftsbericht 2017 gearbeitet, der in den nächsten Wochen dem Bezirksamt und der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vorgelegt werden soll. Eine Tendenz ist jedoch schon jetzt zu erkennen: Der positive Trend setzt sich fort, sagt Marzahn-Hellersdorfs Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen übersteigt, wie bereits im Vorjahr, ganz klar die Zahl der Abmeldungen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,8 Prozent, die Beschäftigungsquote bei 9,8 Prozent – beides wesentlich besser als der Berliner Durchschnitt. LiMa+ sprach mit dem CDU-Politiker über Gewerbeansiedlungen, weiterhin große Nachfrage und zunehmende Flächenknappheit, Wohnen im Gewerbepark und die Entwicklung des CleanTech Business Parks, die vielen nicht schnell genug geht.

LiMa+: Wenn man länger nicht die Boxberger Straße entlanggefahren ist, reibt man sich die Augen: Firmengebäude reihen sich dort inzwischen aneinander, eins moderner als das andere…

Johannes Martin: Seit 2010 haben wir im Bezirk rund 200.000 Quadratmeter Flächen an Unternehmen für Ansiedlungen verkauft, darunter allein seit 2013 fast 192.000 Quadratmeter. Knapp 20 Hektar in fünf Jahren, das ist schon sehr ordentlich. Dabei haben sich große Unternehmensgruppen wie beispielsweise die Scansonic angesiedelt. Unternehmen, die in Marzahn-Hellersdorf groß geworden sind, wie Flexim GmbH und Fintech sind expandiert. Diese Unternehmen zählen auf ihren jeweiligen Gebieten zu den Weltmarktführern. Darüber hinaus hat es auch viele mittlere und kleinere Firmen in den Bezirk gezogen. Die Boxberger Straße hat sich in den letzten Jahren zu einem Hightech-Standort entwickelt.

LiMa+: Viel Platz ist dort inzwischen nicht mehr.

Johannes Martin: Das stimmt. Außerhalb des CleanTech Business Parks werden die Flächen langsam knapp, dort haben wir nur noch ein Flächenpotenzial von ca. 16 Hektar. Die Boxberger Straße ist weitestgehend voll, es gibt noch wenige kleinere Areale in der zweiten Reihe. Wir haben außerdem Flächen am Hornoer Ring, am Nordring und an der Bitterfelder Straße. Das sind vier bis fünf Grundstücke, die wir jetzt in Wert setzen.

LiMa+: Was bedeutet das?

Johannes Martin: Wir führen Baumaßnahmen zur Verbesserung der Bodenqualität durch. Am Hornoer Ring beispielsweise gibt es nach Altlasten, die weg müssen. Dann können wir auch diese Flächen an den Markt bringen.

LiMa+: Welche Firmen, welche Branchen fragen denn bei Ihnen an?

Johannes Martin: Am häufigsten Unternehmen aus der Logistikbranche. Da haben wir Anfragen en masse. Doch das ist etwas, wo wir sehr stark abwägen. Wir sind wirklich ein sehr industriefreundlicher Standort. Aber gerade im Logistikbereich wird viel Fläche benötigt, es entsteht eine schwierige verkehrliche Situation und es werden relativ wenig Arbeitsplätze geschaffen. Aufgrund der Flächenknappheit, die auch in Marzahn-Hellersdorf perspektivisch zu erkennen ist, müssen wir sorgsam mit den Arealen, die wir haben, umgehen. Wir haben die Verantwortung, innovative Unternehmen anzusiedeln, die der Stadt auch langfristigen Mehrwert bringen.

LiMa+: Viel Platz ist doch noch im CleanTech Business Park. Will dort niemand hin?

Johannes Martin: Gerade hatten wir dort den ersten Spatenstich für die Swissbit Germany GmbH, ein Unternehmen, das individuell angepasste nachhaltige und energieeffiziente Speichermedien für die Industrie entwickelt. Der Industriepark ist 90 Hektar groß und hat eine Entwicklungsperspektive von 15 Jahren. Die Verkaufsfläche, also die Fläche, auf der Ansiedlungen möglich sind, beträgt allerdings nur 60 Hektar. Der Rest sind Infrastruktur und Ausgleichsflächen. Wenn ich hochrechne, welche Fläche wir im Bezirk seit 2013 verkauft haben, 20 Hektar in fünf Jahren, müsste das zu schaffen sein. Hauptsache ist allerdings, dass das, was dort produziert wird, dazu beiträgt, die Probleme der Zukunft zu lösen.

LiMa+: Der CleanTech Business Park ist ausschließlich für grüne Industrien und Firmen mit dem Thema neue Mobilität gedacht?

