Auf vier gestorbene Bäume kommt nur eine Neupflanzung

Bäume kommen nicht mehr ans Wasser

11.09.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Marcel Gäding (1), Volkmar Eltzel (2), Birgitt Eltzel (3). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. „Die Trockenheit in diesem Jahr setzt den Trend von 2018 fort“, sagt Lichtenbergs Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU). LiMa+ berichtete 2018. Im Winter konnte das Flüssigkeitsdefizit im Boden vom Rekordsommer 2018 nicht ausgeglichen werden. Der Winter ist normalerweise die wichtige Jahreszeit, wo sich die Grundwasserschichten durch die Niederschläge wieder auffüllen. „Es gab zwar mehrfach Niederschläge“, ergänzt Diplombiologin Beate Kitzmann vom Verein Naturschutz Malchow. „Aber das war viel zu wenig Wasser, als dass es die tieferen Bodenschichten ab 20 Zentimeter Tiefe erreicht hat.“ Die hohen Temperaturen im Spätfrühjahr und im Sommer führten dann dazu, dass in den oberen Bodenschichten das Wasser aufgebraucht wurde und verdunstete.

Viele Abgänge bei Fichten und Birken

„Wenn dann ein Starkregen auf den knochentrockenen Boden trifft, fließt das Wasser oberirdisch ab und ist für die Pflanzen verloren“, erklärt Beate Kitzmann. Damit werden verheerende Prozesse in Gang gesetzt. Flach wurzelnde Bäume, wie viele Fichtenarten, Birke, Haselnuss und Weidenbäume, können nur noch wenig oder gar kein Wasser mehr aus dem Boden gewinnen. Ihre Wurzeln reichen nicht bis zum Grundwasser. So ist für viele Bäume auch die Nährstoffversorgung aus dem Boden gestört. Sie haben buchstäblich großen Stress. Blätter werden vorzeitig gelb, dann braun und werden abgeworfen. Die Photosynthese setzt aus. Beim nächsten stärkeren Wind besteht zudem die Gefahr, dass diese Bäume umstürzen, weil der Halt im Boden nicht mehr gewährleistet ist. „Bei Fichten und Birken haben wir jetzt schon viele Abgänge im Bezirk“, informiert die Biologin. Das beträfe auch große Bäume.

Wassersäcke sind Notvariante für Jungbäume

Aber auch Tief- oder Pfahlwurzler, wie Tanne, Waldkiefer und Esche haben mittlerweile Probleme, weil normalerweise wasserführende Schichten im Boden versiegt sind. Mit den Jahren verstärkt sich der Wassermangel. Zu früh werfen etliche Bäume ihre Früchte ab, da diese zu viel Wasser benötigen. „Die öfter zu beobachtenden Wassersäcke an Jungbäumen sind kurzfristig nützlich“, erklärt Beate Kitzmann. „Jedoch bleiben sie eine Notvariante, weil sich durch die örtlich begrenzte Feuchtigkeit die Wurzeln nicht richtig ausbilden können.“

Grünflächenamt bewässerte 60.000 Bäume

„Eigentlich müssten die Baumscheiben bei vielen Straßenbäumen größer sein, damit mehr Feuchtigkeit in den Boden gelangt“, ergänzt Wilfried Nünthel. „Wir haben in diesem Jahr rund 60.000 Bäume bewässert. Jeweils zur Hälfte Straßen- und Parkbäume.“ Doch, wenn die Trockenheit so anhalte, sei der Wassermangel allein durch die Bewässerung nicht auszugleichen.

„Es ist nicht nötig, einen Baum täglich zu gießen“, erläutert Beate Kitzmann im Hinblick auf zahlreiche Lichtenbergerinnen und Lichtenberger, die den Bäumen in ihrem Kiez helfen wollen. „Es reicht jeden zweiten bis dritten Tag. Aber dann richtig.“ 80 bis 100 Liter benötige ein mittelgroßer Baum. Also mindestens acht Gießkannen voll in mehreren Intervallen, damit das Wasser Zeit hat, im Boden zu versickern.

Schadensbilanz aus 2018 kommt im IV. Quartal

„Sieben bis neun Jahre braucht ein Baum, um überhaupt an tiefer liegende wasserführende Schichten heranzukommen“, sagt der Umweltstadtrat. „Doch viele haben einfach keine Chance.“ Man hoffe, dass es im nächsten Jahr feuchter werde. Diese Hoffnung gab es jedoch auch 2018 LiMa+ berichtete.

„Derzeit sterben spürbar mehr Bäume in Lichtenberg ab, als nachgepflanzt werden können“, betont Wilfried Nünthel. Das Verhältnis sei etwa 4 zu 1. „Wir haben noch keine genaue Schadensbilanz von 2018. Diese erfolge immer erst im IV. Quartal des Folgejahres. Und sie bilde auch nur den Baum-Zustand auf öffentlichen Flächen ab.

2018 gab es in Lichtenberg einen öffentlichen Baumbestand in Höhe von 70.589 Bäumen. 31.664 Bäume davon direkt an Straßen.


Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden