„Nehm` Sie nenn Alten“

Unsterbliche Couplets von Otto Reutter

08.03.2014, Klaus Tessmann

Foto: Klaus Tessmann. Bitte klicken Sie zum Vergrößern auf das Bild.

Mahlsdorf. Das Gründerzeitmuseum und der große Salonhumorist Otto Reutter (1870 – 1931) gehören unbedingt zusammen. Seit über einem Jahrzehnt ist Hellmut Gaber mit seinen unterschiedlichen Otto-Reutter-Programmen zu Gast im Museum, denn damit verbinden ihn ganz persönliche Erinnerungen.

Otto Reutter war der bekannteste Salonhumorist der Gründerzeit. Er feierte im Jahre 1896 seinen großen Durchbruch im Berliner Apollo-Theater. Ab 1901 trat Reutter regelmäßig im Wintergarten auf. Auch nach über 100 Jahren lacht das Publikum über den eifrigen Maurer, über den Blusenkauf oder „Nehm` Sie nenn Alten“ und „In 50 Jahren ist alles vorbei“.

Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt sich Hellmut Gaber mit Otto Reutter, der am 24. April 1870 als Otto Pfützenreuter in Gardelegen bei Stendal geboren wurde. Im Gegensatz dazu ist Gaber aber ein waschechter Berliner – von Kindheit an in Wilmersdorf zu Hause. Das Theater war ihm nicht in die Wiege gelegt worden, aber sein Vater hatte schon früh das Interesse für die Schauspielkunst geweckt. Doch Gaber hat zunächst etwas Bodenständiges gelernt, war Handwerksmeister und beschäftigte sich mit Textilien und Pelzen. In den 60er-Jahren wechselte er sein Betätigungsfeld und baute ein Restaurant am Ku’Damm auf. Er wollte es im Stil der Gründerzeit einrichten, denn er sammelte leidenschaftlich die Möbel dieser Epoche. Gaber hörte sich in der Szene um, erfuhr vom Gründerzeitmuseum in Ost-Berlin und Charlotte von Mahlsdorf – damals noch Lothar Berfelde. Doch zwischen ihm und seinem Wunsch nach Mahlsdorf zu fahren, lag die Berliner Mauer. „Es war gar nicht so einfach, einen Passierschein zu bekommen“, erinnert sich Hellmut Gaber. Aber er hatte gute Beziehungen, und so stand er eines Tages auf der anderen Seite der Mauer. „Charlotte hat mich ganz herzlich empfangen“, erzählt Gaber, „sie war wirklich die kompetente Person, wenn es um die Gründerzeit ging.“ Vor allem war Charlotte „fasziniert von der Idee, ein Gründerzeit-Restaurant zu eröffnen.“

Es sollten 25 Jahre vergehen, bevor sich beide wiedersahen. „Mit 60 Jahren ging Charlotte in Rente und durfte nach Berlin-West reisen“, erinnert sich Gaber. „Sie ist dann 1988 tatsächlich zu mir ins Restaurant gekommen.“

„Es ist jetzt meine 5. Kariere“, sagt Hellmut Gaber nicht ohne Stolz: Handwerksmeister, Chef im Restaurant, Theaterdirektor, Schauspieler. Im Oktober 1977 hatte er in der Marburger Straße das Zimmertheater „Der Balkon“ eröffnet. „Fünf Jahre lang haben wir dort Theater gespielt“, erzählt Gaber, „so bin ich die Szene gerutscht.“ Dann fand er seinen Weg ins Kabarett und baute am Viktoria-Luise-Platz ein Dinner-Theater auf. „Es war ein Restaurant mit Bühne, auf der viele gute Kabarettisten zu Wort kamen.“ Nach 1995 ist Gaber dann „in die leichte Muse eingestiegen“ und ihr bis heute treu geblieben.

Für den Wilmersdorfer gibt es keinen besseren Ort für sein neues Otto-Reutter-Programm als das Gründerzeitmuseum in Mahlsdorf. Charlotte von Mahlsdorf (1928 – 2002) hat in ihrem Museum die Zeit am Leben erhalten, in der Otto Reutter am Apollo-Theater und im Wintergarten seine großen Erfolge feierte.

„Otto Reutter – Heiteres und Besinnliches“ am Sonnabend, 29. März 2014, 19 Uhr, Eintritt 12 Euro, am Klavier Wolfgang Panwitz. Das Museum hat an diesem Tag ab 16 Uhr geöffnet, in der Mulackritze werden kleine Speisen und Getränke angeboten.
Gründerzeitmuseum Mahlsdorf, Hultschiner Damm 333, Telefon: 5 67 83 29.

 

 

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