Hin und Her ums Tonstudio

Umzug auf lange Bank geschoben

09.02.2014, Klaus Tessmann

Foto: Klaus Tessmann

Marzahn. Die Zukunft des Tonstudios in Marzahn ist nach wie vor ungewiss. Noch ist es im Keller der Falken-Grundschule im Geraer Ring untergebracht. Doch dort soll es schon lange raus. Denn die Räume werden für den Schulbetrieb benötigt. Seit drei Jahren will der Senat für einen Umzug Geld zur Verfügung stellen. Passiert ist bisher nichts, obwohl schon 2012 eine Lösung gefunden werden sollte, wie die zuständige Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) damals versprochen hatte. Das Tonstudio gehört zum freien Träger DerArt gGmbH in Hellersdorf, es wurde aber mit Senatsunterstützung aufgebaut und wird auch zum Teil vom Land finanziert.

Freizeitforum als Standort ungeeignet
In den fast 25 Jahren seines Bestehens hat das Tonstudio viele Musiker auf den Weg zu einer ersten CD begleitet. Auch die Zusammenarbeit mit der Falken-Grundschule war immer sehr gut. Die Schüler nutzen die technischen Möglichkeiten für eigene Produktionen, so wurden beispielsweise Hörspiele dort aufgenommen. Für das Studio werden besondere Bedingungen gefordert. So dürfen keine Geräusche von außen kommen, aber auch keine nach außen dringen. Insofern waren die Bedingungen im Geraer Ring ideal. Deshalb erwies sich die erste Idee, in das Freizeitforum Marzahn (FFM) umzuziehen, als nicht realisierbar. „Die benachbarte Kegelbahn war deutlich zu hören“, sagte Reinhard Lehmann, der die Einrichtung seit 24 Jahren leitet. Die nachfolgende Idee, Räume in der Volkshochschule, Mark-Twain-Straße 27, für das Studio bereitzustellen, wurde bis heute nicht realisiert.

Für Lehmann ist es sehr wichtig, dass das Studio erhalten bleibt, weil es die einzige Einrichtung in Berlin ist, die jungen Musikern aus der Hauptstadt gute Konditionen für eigene Produktionen anbietet. „Das Tonstudio wendet sich aber nicht nur an junge Leute. Es können Musiker aller Altersgruppen kommen“, erklärt der Techniker. Lehmann bedauert diese ungewisse Situation sehr, denn „unter diesen Bedingungen sind keine langfristigen Planungen möglich“.

Land will Kosten mittragen
Wolfgang Brauer, Abgeordneter der Linken aus Marzahn-Nord, hat sich bei der Senatsverwaltung für Kultur nach dem Tonstudio erkundigt. In der Antwort auf die Kleine Anfrage bescheinigt der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning, der Einrichtung eine hochprofessionelle Ausstattung (inklusive eines Bechstein-Flügels). Eine große Bandbreite an musikalischen Genres könne abgedeckt werden. Böhning sieht zwar keine Probleme für die Berliner Musikszene, wenn das Studio nicht mehr zur Verfügung stünde. Allerdings müssten sich dann die Musiker „auf eigene Kosten kommerzielle Studios anmieten.“ Und das können sich vor allem junge Musiker nicht leisten.

Deshalb hat die Senatskulturverwaltung Interesse an einem neuen Standort und will sich mit 100.000 Euro an den Umzugs- und Ausbaukosten beteiligen. Im vergangenen Jahr hatte sie erneut die Mittel bereitgestellt, die sie schon 2012 angeboten hatte. Doch das Geld wurde nicht abgerufen. Ende September sei vom Bezirk signalisiert worden, dass die Maßnahme im Jahr 2013 nicht mehr zu schaffen ist. Die Kulturverwaltung habe das Geld „im Jahr 2014 erneut und letztmalig für den Ausbau des Tonstudios in der Volkshochschule zur Verfügung gestellt“, heißt es in der Antwort Böhnings. Voraussetzung sei allerdings, dass der Bezirk „sich mit Mitteln in mindestens gleicher Höhe für den Ausbau und den Umzug“ engagiere.

Hochbauamt hat Personalmangel
Stadträtin Witt verweist darauf, dass das bezirkliche Hochbauamt mit diesem speziellen Fall völlig überfordert ist: „Dafür gibt es im Bezirk keine Erfahrungen“.  Das sei bereits im vergangenen Sommer klar gewesen: „Weder das Land Berlin noch die ‚DerArt’ haben die Kapazität, ein solches Bauvorhaben zu schultern.“ Witt betont, dass der Bezirk nach wie vor dazu stehe, das Tonstudio zu halten. Doch sie kritisiert gleichzeitig die Senatskanzlei, die für den Notfall „keinen Plan B hat“. Für sie ist auch klar, dass nach dem langen Hin und Her sowohl der Träger als auch der Techniker abgehärtet sind und sich mit der Situation abgefunden haben. „Und schließlich gibt es Zahlen in der Schulentwicklungsplanung, die sogar einen Rückgang der Schülerzahlen in genau diesem Stadtteil beschreiben.“

Damit werde die Hoffnung geweckt, dass ein Umzug nicht notwendig wird und die 200.000 Euro Umbaukosten vielleicht gar nicht benötigt würden. Ob sie dann „für andere Projekte gespart werden könnten“, wie Witt es sich erhofft, hängt aber nicht von den Wünschen des Bezirks ab, sondern vom Wohlwollen des Senats. Eines ist für die Stadträtin jedenfalls sicher, die „Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf wäre durchaus erfreut über die neuen Kellermieter.“ Sie könne aber selbst dafür nichts tun, alles hänge ab von den Fachleuten im Hochbaubereich des Bezirks  ­- und dort gebe es seit vielen Jahren Personalmangel.

 

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Leserkommentare

  1. Kleine Details als Korrektur
  2. …auch wenn das niemand interessiert…1. der Vertrag läuft zwischen dem Schulstadtrat und dem Träger Derart. Insofern hatte ich 2012 angeboten, bei einerLösung behilflich zu sein, aber bin weder zuständig noch eigentlich die Verhandlungsmoderatorin. 2 . insofern habe ich auch keine Lösung versprochen. Weder in 2012 noch jetzt. 3. Dass ich in 2012 angeboten hatten, einen Umzug ins FFM zu prüfen, und das auch getan habe, dass wir schon kurz vor dem Umbau waren, aber dann der Senat noch in einem Gutachten sagte, das dies aufgrund der Bowlingbahn nicht geht… Ist das Eine. Dass jetzt in 2013 der Umzug in die VHS geprüft wurde, hat auch nur einen Grund: niemand im Bezirk, im Land, hatte einen anderen Standort angeboten. Deshalb habe ich wieder angeboten, dass ein Umzug in meine Volkshochschule denkbar wäre und ein Gutachten hat bestätigt: ok, das ginge. 4.das Projekt ist auch nicht auf die lange Bank geschoben, sondern wird aktuell mit großer und letzter Mühe verfolgt. dazu gibt es jede Woche Kontakte zum Senat und Besprechung im BA, wie das zu stemmen sei, wer die Bauarbeiten übernehmen könnte. 5. die VHS wäre zwar bereit, das Tonstudio dann im Keller zu haben, aber es handelt sich eben mitnichten um einen Mieter, sondern der Träger kann KEINE Miete zahlen. 6. ist es klar, dass ich mir nicht erhoffe, dass das Geld dann für andere Projekte zur Verfügung steht … Das Geld wird dann im Senat für Jazz und Kultur ausgegeben, aber dann eben nicht dem Bezirk überwiesen.
    Dies kurz zur Richtigstellung.

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