Schiffsoffiziere lernen im UKB

Training für den Notfall

29.01.2014, Hans-Christian Bustorf

Foto: Unfallkrankenhaus Berlin

Marzahn. Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) bildet künftig Schiffsoffiziere medizinisch weiter. Das Team um Prof. Olaf Schedler erhielt dafür jetzt die Zertifizierung. Das UKB ist damit das erste Berufsgenossenschaftliche Ausbildungsinstitut in Deutschland, das vom Seeärztlichen Dienst der Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft (BG Verkehr) zugelassen wurde. Der erste Lehrgang beginnt Ende März.

Oft weit weg von jedem Krankenhaus
Unterwegs auf den Weltmeeren und weit weg von jedem Krankenhaus: Seeleute sind oft auf sich allein gestellt, wenn medizinische Notfälle auftreten. Im Rahmen ihres Nautikstudiums absolvieren angehende Offiziere deshalb eine vierwöchige medizinische Ausbildung. Doch dieses Wissen geht meist im Lauf der Jahre ein Stück weit verloren. Deshalb müssen die Offiziere im Rahmen der Verlängerung ihres seemännischen Patents alle fünf Jahre an einem Wiederholungslehrgang teilnehmen. Der dauert, je nach Einsatzgebiet der Schiffsoffiziere, zwei Tage oder eine Woche. Das Programm ist umfangreich: „Geübt werden Wiederbelebung, der Umgang mit dem Defibrillator, die richtige Lagerung von Patienten. Die Offiziere bis hin zum Kapitän müssen Wunden und Knochenbrüche versorgen können, Spritzen und Infusionen geben, Katheter legen und auch wissen, welche Formulare und Institutionen wichtig sind“, sagt Dr. Philipp Langenbuch vom Seeärztlichen Dienst der BG Verkehr, der auch die Zertifizierung des Zentrums für Notfalltraining durchgeführt hat.

Die Medizinbibel der Seefahrt
Auf hoher See können sich die Offiziere medizinischen Rat vom funkärztlichen Beratungsdienst in Cuxhaven holen. Grundlage dafür bildet die sogenannte Medizinbibel der Seefahrt, die offiziell „Anleitung zur Krankenfürsorge auf Kauffahrteischiffen“ heißt. Dieses für Laien in verständlicher Sprache geschriebene Buch ist die Basis der medizinischen Ausbildung der Schiffsoffiziere. Dort finden sich praktische Hinweise, z.B. zum Schienen eines Bruches oder der Behandlung bei Unterkühlung. Und es gibt direkte Verweise auf die in der Schiffapotheke vorhandenen Medikamente und Hilfsmittel.
Damit bis zum Ernstfall nicht nur graue Theorie erlernt wird, sollen Offiziere, die den Lehrgang in Berlin besuchen, auch die Rettungsstelle des UKB kennen lernen. „Sie können Erfahrungen mit echten Patienten sammeln und sollen so auch die Angst verlieren, sich im Notfall bei der Behandlung anderer Besatzungsmitglieder überfordert zu fühlen“, sagt Prof. Schedler. Für Dr. Langenbuch ist das eine „zukunftsweisende Methode“.

Bis zu 18 Teilnehmer je Kurs
Als Referenten im nautischen Medizinauffrischungskurs stehen den Seeleuten UKB-Experten aller Fachkliniken zur Verfügung, die vom Zentrum für Notfalltraining vorher zu besonderen Anforderungen der Medizin auf See gebrieft werden. Pro Kurs können – so sind die Vorschriften – bis zu 18 Offiziere teilnehmen, das Klinikum bietet diesen Lehrgang einmal pro Quartal an.

Im Klinikum an der Warener Straße, einem der modernsten Krankenhäuser Deutschlands, wird noch mehr für die Seefahrt getan: Dort werden auch werden Schiffsärzte- und schwestern ausgebildet, Tauchmedizin gelehrt und Seediensttauglichkeitsuntersuchungen durchgeführt.

 

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