Schafft Hellersdorf den Eintrag ins Guiness-Buch?

Top, die Wette gilt!

07.11.2015, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Gemeinsam wird gesägt und geschraubt: Hellersdorfer wollen mit dem längsten selbstgebauten Picknicktisch der Welt ins Guinnessbuch der Rekorde. Mindestens 161 Meter lang muss das Möbel sein, Fertigstellungstermin ist der 18. Dezember. Dann soll der Tisch mit einem gemeinsamen vorweihnachtlichen Picknick auf dem Boulevard Kastanienallee eingeweiht werden. Am Freitag, 6. November, erfolgte dort der Start des Weltrekordversuchs. Die Schirmherrschaft hat Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeister Stefan Komoß (SPD) übernommen.

NeverEndingTable – es kann angebaut werden
„Wir schaffen das“, ist Steffi Märker, die Vorsitzende des Vereins Kids & Co überzeugt. Gemeinsam mit der Alice-Salomon-Hochschule und der Hochschule Anhalt wurde die Idee des Picknicktisches, der die Nachbarn zusammenbringen soll, geboren. Die Tischkonstruktionen wurden in Dessau in der Summerschool of Architecture von Studenten entwickelt, erzählt Professor Stephan Pinkau. Das Besondere daran: Ein Tischteil kann nicht allein stehen, er braucht mindestens einen zweiten. Und er ist ein NeverEndingTable – es kann beliebig angebaut werden, damit sich viele Menschen an einer gemeinsamen Tafel treffen können.

Studenten befragten Bewohner
Der Projektstandort Boulevard Kastanienallee basiert auf einer Initiative der Alice-Salomon-Hochschule (ASH). Die Bildungsstätte hatte sich, nachdem 2013 Proteste gegen die Einrichtung eines Flüchtlingsheims im Kiez laut geworden waren, mit den Lebensbedingungen rund um den Boulevard Kastanienallee beschäftigt. Dieser gehört zu den sozial schwächsten Gebieten in Marzahn-Hellersdorf, jetzt soll dort ein Quartiersmanagement eingerichtet werden. Im Rahmen eines Studentenprojektes im Sommer dieses Jahres wurden die Bewohner nach ihren Wünschen und Bedürfnissen befragt. „In den insgesamt 185 Interviews, die die Studenten geführt haben, hatten sich viele Bewohner Orte zur Kommunikation gewünscht“, sagt Prof. Dr. Theda Borde. Mit dem Weltrekordversuch solle einer entstehen, sagt sie. Jeder kann mitmachen. Sowohl Anwohner als auch Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in der Carola-Neher-/Maxie-Wander-Straße, Studenten der ASH, junge Leute aus berufsbildenden Projekten von Kids & Co und aus der Piaget- und Haeckel-Oberschule beteiligen sich bereits, weitere Helfer sind willkommen. „Und wenn wir am 18. Dezember fertig sind und feiern, wäre es toll, wenn jeder der Nachbarn auch etwas für die gemeinsame Tafel mitbringt“, sagt Theda Borde. Das Projekt wird mit 10.000 Euro im Rahmen des Bundesprogramms “Demokratie leben” gefördert.

Deutsche Wohnen unterstützt Projekt
In der neueröffneten Werkstatt von Kids & Co an der Stollberger Straße 35 am Boulevard wird ab dem 11. November jeden Mittwoch  von 14 bis 17 Uhr und jeden Sonnabend von 10 bis 14 Uhr am Weltrekord-Tisch gearbeitet. Doch der Verein hat nicht nur die Organisation der praktischen Arbeit übernommen, sondern kümmert sich auch um alle Formalitäten für die Guinnessbuch-Anmeldung. Die Kosten dafür übernimmt die Deutsche Wohnen, die rund 15.000 Wohnungen im Bezirk besitzt, darunter auch die meisten am Boulevard Kastanienallee. Sie stellt ebenfalls die Räume für die Werkstatt zu günstigen Mietkonditionen zur Verfügung. Wie teuer der Guinness-Versuch wird, ist noch unklar – laut Steffi Märker kostet allein der Eintrag selbst 415 Britische Pfund. Es wird aber noch weiteres Geld gebraucht, so beispielsweise für einen offiziellen Vermesser und einen Notar, die bestätigen, dass auch alles seine Richtigkeit hat.

Der Boulevard wird belebt
Wenn sechs Tage vor Heiligabend hoffentlich gefeiert werden kann, ist es allerdings draußen kalt. Trotzdem ein Picknick unter freiem Himmel? Steffi Märker ficht die Aussicht auf möglicherweise frostige Temperaturen nicht an: „Die Leute gehen ja auch auf den Weihnachtsmarkt“, sagt sie. „Und es wird Glühwein zum Aufwärmen geben“, kündigt sie an. Professor Pinkau, der die Idee zum Weltrekordversuch im Projekt interfix.social hatte, sagt, dass dieser längst nicht das Wichtigste an der Aktion sei: „Das Wesentliche ist das Machen, das gemeinsame Bauen, das Miteinander ins Gespräch kommen“, sagt er. Der Boulevard werde damit belebt, es würden Begegnungen zwischen ganz verschiedenen Menschen entstehen.

Es gibt schon weitere Ideen
Die Projektpartner aus den Hochschulen haben auch schon weitere Ideen für den Boulevard. So soll in einem ehemals leerstehenden Ladengeschäft in der Stollberger Straße 63, das den Studenten für ihr Sommer-Projekt zur Verfügung gestellt worden war, künftig ein Anwohner/Studenten/Flüchtlingscafé eingerichtet werden, ebenfalls unterstützt vom Vermieter Deutsche Wohnen. Die Möbel dafür werden von den Dessauer Studenten entworfen.

Leider noch keine Lösung für Schandfleck
„Das sind tolle Ideen. Es zeigt mehr als tausend gute Worte: Wenn alle anpacken, kann etwas rauskommen“, sagt Bürgermeister Komoß. Er freue sich auch, dass der Senat kürzlich beschlossen habe, den Boulevard Kastanienallee zum Berliner Quartiersmanagement-Gebiet zu machen. Das QM solle Anfang nächsten Jahres eingerichtet werden. Eines, was die Bewohner und auch das Bezirksamt besonders ärgere, könne aber auch damit nicht geleistet werden: den Schandfleck inmitten des Gebiets, seit vielen Jahren leerstehende und verrottende Verkaufseinrichtungen, zu beseitigen. „Der Eigentümer hat sich bis jetzt nicht verhandlungsbereit gezeigt. Da sind uns leider die Hände gebunden“, sagt Komoß. Er hoffe auf Investitionen wie bei den Hochhäusern an der Hellersdorfer/Alte Hellersdorfer Straße, in denen bis Mitte der 1990er-Jahre das Bezirksamt untergebracht war. Diese standen auch jahrelang leer, inzwischen sind sie saniert und dienen als Wohnhäuser.

Wer  beim Bau des Tisches mitmachen will, kann mittwochs und sonnabends zu den öffentlichen Bauaktionen kommen. Alle Mitwirkenden erhalten eine Urkunde über die Teilnahme am Weltrekordversuch. Um Anmeldung wird bei Tobias Mosbach von Kids & Co gebeten. E-Mail: tmosbach@kids-und-co.de

 

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