Johannes Martin: Ja, wir nehmen dort nicht jeden. Auch für den CleanTech Business Park interessieren sich viele Logistikunternehmen. Wenn es nur darum ginge, Flächen loszuwerden, könnte man an sie verkaufen. Doch der Park wurde vom Bezirk und Senat mit der klaren Zielstellung entwickelt, grünen Industrien eine Chance zu geben. In diesem Bereich reden wir von Unternehmen, die zum Teil auch noch nicht ganz so lange am Markt sind und deshalb Herausforderungen haben, zunächst eine Finanzierungsgrundlage für den Aufbau einer Produktion herzustellen. Gerade solchen Unternehmen wollen wir aber Flächen bieten.

LiMa+: Im Wirtschaftsbericht 2016 stand, dass mit zwei Unternehmen Ansiedlungsverhandlungen geführt werden und vier weitere in der Vorbereitung dazu sind. Es gab aber bisher nur die Ansiedlung von Swissbit. Sind die anderen abgesprungen?

Johannes Martin: Ja, es gab Wechsel. Unternehmen haben Investitionsvorhaben aufgeschoben, weil sie die Finanzierung nicht sicherstellen konnten. Es gibt aber auch neue Unternehmen, mit denen wir aktuell sprechen. Die größte Ansiedlung betrifft eine Fläche von mehr als fünf Hektar. Das Projekt begleiten wir schon längere Zeit, aber auch dort ist die Sicherung der Finanzierung noch eine Schwierigkeit.

Lima+: Lichtenbergs Wirtschaftsstadträtin Birgit Monteiro will den US-amerikanischen Motorradbauer Harley-Davidson in den Nachbarbezirk holen. Haben Sie auch solche prominenten Wunschkandidaten?

Johannes Martin: Schon. Aber öffentliche Spekulationen helfen da nicht weiter. Wir setzen auf Unternehmen, die die Themen erneuerbare Energien und moderne Mobilität bespielen. Das müssen aber nicht unbedingt Promis sein. Schließlich betätigen sich auch viele gute Startups auf diesen Gebieten.

LiMa+: Der Bezirk will eine neue Verbindungsstraße zwischen dem Gewerbegebiet Beilsteiner Straße und dem Pyramidenring an der Landsberger Allee bauen. Vor kurzem wurde dort ein 53.000 Quadratmeter großes Grundstück von einem privaten Investor für mehr als 15 Millionen Euro ersteigert. Man hört, dass dieser dort Wohnungen bauen will…

Johannes Martin: Verkauft hat der Bund, das ganze Verfahren ist ungünstig gelaufen. Wohnungsbau an diesem Standort mitten im Gewerbegebiet ist unmöglich. Unabhängig davon wollen wir das gesamte Gebiet für Unternehmen weiter aufwerten. Die geplante öffentliche Straße, die auch eine Überführung über die Bahnstrecke bieten wird, wird das Gewerbegebiet an der Allee der Kosmonauten mit dem Gebiet am Pyramidenring verbinden und damit noch einmal einen Schub für die wirtschaftliche Entwicklung bringen. Sie soll mit Mitteln aus dem Programm Gemeinschaftsaufgabe zur Entwicklung der regionalen Wirtschaftsstruktur, kurz GRW genannt, in den Jahren 2020/21 gebaut werden.

LiMa+: Wenn am Pyramidenring kein Wohnen möglich ist, warum dann aber auf Flächen im Gewerbepark Georg Knorr? Darauf haben sich schließlich Ende Juni die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung geeinigt.

Johannes Martin: Das betrifft nur einen kleinen Teil, nicht einmal vier Prozent des Gewerbestandortes. Dieses Areal war von vornherein nicht einfach zu vermarkten. Der Kompromiss, dass ein privater Investor dort jetzt Wohnungen und kleinteiliges Gewerbe unterbringen kann, ist durchaus auch begrüßenswert. Besonders vor dem Hintergrund, dass wir beim Kleingewerbe innerstädtisch, aber auch in Marzahn-Hellersdorf einen besonderen Druck in der Konkurrenzsituation zum Wohnen verzeichnen, kann man mit dem gefundenen Kompromiss leben. Auch eine industrielle Ansiedlung wäre dort schwierig geworden, weil es mehrere denkmalgeschützte Gebäudestrukturen gibt, auf die Rücksicht genommen werden muss.

LiMa+: Und außerdem einen Bebauungsplan, der bisher nur eine gewerblich-industrielle Nutzung vorsieht…

Johannes Martin: Dieser muss dann entsprechend geändert werden. Aber das und die geforderte denkmalpflegerische Lösung wird sicherlich etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Das Gespräch führte Birgitt Eltzel.

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